Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1936
- Issue
- 2 (15.2.1936)
- Date
- 1936-02-15
- Page
- Seite 4 (sequence 2)
- Language
- German
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5 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern Nr. 2 Für die Beurteilung der klimatologischen' Verhältnisse spielt nicht nur 'die Regenmenge, die der unseres Fraukenlandes etwa gleichkommt {ca. 600 mm im Jahr) eine Rolle, sondern auch die Zusammendrängung dieser Niederschlagsmengen in die wenigen Wdntenmonate Der Taufall des Sommers, der namentlich an den Wes.thängen des Gebirges sich bemerkbar macht, ist eine Folge der mit dem Tagesablauf wechselndes! Erwärmung und AbkühiLuing von Wasser und Land und der daraus sich entwickelnden Land- und Seewinde. Der Seewind des Meeres, der in der Nacht weiht, bringt trotz der Trockenheit des Sommers Erfrischung ins Land und bewirkt denn reichen Taufali. Auf die Erörterungen der klimatologischen Verhältnisse folgt abschließend die Darstellung der Wirtschaft des Landes. Hierbei werden Einzelheiten durch zahlreiche Beispiele aus der Bibel belegt und erklärt werden können. Studiendirektor Jakob StoU-Würzburg 60 Jahre alt Der Leiter der Israelitischen LehrerbHdungsansbailt Würzburg, 'das Mitglied unserer Verwaltung, unser lieber Freund Jakob Stoll, beging am 31. Januar ds. Js. seinen 60. Geburtstag. Mit Dankbarkeit und freudigem Stolz erinnerten! an diesem Tage seine zahlreichen Schüler, unser Verein uud wedte Kreise des Judentums sich am die außerordentlichen: Leistungen dieses Mannes. Er ist selbst als Schüler aus der Würzburger Israelitischen Lehrerbildungsanstalt hervorgegangen und nach einer kurzen Tätigkeit an der Israelitischen Bürgerschule m Fürth wurde er in Berücksichtigung seiner hervorragenden! Qualifikation an die siimultaine städtische Volksschule nach Nürnberg berufen, obwohl er Absolvent der privaten israelitischen Lehrerbüdungsanstalt' Würzburg war und jüdische Absolventen staatlicher LehrerbMungsanstalten zur Verfügung gestanden hätten. Im Jahre 1905 wurde er, inzwischen durch seine methodlischen und pädagogischen Arbeiten bekannt geworden, an das Israelitische Lehrerseminar Würzburg, als Leiter des Schulbetriebes berufen. In kurzer Zeit ist es ihm gelungen, die Würzburger Israelitische Lehrerbildungsanstalt zu eiiniem modernen Lehrerseminar auszugestalten. Trotz aller Ungunst der Zeiten hat er unbeirrt das hohe Niveau seiner Schule erhalten und gesteigert und streng darauf geachtet, daß sie in keiner Weise irgendwie hinter den staatlichen Lehrerbildungsanstalten zurückblieb, obwohl das Thorastudium stets Ausr gamg und Mittelpunkt der Ausbildung war. Alles aufzuzählen, was Stoll im der organisatorischen Ausgestaltung seiner Schule geleistet hat. äst hier unmöglich. Die Krönung dieses Werkes aber ist der 1930 erfolgte Bau eines neuen Schuigebäudes', das in seiner Anlage und Ausstattung bis in jede Einzelheit vön ihm durchdacht wurde und von allen Sachkennern als wahrhaft vorbildflflch anerkaintnt wand. "Wenn die Würzburger Lehrerbildungsanstalt die einzige ist, die von den vielen gleichartigen Schulen' Deutschlands in der Vorkriegszeit heute noch besteht und sich in dauerndem Aufstieg befindet, so ist das zum großen Teil das. persönliche Verdienst des Jubilars. Er hat nicht nur den Schiuflbetrieb erfolgreich, geleitet, er hat auch seit Jahrzehnten (durch unermüdliche, geschickte Werbung es verstanden, die Gelder für die Erhaltuing der Schule zu beschaffen1; die Mittel für den Neubau hat er (fast ganz allein gesammelt und damit sich erst die Möglichkeit verschafft, den dringend notwendigen; Neubau — in energischem Kampfe gegen Skepsis und! Ablehnung,fast aller im Frage kommenden Kreise—durchzusetzen. Heute dankt ihm das ganze deutsche Judentum dafür, daß es eine solch zeitgemäße und mustergültige AusbMungsstätte für seine Lehrer besitzt. So groß aber auch' die organisatorischen Leistungen für die Lehrerbildung 'sind, sein Hauptwirben sah urodi sieht er noch stets in seiner Lehrtätigkeit. Als Schüler und Mitarbeiter in der berühmt gewordenen sogenannten „Würzburger Schule" dler Psychologie KüJpes und.Marbes hat er selbst wesentliche Bausteine zur Ausgestaltung der wissenschaftlichen Psydhoitoh gie beigetragen. Mit seiner tiefenallgemein-wiisseinschaftlichen Blduing, ,seinem jaugefooremem pädagogischen Geschick verbindet, sich ein reiches 'jüdisches Wesew und so.