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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1936-02-15 · 2 (15.2.1936) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1936
Issue
2 (15.2.1936)
Date
1936-02-15
Page
Seite 3 (sequence 1)
Language
German
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(Mitteilungen Des lüüifrfjen ledernerem* für lOapern Schriftleitung: Max Adler, München 1936 : München, 15.; Februar Nr. 2 Palästinakunde in der jüdischen Volksschule von Jakob S to 11, Würzburg Die von der Reichsvertretung herausgegebenieni Richtlkiäen enthalten den Satz: „Der Palästinaibunde ist besondere Beachtung-zu schenken." Diese ^knappe Formulierung: geht von der- Voraussetzung aus, daß der Betrieb der Palästinakunde in. der jüdischen Volksschule keine neue Forderung darstellt. Der Unterricht m der 'biblischen Geschlichte, .das Verstänldlniis^ vieler' Redewendungen aus den Büchern der Propheten, verlangen schon bisher Vertrautheit miit dem Lande, ausf dessen Boden sich die Geschichte des Volkes abspielt. Ohne genaue 'Kenntnis dies Raumes, seiner 'geophysischen Eigenschaft, seiner ■ wirtschaftlichen - und ■ kulturellen Grundlagen {hängt die Geschichte in idier Luft. Die Geographie Palästinas war deshalb schon iimimer Unterrichtsgegenstand .in der jüdischen Schule. Die Gegenwart hat diesem Unterrichtsfach aber neuen Auftrieb gegeben. Sie lenkt von selbst den Blick auf das Land, auf' das die Hoffnung unserer Jugend gerichtet ist. Je mehr Druck und Enge der Gegenwart 'unserer Jugend den Raium der Heimat streitig machen, desto mehr - neigt die: jugendliche Phantasie dazu, sich anderweitig ein goldenes Zukunftsland aufzubauen. Da wir. uns hüten müssen,'Illusionen zu nähren, die-zu Enttäuschung und Entmutigung führen könnten, obliegt un)s-dne Aufgabe, das Land so darzustellen, wiees ist: wissenschaftlliche Objektivität, -gepaart 'mit der didaktischen- Kiurasit der elementaren Darstellung sei das Leitmotiv für den methodischen Betrieb der Palästinakunde. - ■ Vertrautheit mit dem biblischen Raum erweist sich -vom vierten Schuljahr ab als unerläßlich, -nämlich von-der Zeit an, da wir mit dem Volk den Boden Palästinas betreten. In diesen mittleren Altersstufen der Volksschule jedoch wird die Dar-. Stellung, sich mehr auf die räumlichen, klimatischen, wirtschaft- Lidhem und kulturellen Verhältnisse beschränken müssen, während die Gegenwartsfragen in einem neuen Kursus der obersten Stufen noch einmal zusammenhängend und^ grundlegend zu behandeln sind. Grundlegung für das Verständnis eines jeden Erdraumies ist Kenntnis seines geologischen- Aufbaues. Berücksichtigen wir schon im allgemeinen Erdkundeunterricht der Volksschule bei Betrachtung der näheren und entfernteren Heimat das geologische Moment ausgiebig, so kann es auf der Oberstufe der Volksschule keine Schwierigkeiten mehr bieten, auch den Aufbau des palästinensischen Bodens .geologisch zw fundieren. An der Hand der Karte stellen die Kinder selbsttätig — .entsprechend der Forderung des modernen Arbeitsunterrichtes —• die Höhenlagen der palästinensischen Gebiete, aber auch der im Norden und Süden anstoßenden Höhienstufen des 'Libanon und der Sinai-Halbinsel fest. Bin schematisches Länigsprofiil läßt sofort erkennen, daß die Höhenlinie von der 3000-an-Lin'ie im äußersten Norden 'in der Zwischenlage auf 800—1000 m absinkt, im fernen Süden wiederum, zur 0000-m- Linie ansteigt. Das gibt Anlaß, zunächst einmal die Identität der Gesteinsgrundlage aller in; Frage kommenden Höhenschichten festzustellen. Wir stehen vor der einheitlichen Kreidetafell, weiche in gleicher Weise 'die palästinensische Land-' schallt wie die 'anschließende vorderasiatische Wüstentafel ausfüllt. Die beiden Grundgesteine — der nubische Sandstein als Unterlage, tder - zugleich den Quellhorizont führt, und die Kreidekalkplatte .des Ost- .und Westjordahlandes als Oberschicht — werden) Mar zur Anschauung gebracht. Diese Tafel hatte ursprünglich die Neigung von Ost nach West (die Jordansenke und die Querspalten sind zunächst als noch nicht vorhanden anzunehmen). Die Niederschläge beginnen mit den übrigen Atmosphärilien an der Prafilierung dier Landschaft zu arbeiten: die Flüsse, deren Ursprungsgebiet auf der Kammlinie des