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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-04-01 · 7 (1.4.1936) · p. Seite 151

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
7 (1.4.1936)
Date
1936-04-01
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung l&l Jüdische Geschichte aus den über die Anfänge 1. Urkirche und Frühkatholizismus von Albert Ehrhard. Erster Teil einer mehrbändig geplanten Kirchengeschichte, betitelt: „Diß katholische Kirche im Wandel der Zeiten und der Völker." 328 Seiten Text, 17 Bilder auf Kunstdruckpapier. Lwd. RM. 5.40. Verlag der Buchgemeinde Bonn, 1935. 2. Geschichte der Alten Kirche von Hans Lietzmann. Erster Band: Die Anfänge. Berlin und Leipzig, W. de Gruyter & Co., 1932; VII, 323 S. Geb. RM. 7.—. — Zweiter Band: Ecclesia catholica, 1936; VIII, 339 S. Im gleichen Verlag. Die beiden angesehensten Kirchenhistoriker der Gegenwart legen die gereiften Ergebnisse jahrzehntelanger Forschungs- und Lehrtätigkeit über die ersten Anfänge des Christentums in knappen Darstellungen vor, die die letzten Formulierungen aus einem kaum übersehbaren Quellenmaterial und Wissensstoff enthalten. Professor Ehrhard, der fast 75jährige Prälat, der Verfasser und Herausgeber von Werken, die uns das Verständnis der abendländischen Kirchen- und Geistesgeschichte aufgeschlossen haben, macht in einem einbändigen, nicht für Gelehrte geschriebenen imposanten Werk die sehr verwickelten Fragen der christlichen Urgeschichte verständlich. Die Klarheit und Flüssigkeit des Vortrages, der nur letzte Resultate unter Beiseitelassung kirchenhistorischer und religionswissenschaftlicher Streitfragen vom katholischen Glaubensstandpunkt aus bietet, bilden die Stärke auch dieses neuen Geschichtswerkes von Ehrhard. Lietzmanns „Geschichte der Alten Kirche" ist in dem Geiste Harnacks geschrieben; die kanonischen und dogmatischen Urkunden werden darin wie andere profane antike Texte streng philologisch-historisch betrachtet, in der bekannten Blickweise des evangelischen Theologen mit seiner eingewurzelten Abneigung gegen alles Jüdische. Beiden Darstellungen ist gemeinsam, daß sie das Judentum als das verworfene, verblendete Gottesvolk anzusehen gewohnt sind und von den Gedanken des Paulus (im Römerbrief Kap. 9—11) sowie des Johannes-Evangeliums (8, 12—59) über die Rolle der Juden im göttlichen Weltplan tief durchdrungen sind, obwohl beide im übrigen wie moderne Historiker, also innerweltlich, nicht mehr vorwissenschaftlich, denken und schreiben. Aus Ehrhards unvergeßlichem älteren Grundwerk „Der Katholizismus und das 20. Jahrhundert" gewannen wir vor mehr als 30 Jahren unsere erste tiefere Einsicht in das Wesen des Mittelalters und des Christentums. Ein Satz aus dieser heute wie damals gleich frischen und zeitgemäßen Apologie lautet: „Je mehr das, was wir lieben und verehren, geschmäht und in den Staub gezogen wird, desto inniger pflegen wir es in unser Herz zu schließen." Ehrhard und Lietzmann sind beide viel zu abgeklärte, in ihrer wissenschaftlichen Arbeit über dem Schlagwort des Tages stehende echte Historiker, als daß sie das Judentum (außerhalb der theologischen Sphäre) auch nur mit einem Ton herabzögen, schon um ihrer eigenen Religion willen und in ihrem starken Bewußtsein von der jüdischen Zugehörigkeit der großen urchristlichen Persönlichkeiten, denen ihre Deutungs- und Erklärungsversuche gelten. Die semitische, echt jüdische Denk- und Ausdrucksweise der Urkirche wird von Forschern vom Range Ehrhards und Lietzmanns selbstverständlich nicht verkannt. Aber den entscheidenden Vorgang erkennen beide in der johanneischen Abkehr der neuen an den wiederauferstandenen Christus glaubenden Sekte vom Judentum. Der neuesten Geschichfswerken des Christentums enge Zusammenhang