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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-04-01 · 7 (1.4.1936) · p. Seite 162

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162 Bayerische Israelitische Gemeindezeitüng- Nr. 7 Sichern Sie die LaMsiulheiin Florenz Höhcrc Schule und Internat Zukunft Ihrer Kinder durch. Ausbildung im: 1. Schulbildung bis zum Abiturium 2. Für Knaben und Mädchen von 6—18 Jahren 3. Unter Leitung bewährter Pädagogen 4. Studienberecbtigung in fast allen Ländern, Sprachenpflege 5. Werkunterricht, Landarbeit, Haushallkunde •6. Vorbereitung für Palästina 7. Ärztliche Überwachung, individuelle Förderung 8. Schönste Umgebung, gutes Klima, Sport 9. Erstklassige Verpflegung 10. Zeitgemäße Preise, keine Transferschwierigkeiten. Auskünfte und Prospekte durch die Leitung: Oberregierungsrat Dr. Werner Peiser, Dr. H. Goldstein Florenz, Villa Pazzi, Plan dei Guillari Neuaufnahmen 1. April 1936, vidualitäten nahezubringen. Diesem Ziel dienen vor allem reichlich dargebotene Übersetzungen, namentlich poetischer und prophetischer Stücke, in denen eine von dem Herkömmlichen häufig abweichende Formgebung angewandt wird, während die Bildbeigaben in die Kultur der einzelnen Zeitalter einen Einblick vermitteln oder die Überlieferungs- und Schriftgeschichte des Textes veranschaulichen. Hempel hat mit diesem Werk eine wertvolle Arbeit zur Geschichte des Alten Testaments und zur Literaturgeschichte ge-. leistet. Fußend auf den jüngsten Forschungsergebnissen zur israelitischen Kultur- und Geistesgeschichte ist es ein wichtiges Studienwerk für den Theologen, Literatur- und Kulturgeschichtler, ausgezeichnet durch Klarheit des Stils und mit aufschlußreichem Bildmaerial versehen. ' Albert Lewkowitz, Das Judentum und die geistigen Strömungen des 19. Jahrhunderts (Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums). Breslau (M. & H. Marcus Verlag) 1935; Gr.-8°. XII, 570 Seiten. Seit mehr als zwei Jahren haben wir eine gültige Beschreibung und Deutung des Prozesses, der eintrat, als sich das westeuropäische Judentum mit der Emanzipation vom grundsätzlich gesetzestreuen Standpunkt ablöste. Max Wiener hat in dem besten Buch, das uns seit 1933 aus dem Kreis der Juden in Deutschland geboten wurde, „Die Jüdische Religion im Zeitalter der Emanzipation" (Philo-Verlag, Berlin 1933), nicht nur durch äußere Ordnung ziemlich undurchsichtige Stoffmassen deutlich gemacht, sondern schon den eigentlichen Vorgang der gegenseitigen Durchdringung des europäisch-jüdischen Geistes nach Beendigung der Ghetto-Existenz mit großer Schärfe getroffen. Das neue Werk von Albert Lewkowitz macht den Versuch, das gesamte. europäische Geistesleben von ,Kant bis Bergson im Zusammenhang mit dem Judentum zu behandeln. An dieser Art der Bewältigung eines selten zersplitterten und wenig homogenen Wissensmaterials sehen wir erst, wie bedeutend die Leistung von Wiener ist, der von der jüdischen Seite die Verwandlung, des Judentums durch Eindringen einer fremden Welt schildert. Das Eindruckvollste seiner Darstellung ist, wie er das Unaufhaltsame des Herganges, den inneren Bedeutungswandel selbst, z. B. die säkulare Veränderung der Orthodoxie, bei äußerer Beibehaltung der Pflichtenlehre, begreifen lehrt. Demgegenüber liegt die Stärke des umfangreichen Bandes von Lewkowitz in einer mehr äußeren Systematisierung der bekannten geistigen Strömungen des 19. Jahrhunderts, die in ihrem Zusammenfluß mit jüdischem jGeistesgut untersucht werden sollen. Ein schon im Ansatz zum Scheitern verurteiltes Beginnen, wenn nicht streng methodisch und mit voller Klarheit über die Aüslesepririzipien vorgegangen wird. Die wirkliche gegenseitige Affizierung könnte ja erst gezeigt