Ostjordanlandes zu denken ist, nehmen der westlichen Abdachung der Tafel entsprechend ihren Verlauf zum Mittelländischen Meer und graben die ersten ostwestlich verlaufenden Erosionstäler ein, Ideren Reste hoch heute, in den Flußläufen des Ost- und Westjordanlandes zu erkennen' sind. So wird der .Kison geologisch als der Unterlauf des Jarmuk, der Kanä-'Fluß. als die Fortsetzung des Jabok aufgefaßt. Als zweites großes Ereignis in der Tektonik des Landes tritt dter StufenabbrucH der Tafel zum Mittelmeer in die Erscheinung mit der Wirkung, .daß der Westrand der heutigen Westgebirgstaifel als erste und älteste Küstenlinie erscheint. In diesen Stiufenhorizont, der der heutigen Küstenebene entspricht und nach dem ersten Abbruch als eine noch vom Meer bedeckte Scholle aufzufassen ist, ergießen sich die Flüsse und lagern ihre Sphiuttbegel dort ab, wo heute das von der Küstenebene zum Gebirge ansteigende Hügelland erscheint. In der Tertiärzeit, wohl zu Beginn, teilweise auch noch während der Dauer derselben, erfolgen die Querbrüche in westöstlrpher Richtung, als deren Ergebnisse aufgefaßt werden .können: das Tal am Unterlauf des Leontes, vor allem das große Quertal des Emek, die Sertke von Sichern und die Senke von Ber-Scheba. Erst «im Ende ,d&r Tertiärzeit erfolgt der in nordsüdlicher Richtung verlaufende Einbruch des Jordantales gleichzeitig mit dem großen Grabenbruch,- den das Tal des oberen Leontes und Orontes heute ausfüllen (Cölesyrien) und. dessen südlichie Förtsetzunig sich weit in die Araba hinein. erstreckt. Aber auch der Grabenbruch des Busens von Akaiba, sowie des Rotten Meeres, sowie der große afrikanische Graben zeichnen den Verlauf der großen tertiären meridionalen Grabenbrüche, deren Entstehung mit dem Einbruch der oberrheinischen Tiefebene , zeitlich zusammenfällt. Am Ende der Tertiärzeit ist sowohl das Emek. als auch die inzwischen idlurch Hebung, des Meeresbodens wieder zur Landschptle gewordene. Küstenlandschaft von seichten Meeresbecken ausgefüllt, als deren Sedimente Ton, Konglomerate und Sand isich niederschlagen. . In das Ende der. Tertiärzeit fällt auch der Durchbruch der großen Vulkane, die einen Teil der, galiläischen Landschaft, einen Teil .des. Emek, vor altem aber den Adschlun und das ganze Gebiet des Hauran miit ihren Lavamassen erfüllen. In der Diluvialzöit ist der Jordangnaben zu einem See (von der südlichen Araba 'bis nördlich über den Tiberdassee hinaus-, reichend) in einer Länge von 250 fem ausgefüllt und erstreckt Sich in einer Breite von etwa 10 fem. Das in der Nachdiäuviailzeit einsetzende Trockeniklima, dessen Wirkungen sich in . der Gegenwart fortsetzen, führt zur Austrocknunig des Jordantales, zur Verdunstung des Toten Meeres und zur Bildung von dessen Salzkruste. Längs- und Querprofile durch die palästinensische Landschaft veranschaulichen idie Höhen- und Tiefenlagen der einzelnen iduröh die. Tektonik herausgearbeitetem Landschaften. Die weitere Darstellung erörtert die klimatischen Verhältnisse. Ihre Grundlage ist die Zugehörigkeit Palästinas zur subtropischen Zone, die je mit der Wanderung des Sonnenstandes vom Gebiet der äquatorialen Windströmungen beeinflußt wird. Etwa zur Zeit der Aequinoktien liegt Palästina unter-dem nördlichen Kaflimengürtel. dessen Charakteristikum hoher. Luftdruck, labsteigende .und trockene Luft sind. Während des' Sommerhalbjahres liegt Palästina unter dem Einfluß des von Nordosten kommenden Unterpassates,^ der . vom nördlichen Kaimengürtel zum Kalmenigürtel des. Äquators zurückströmt. Eine von kälteren Gegenden in wärmere Gegenden gerichtete Luftströmung hat Erwärmung,'damit relativ, hohe Trockenheit ulnid Regenlosigkeit zur Folge.. Daraus erklärt sich die absolut trockene, regenlose Zeit des Sommers. Im Winterhalbjahr Kegt Palästina unter 'dem Einfluß der vom nördlichen Kalmengürtel nach Nordosten abströmenden Winde (dieser Kalmenigürtel liegt jetzt etwa unter dem 10. nördlichen Breitegrad). Die nach Norden, bzw. (infolge der Erdrotation nach Nordosten abströmenden Luftschichten streichen über das Mittelmeer und bringen dem Land Feuchtigkeit.'Die Hauptregenzeit ^- Dezember/ Januar . — fällt mit dem südlichen Sonnenstand zusammen.

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