Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 5 (1.3.1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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V 102 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 5 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig Umfelder Cm.b.f) tJlündmt. imftorental phetisches Ahnen kündete, aussprechen, daß auf uns gleichsam der Blick des Ewigen immer gerichtet sei, ob wir es als die alltägliche Erfahrung sprechen lassen, daß wir die Umgebenen unter den Menschen sind, daß Augen und Ohren auf uns immer hingelenkt werden — was daraus spricht, ist dieses Eine, dieses Bestimmende, daß von uns mehr als das. Gewöhnliche gefordert ist. Jedem Juden gilt es so und zwiefach gilt es dem, der in anderem oder fremdem Lande lebt. Wo immer der Jude steht, er ist der, welcher in der Verantwortung steht. Ein Jude sein, heißt darum, eines Maximums an Geboten und Opfern fähig sein. Unser Heroismus ist nicht der, welcher, ob erregt oder ruhig, nach der Waffe greift. Es ist vielmehr der, welcher, seiner selbst gewiß, darum auch seiner selbst Herr bleibt, welcher, auch in schwersten Tagen, dem Höchsten und Größten, der wahren Frömmigkeit und Sittlichkeit zugewandt bleibt. Das ist die heldenmäßige Form unseres Daseins. In ihr beweist sich jüdisches Bewußtsein, jüdisches Leben. Von diesem Heroismus erzählt auch die Geschichte unserer Brüder im Osten, in ihm wollen Ost und West sich treffen. Mögen Ihre Beratungen von diesem Geiste erfüllt sein. Als nächster Redner begrüßte Kammergerichtsrat a. D. Leo Wolff die Konferenz im Namen des Preussischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Er erklärte, es gereiche ihm zur Ehre, im Namen dieser beiden Körperschaften an dieser Gründungsversammlung teilnehmen zu dürfen, und wies darauf hin, daß die Juden fremder Staatszugehörigkeit in allen Synagogengemeinden religiös gleichberechtigt mit den Juden deutscher Staatsangehörigkeit vertreten sind. Dr. Michael Traub wies als Vertreter der Zionistischen Vereinigung für Deutschland auf die Gemeinsamkeit jüdischen Schicksals über Länder und Gruppen hinweg hin. Er hob die Bedeutung hervor, die das Ostjudentum für die Judenheit Deutschlands als Reservoir jüdischen Lebens und jüdischer Kultur sowie durch sein Pioniertum in Palästina gehabt hat. Im Namen des Centrai-Vereins der Juden in Deutschland stellte Dr. Braun fest, daß sich insbesondere in den letzten Jahren eine engere Zusammenarbeit auch der in Deutschland lebenden polnischen Juden mit dem Centrai-Verein ergeben hat, der über den Kreis seiner Mitglieder hinaus Einzelnen und ganzen Organisationen seine Hilfe immer zur Verfügung gestellt habe und dies auch in Zukunft tun werde. Rechtsanwalt Dr. Kozower überbrachte der Versammlung die Grüße und Glückwünsche des Jüdischen Volksbundes. Er erklärte, nicht als Außenstehender, sondern als Bruder zu Brüdern sprechen zu wollen, und wies darauf hin, daß der Volksbund in der ganzen Zeit seines 30jährigen Bestehens von dem Klal Jisroel-Gedanken beherrscht war. Schriftliche und telegraphische Begrüßungen waren eingetroffen von der Adass Jisroel, von dem Weltverband polnischer Juden im Ausland, von dem früheren Vorsitzenden des Verbandes ostjüdischer Organisationen Dr. Israel Taubes, vom Reichsverband der jüdischen Kulturbünde, von Rabbiner Dr. Finkel und von dem Verband der Rzezower. Der Rest der Eröffnungssitzung war von Vorträgen über die polnisch-jüdische Einwanderung nach Deutschland und über die Wirtschaftslage der Juden in Polen ausgefüllt, die von Dr. Jacob Meitlis, bzw. Dr. Michael Traub gehalten wurden. Dr. Meitlis legte die besondere Problemstellung der polnisch-jüdischen Einwanderung innerhalb der allgemeinen ostjüdischen Einwanderung dar, charakterisierte dieses Einwanderelement in der Geschlossenheit seiner national-religiösen und sprachlich-kulturellen Prägung und gab einen historischen Exkurs über die Berührungen und Wechselwirkungen zwischen polnischen und deutschen' Juden von der Wanderungswelle an, die durch die Chmelnicki-Verfolgungen im 17. Jahrhundert ausgelöst wurde, bis auf die Gegenwart, Er hob hervor, daß die Verpflanzung ostjüdischer Menschen nach dem Westen während des Weltkrieges vielfach erzwungen vor sich ging, und zeigte, daß Deutschland für die ostjüdische Wanderung im Grunde immer nur Durchzugsland war, da die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Einwanderung großen Stils fehlten. Die verhältnismäßig wenigen Ostjuden, die bei dieser Wanderbewegung in Deutschland blieben, paßten sich den gegebenen Verhältnissen an. Einzelne von ihnen brachten es zu gewissem Wohlstand, -zu einer maßgebenden Beeinflussung des Wirtschaftslebens durch sie ist es jedoch nirgends gekommen. Während einerseits neue Zuwanderung vollständig aufgehört hat, vollzieht sich andererseits in der letzten Zeit eine starke Abwanderung polnischer Juden aus Deutschland. Die Zurückbleibenden sehen es als ihre Aufgabe an, sich in den jüdischen Lebensraum in Deutschland innerhalb der ihm gezogenen Grenzen vollständig einzufügen. Dr. Michael Traub zeigte in seinem von reichem statistischen Material unterbauten Referat die wirtschaftlichen Verhältnisse und Entwicklungen auf, die jenseits antisemitischer Tendenzen und ihrer Auswirkung allein schon den erschreckenden Pauperisierungsprozeß der polnischen Judenheit bedingen. Ausgehend von der sozialen Struktur der jüdischen Bevölkerung im Russisch-Polen des Vorkrieges, schilderte Dr. Traub die Verengung des jüdischen Lebensraumes in Polen durch die Vernichtung großer Teile des Volksvermögens in den Gebieten, die im Weltkrieg Kriegsschauplatz waren und die gleichzeitig die Gebiete dichter jüdischer Siedlung sind. Bei der Entwicklung des Etatismus und der Kooperativbewegung nach dem Kriege mußte die gegen ihren Willen in den Vermittlerberufen zusammengedrängte jüdische Zwischenschicht in dem fortschreitenden Prozeß der Annäherung von Erzeuger- und Verbrauchertum zerrieben werden. Der Zustrom von zwei Millionen Menschen in die Städte führte zu einem Druck auf die Berufe, in denen Juden besonders vertreten waren, und zu weiterer Ausschaltung jüdischer Amtl. Französisches Verkehrsbüro Reisebüro der französischen Eisenbahnen Maximilian H. Füchs/Dipl. Kaufmann. München 2 NW, MaximiHällSplatZ 12a Tel. 13881 - Telegr.-Adr. 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