werden, wenn die Begriffe „Geist" — „Jüdischer Geist" — „Die europäischen Geisteshaltungen und ihre Kriterien", geschärft, vor allem aber die zunächst harmlose Verknüpfung „und" im Haupttitel im höchstmöglichen Maße begrifflich geklärt würde. Darum kümmert sich Lewkowitz weniger, und dieser Unbekümmertheit verdanken wir eine saubere übersichtliche Zusammenstellung der einschlägigen „Weltanschauungen" und ihrer Vertreter. Der Stoff wird in drei große Abteilungen gesperrt: Die Weltanschauung des ethischen Rationalismus (Kant; sein Einfluß auf Bendavid, Salomon Maimon, Moritz Lazarus, Hermann Cohen). — Die Weltanschauung des Pantheismus (Romantik; ihr Einfluß auf die verschiedensten Richtungen von Heine, Isaak Bernays, S. R. Hirsch, Zunz, Abraham Geiger, Graetz, Steinheim, Herzl, Martin Buber). — Die Weltanschauung des Naturalismus (Ludwig Feuerbach, Spencer, Sigmund Freud, Marx und Engels, Schopenhauer, Nietzsche, Bergson). Infolge der Unschärfe der Begriffe wird hier Philosophiegeschichte mit einem vielfarbigen Scheinwerfer getrieben. Analysen von Systemen und Gestalten sind mit Urteilen über die religiösen und politischen Richtungen des Judentums im 19. Jahrhundert vermengt, wobei bald die rein historische, bald die systematisch-philosophische Methode verwendet wird. Das Verdienstliche des Werkes von Lewkowitz bleibt die Zusammentragung der vielen jüdischen und nicht-jüdischen Denker: es liegt in der Natur einer solchen Sammlung, daß das Ideengebäude der einzelnen Denkerpersönlichkeiten nur in einem abgekürzten Grundriß wiedergegeben werden kann, wobei das Jüdisch-Eigentümliche (etwa bei S. R. Hirsch oder.Bernays, aber auch bei den Begründern des Zionismus) unscharf wird und manchmal sogar in einen peinlichen, lexikonartigen Relativismus hineingerät. Das gilt zunächst für das Werk im Ganzen, in das viel zu viel hineingepackt ist. Nimmt man die Einzeldarstellungen aus ihrem an und für sich losen Zusammenhang heraus, so erfreuen einige Bearbeitungen gerade durch den Extrakt und die anzugsweise Wiedergabe, wodurch manchmal die Durchnahme großer zweitrangiger Systeme (man denke etwa an Steinheim oder Formstecher) erspart. Darin liegt freilich auch wieder das Gefährliche von solchen historischen, vielseitigen Abrissen. Die Monographie einer einzigen Gestalt auf dem Zeithintergrund, im engsten Zusammenhang mit dem Zeitgeist, zeitlich nach rückwärts und vorwärts gut orientiert, immer durchdrungen von der ' eigentlichen Problematik der jüdischen Komponente, das wäre die Forderung der Stunde, Der vorliegende Grundriß hat sich eine andere Aufgabe gestellt, die er auf interessante, wenn auch nicht immer befriedigende Art gelöst hat. F. Hans Joachim Schoeps, Gestalten an der Zeitenwende. Berlin, Vortrupp-Verlag 1935- Hans Joachim Schoeps hat unter dieisem Titel drei Essaicvereinigt, in denen er drei große Persönlichkeiten der Vergangenheit aufruft, um in der Betrachtung ihrer geistesgeschichtlichen Stellung zu der Problematik ihrer ' Zeit den Blickpunkt zu gewinnen, der es ihm gestattet, die Kräfte, die unsere Gegenwart durchströmen und gestalten, zu erkennen. ' . Er scheint uns den richtigen Weg gegangen zu sein, denn die geistige. Krise, in der sich Europa befindet, hat ihre Schatten weit zurückgeworfen, und ihre Ursachen wie ihre Symptome Amtl. Französisches Verkehrsbüro Reisebüro der französischen Eisenbahnen Maximilian H. Fuchs,Dipl. Kaufmann ' MÜllCheh" 2 NW,. MaximjlianSpIatZ 12a Tel. 13881 - Telegr.-Adr. Francotours 'Offizielle Ausgabestelle von einlachen und 20—75% ermäßigten Fahrscheinen. ■ (Rjick-,. Rundreiser* Familieniahrscheine etc.) nach FranM .•;•>••■, ... - - .. , ., .. •> - . 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