der ersten Judenchristen mit dem Tempel und dem Gesetz bleibt dabei charakteristisch für das früheste Stadium des Christentums. „Es ist undenkbar", sagt Ehrhard, „daß Juden, auch wenn sie den Glauben an Jesus von Nazareth angenommen hatten, in Jerusalem wie in ganz Palästina sich von Einrichtungen hätten trennen können, die den Stolz ihrer Nation und die Normen für das Leben ihrer Väter darstellten. Dazu kam, daß das mosaische Gesetz zugleich das jüdische Recht war und somit das ganze bürgerliche Leben der Palästinajuden beherrschte." Die Urkirche blieb noch innerhalb des Rahmens des palästinensischen Judentums und erhob den Anspruch, das wahre Israel zu sein; sie war zunächst nur eine eigenwillige heroische Sekte, die sich aber mit dem Gesamtjudentum vertrug und in dem jüdischen nationalen Verband ganz eingewurzelt war. Aber aus der Uberzeugung von der Nähe der messianischen Vollendungszeiten (einem legitimen jüdischen Glauben) schöpften die Mitglieder der ersten sich von ihrer Umgebung noch nicht abhebenden Christengemeinschaft die Kraft, auf ein behäbiges Erdenleben zu verzichten. Ehrhard setzt hinzu: „Großtaten entstehen im religiösen Leben der Menschheit niemals, ohne daß ihre Träger aus den .geordneten erdenhaften Daseinsverhältnissen heraustreten und dadurch den Hohn und den Spott der Masse auf sich laden, die sich weigert, die ausgetretenen Lebenswege zu verlassen, der aber die Weltgeschichte nichts zu verdanken hat, und die nur die dunkle Folie bildet, von der jene leuchtenden Vorkämpfer sich abheben." Die lebendige Schilderung der jüdischen Messiäshoffnung in der Römerzeit wie überhaupt der gesamten religiösen, zu der entscheidenden Wandlung führenden Haltung'des damaligen palästinischen Judentums, dessen einfache Leute in Stille und Geduld auf das Kommen des prophezeiten Reiches Gottes warteten, ist das besondere Anliegen Lietzmanns, der im übrigen nach den Quellen den vielgestaltigen, rätselreichen, uns immer wieder so tief bewegenden Prozeß der Geburt des Christentums aus dem Judentum aufhellt. Wie das junge Christentum — als Verfolgte in heroischer, verzichtender Demut, nur Duldung heischend, als Sieger, aber sich in ein doppeltes Imperium verwandelnd — die Welt erobert hat, mit den jüdischen biblischen Büchern in der Hand, die es für sein Eigentum erklärte, wie es die Synagoge als die „Kainssöhne", die Gezeichneten, verwarf und ewig demütigte, das bleibt der erschütterndste Vorgang auch der jüdischen Geschichte, die vom ersten nachchristlichen Jahrhundert an ihren eigenen Gang, abseits von der allgemeinen . Weltgeschichte antritt und heute noch nicht beendigt hat. Welcher Reichtum in Ehrhards und Lietzmanns Geschichtswerken über das entstehende Christentum und das von ihm hinabgestoßene Judentum steckt — immer mit dem bekannten theologischen Vorzeichen — kann nur ermessen, wer den gegenwärtigen Stand der Forschung auf diesem schweren Gebiet und die Quellenlage überblickt. Die Geschichte des Judentums aus jüdischem Geist kann nur geschrieben werden, wenn man dieser großen Wendung im jüdischen Schicksalsablauf viel größere Aufmerksamkeit schenkt, als dies bis jetzt geschehen ist. Hier versagen Graetz, Dubnow und andere jüdische Historiker; und da wir uns von christlichen Theologen unsere eigene Geschichte nicht erzählen lassen können, bleibt nur eine wählerische Methode übrig, mit der wir uns der Wahrheit nähern und die Bett bergebt Mausverwaltungen an die Firma S« ACKER M A MÜNCHEN, Ritter von Epp-Platz 9 Telefon 12502, 12587, 13394 Erste Referenzen! Beratung bei Immobilien . Verkäufen Den Boden von Erez Israel erlöst der Keren Kajemeth Lejisrael Jeder spendet zu Pessach Boden für neue Siedlungen in Erez Israel

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