-ist er in seitensteim Maße befähigt, 'die künftigen jüdischen Lehrer in Theorie der Pädagogik und Praxis und Technik des Unterrichtes einzuführen. Betrachtulnlg der pädagogischen Probleme vom jüdischen Stamdlpunkt aus, Durchdringung des profanen Schulunterrichtes «mit jüdischem Bildungsgut, Ausbau des Unterrichtes .in allein jüdischen Fächern von der biblischen Geschichte bis zur Mischna nach modernen Grundsätzen, dazu hat der Jubilar seine Schüler von jeher erzogen. Zahlreicne Veröffentlichungen in Zeitschriften und Jahresberichten, sein Werk über die Methodik des jüdischen) Religionsunterrichtes, sein Musterlehrplan für den jüdischen Religionsunterricht, sind als Nebenprodukte seiner Betätigung am Seminar entsanden. Stoll hat dameben auch in anderen profanen und in.jüdischen Unterrichtsfächern am Seminar erfolgreich gearbeitet; besonders beliebt waren von jeher seine originellen Bibel- und Mischnaerkläruingen auf Grund seines reichen archäologischen wi\& geologischen Wissens. Seit langem schon «ist Stoftl ails 'jüdisch-pädagogische Kapazität anerkannt; in zahlreichen Kommissiionen der Lehrervereime hat er mitgewirkt und bei ider Gründung und dem Ausbau vieler jüdischer Schulen war sein Rat maßgebend. Freudig uiiid uneigennützig hat er stets seine Arbeitskräfte dem jüdischen 'KlaMzur Verfügung gestellt. Er hat für die gerechte Stellung, Besoldung und Pension der •jüdischen Lehrer Bayerns mit besonderem Erfolg 'gekämpft und gehört seit Jahren der Verwaltung dies Jüdischen Lehrerveretos in Bayern an. Ganz besondere Verdienste erwarb sich der. Jubilar aber durch seine -Mitwirkung im Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden), bei dessen Gründung und Ausgestaltung er in hervorragender Weise mitarbeitete. Ursprünglich der Tagung angehörend, ward er bald zum Führer der orthodoxen Fraktion und schon mach kurzer Zeit berief man ihm m den Rat des Verbandes, dlem er noch heute als eimi außerordentlich tätiges Mitglied angehört. Stoll steht trotz seiner 60 Jahre noch auf der Höhe seiher Schaffenskraft. Wir dürfein also hoffen, daß jener Erklärer der Mischna bei ihm recht behält, (der behauptet, daß der Satz „ben schischim l'sikno" bedeute, 'daß die Weisheit des Sechzigjährigen in ihrer abgeklärten Reife dem alten Weine gleiche, und Stoll nuu heute, wo die deutsche Judenheit ihn mehr braucht als je, durch sein Wdrken beitragen wird, die Not der Zeit zu überwinden. Dr. Ernst Fränkl 40 Jahre Lehrer in Hugsburg Am 1. Februar war es unserem liebem Freunde Dr. Ernst Fränkl vergönnt, sein 40j ähriges Dienst]'utoiläum als Lehrer in Augsburg zu feiemi Für Dr. Fränkl war diese Dienstzeit eine Zeit des Erfolges, errungen durch eigene Kraft; es waren Jahre des Aufstieges, erreicht durch unaufhörliche, ernsteste Arbeit an sich. Der Jubilar hat allen Grund!, mit innerer Befriedigung auf sein Werk mrüokzublicken); denn seiine Arbeit war nicht viergebens. Nicht nur Wissen vermittelte er seinen Schülern,, sondern er verstand es auch religiöses Gefühl bei ihnen zu erwecken, weil er selbst von aufrichtiger Religiosität erfüllt ist. Als «guten Lehrer ist ihm auch die Macht des Beispiels bekannt und so wirkt er durch gutes Beispiel durch Unermüdlichkeit, durch Pflichttreue und durch vorbildliche Berufsäuffifassung auf Schüler und Erwachsene gleichmäßig stark und anhaltend ein. Wer so wirken kann, wie es dem Jubilar vergönnt ist, der ist ein wahrer Lehrer. Dr. FrärM hat offenbar die Grundbedingungen zu seinem Beruf als Lehrer und Erzieher in die Wiege gelegt bekommen. Sein sei. Großvater Aron Fränkl war, wie Kollege Rose Altenstädt in seiner 1931 erschienenen Schrift „Geschichtliches der Isr. Kuliusgemeinde Altenstädt" nachweist, der erste vorschriftsmäßig vorgebildete Volksschuülehrer der isr. Volksschule im Altenstadt (laut Urkunde vom 11. 10. 1828 über die feierliche Installation des Lehrers Aron Fränkl an der deutschen Judenschule, zu Altenstadt durch das Distriktsschulilnispektorat Illertissen „nach allerhöchster Verordnung"). „Unser erster Sohn muß Lehrer werden", das war der Lieblings wünsch des Vaters unseres Jubilars. So durfte dieser 'den für seine seelische. Einstellung allein zu voller Beglückung führendem Lebensweg beschreiten. Dr. Ernst. Fränkl wurde am 4. August 1874 in Altenstädt geboren; nach dem Besuch der Talmud-Thoraschule in- Burg-