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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-03-15 · 6 (15.3.1936) · p. Seite 123

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
6 (15.3.1936)
Date
1936-03-15
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 6 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 123 die Kirchenumlage erhoben wird, z. B. auf die Einkommensteuer 1934, noch die sogenannte Abschlußzahlung zu leisten hat oder ob die Abschlußzahlung bereits geleistet ist. Normalerweise ist die Abschlußzahlung auf die Einkommen- und Gewerbesteuer 1934 heute geleistet. Im Regelfalle, der allein hier erörtert werden kann, ist deshalb die Mehrzahlung auf die Umlagen aus der Einkommen- und Gewerbesteuer 1934, am 10. März 1936 fällig geworden und nunmehr zu entrichten. Die Vermögenisteiter 1935 ist. wie oben ausigetführt, „angefordert". Da es bei dieser Steuer regelmäßig ei<ne\ Abschlußzahlumg nicht 'gäbt, ist 'die Mehrzahlunig an Umlagen zur Vermögenssteuer mit der nächsten Vermögeussteuerzahlung am 10. Mai 1936 zu mtridbten. (Vgl. § 16 'dies Vertmögenssteuergesetzes vom 16. Oktober 1934.) Hinsichtlich der Vorauszahlungen auf Einkommen- und Gewerbesteuer und der laufenden Zahlungen auf die Vermögensteuer gilt 'folgendes: Bei allen (diesem Zahlungen, welche nach Erlaß dieir Bekanntmachung, .also erstmals aim 10. März 1936 — 'bei der Vermögensteuier erstmals airn 10. Mai 1936 — au entrichten) särad, erhöht sich der bisher bei diesen Zahlungen geleistete Kirchenuimlagenlbetrag um 50%. Abschließend stellen' wdr 'die Zahltermine und .die an ihTLens an die Finanzämter zu entrichtenden Umlagen soweit sie innerhalb des Jahres 1936 zu entrichten sind1, zusammen: 3. Am 10. Mai 1936: 1. Am 10. März 1936: 2. Am 10. März 1936: und bei allen späteren Vorzablungen auf die Eintoomtmen- und Gewerbesteuer: Zusätzliche Zahlung, von 4% aus der Einkommensteuer und vom 5% aus »der Gewerben steuer: d. i. 'die Hälfte des Jiahresbetrages der Kirchenumlage nach den Einkommen- und! Gewetfbes.teuetfbescbeiden 1934'. 50% mehr äls bisher bei diesen Vorauszahlungen an Kirchensteuer zu entrichten war. 4. Am 10. Mai 1936 und1 bei allen folgenden Zahlungen auf die Vermögenssteuer: 5% zusätzliche Zahlung aus dem Jahresbetnag der Vermögenssteuer für das Rechnungsjahr 1935: dl i. die Hälfte des sich aus dem letzten Vermögenssteuerbescheid 1931 für ein Jahr ergebenden) Umlagerobetrages. Dabei ist zu beachten, daß die aus dem Vermögenssteuerbescheid 1931 sich ergebende Vermögenssteuer iundi damit auch die Kirchenuimlage zwischenzeitlich um 20% gesenkt worden ist. Der nachzuzahlende Betrag läßt sich einfach dadurch errechnen, daß man die bisherige Umlagen-Quartalszahtag mit 4 vervielfacht und den sich ergebenden Betrag halbiert. Z. B.: die bisherige Kirahenumlagen^Quartalszahlung sei 50 RM. mal 4 200 RM. 100 RM. 2 (nachzuzahlender Betrag). a) wenn bis dahin der neue Vermögenssteuerbescheid zugestellt ist: 15% aus dem vierteljährlich zu zahlenden Vermögenssteuerbetrag. b) solange der neue Vermögensteuerbescheid nicht zugestellt ist: 15% aus dem als Vorauszahlung auf die Vermögenssteuer zu entrichtenden Vierteil ahresbetrag nach dem alten Verrnögenssteuerbeschedd 1931 unter Berücksichtigung des oben uniter 3 Gesagtem). Dr.Oe. Leopold Zunz der Begründer der Wissenschaff des Judentums AnläßlichseinesöO. Todestages (18. März 188 6) I. Graetz datiert ein neu erwachendes jüdisches Selbstgefühl von der Entstehung der jüdischen Wissenschaft; diese selbst aber hat in einer tief fundierten Änderung des jüdischen Selbstbewußtseins ihren Anfang. Die Konzeption einer „Wissenschaft des Judentums" hat jüngst Siegfried Ucko (in der „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland; Jahrgang V, Heft 1 in dem Aufsatz „Geistesgeschichtliche Grundlagen der Wissenschaft des Judentums") als das Zeichen des Eintritts der Juden in das Ganze der neuzeitlichen Kultur gekennzeichnet. „Erst in dem Moment, in dem von den Juden ihre jüdische Existenz zum Gegenstand der Betrachtung gemacht wird und die Methoden dieser Betrachtung nicht mehr, durch einen feststehenden Offenbarungsbegriff mit seinen Konsequenzen von innen heraus bestimmt sind, vielmehr der Schritt gewagt wird, das Phänomen Judentum als ein Phänomen der Gesamtkultur zu sehen, ist auch der Schritt in die Gesamtkultur getan." „Fast alle Richtungen der jüdischen Gegenwart stehen auf dem Dasein der Wissenschaft des Judentums. Die Begründung einer neuen Orthodoxie arbeitet, wenn auch nicht mit allen Wertkategorien, so doch mit dem Begriffsmaterial der Wissenschaft auf weite Strecken hin." Die liberale Fassung des Judentums als Religionsgemeinschaft ist erst recht nicht ohne die kritische wissenschaftliche Arbeit denkbar, und der Gedanke einer nationalen jüdischen Renaissance ist, wie Ucko ausführt, nur möglich als der Gedanke einer national-humanistischen Synthesis (vergl. Dubnow, Weltgeschichte des jüd. Volkes, VIII. Bd., S. 441); diese Synthese ist die Folge des Eintritts der Juden in die allgemeine Kultur. Die Verwandlung, die die ganze west- und später auch osteuropäische Judenheit damit erfuhr, kommt am deutlichsten in der Haltung der Wissenschaft des Judentums zum Ausdruck. Begründer der Wissenschaft des Judentums und ihr Weiterbauer ist Leopold Zunz. Sein berühmtestes Werk sind „Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden." Auf diesem 1832 erschienenen Grundwerk sind alle späteren Darstellungen des jüdischen Gottesdienstes aufgebaut. Das Gesamtwerk von Zunz und sein reiches Leben (1794—1886) sind im 45. Band der „Allgemeinen Deutschen Biographie" von David Kaufmann beschrieben. Die neueste Darstellung der Bedeutung von Leopold Zunz — der auch die beste vollständige deutsche (soeben wieder neu ge-

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