Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 3 (1.2.1936)
- Date
- 1936-02-01
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 55 Formu'ldeIlling der „praktischen!" wie der geisteswissenschaftlidhen Artikel und in Auswahl und Wiedergabe der Bilder. Es ist eün Stück geistiger Entwicklung in diesem Konversationslexikon eingeschlossen: der Geist der Toleranz hat sich aus dem Zeitalter der AuMänuinig und! aus dem Zusammenbruch des Liberalismus in die katholische Welt gerettet, eine Toleranz, die eine Wandlung und Vertiefung erfahren hat, eine Toleranz nicht aus Indolenz oder Indifferenz, sondern aus der E'iinheit eines Weltbildes heraus. Da heißt es zum Beispiel in dem Artikel „Hamsun": „H. frönt einer heidnisch anmutenden Naturreligion; seine sittliche Einstellung ist immer unverkennbar." Oder bei Leonhiard Frank: „...trotz häufiger Gewagtheit und Überspitzung dar Motive hat er unmittelbare Stämmiungskiialft und eine auch ohne Jenseitsglauben gehobene Welt- .und Menschenauffiassung." Ein nach Ganzheit strebeai'- des Judentum, das sich nicht an die Richtungen des Tages verliert, wind in solcher Haltung etwas ihm Gemäßes finden. Wie spiegelt sich das Judentum selber in diesem einheitlichen Weltbild) des modernen Katholiken)? Dem „Antisemitismus" widmet der Große Herder einen „RahmenartikeH", eine erst in diese Neuausgab e» eingeführte speaies von Aufsätzen, .die Fragen wie „Neunzehntes Jahrhundert", „Schöpfertum", „Gewissen" und ähnliche behandeln. Nach einer Geschichte des Antisemitismus folgt hier seine Bewertung: „Der Antisemitismus ist vom christMohen Standpunkt aus abzulehnen, wenn er die Juden <\xm ihrer Blutfremdheit willen bekämpft oder sich im Kampfe gegen sie un- christlicher Mittel bedient. Die ikatthoKsche Kirche hat danum von jeher den Antisemitismus als solchen verworfen. Es gibt übrigens auch Juden, die in edler Weise zur Selbstkritik aufrufen und den Antisemitismus am wirksamsten dadurch zu überwinden suchen, daß sie keinen Anlaß zu jiudenfeindlicher Haltung geben. Erlaubt ist die Abwehr des tatsächlich-schädlichen Einflusses liberal-jüdischer Kreise auf geistigem und politisch-wirtschaftlichem Gebiet mit rechtlichen und sittlichen Mitteln, am besten durch überlegene, positive Leistungen. Selbstschutz gegen die wirtschaftliche Ubermacht des liberal-jüdischen Warenhaus-, Börsen- und Großbankwesens, die den gewerblichen und kaufmännischen Mittelstand erdrückt, gewährt namentlich die Pflege christlichen Solidaritätsgefühls." Von solcher durchaus kritischer und keineswegs philosemitischer Warte aus erfolgt auch die Bewertung jüdischer geistiger Leistungen. Schriftsteller, jüdische wie nicht jüdische, werden wegen Liberalismus oder Materialismus abgelehnt, während ein Martin Bub er wie folgt charakterisiert wird: „Aus der zionistischen Bewegung hervorgegangen, nahm führend Teil an der neujüdischen Bewegung, Erschließer des Chassidismus, schuf mit wortschöpferischer Kraft eine aus jüdischem Lehrbegriff geborene Nachdichtung der Schriften des Alten Testamentes" Oder von Beer-Hof mann heißt es: „österreichischer Dichter von sparsamer, verhaltener Art. Seine tief im Biblischen wurzelnden, die Blutsbande des jüdischen Volkes betonenden Werke gehören mit ihrer verinnerlichten Sprache und ihrem starken Stimmungsgehalt zu den wertvolleren Erzeugnissen der gegenwärtigen Literatur." Lasker-Schüler : „Dichterin; ihre verschwärmte Lyrik wechselt zwischen märchenhaft orientalischer Bilderpracht, religiöser Mystik und Sinnenglut." W e r f e 1 : „österreichischer Schriftsteller, Bahnbrecher des expressionistischen Gedichts vom .guten Menschen', wandte sich in Dramen und Erzählungen einem symbolisch-pazifistischen Realismus zu." Liebermann: „Maler des deutschen Impressionismus ... verfällt ebensowenig dem neugierig-originellen Genre wie dem müßigen Ausdruck des romantischen Spaziergängers____weiß an der Natur weniger die Fülle des Wachstums als die unverschönte Strenge zwischen den Jahreszeiten oder das weißlich-kalte Spielen des Sonnenlichts zu gestalten . Daher auch die große Unmittelbarkeit seiner Porträts, die den ganzen Gefühlsumkreis des Dargestellten verraten." M a h 1 e r : „Komponist und Dirigent, bedeutet die Vollendung des Klang- und Formideals des 19. Jahrhunderts, ein Abschluß in der Entwicklung des Orchesters und der Sinfonie, zugleich aber auch ein Anfang der neuen Musik. Der Dirigent M. ist eine der hervorragendsten, eigenartigsten Persönlichkeiten der Musikgeschichte, voll aufrüttelnder Dämonie----Gottsucher in jener Zeit der Gottfremdheit, ein seherisch Begabter um die Uberwindung des Dualismus zwischen Welt und Individuum, ein INVENTUR-VERKAUF BAMBERGER& HERTZ fanatisch und rastlos um die Vollendung einer Tradition Ringender ... Seine Kunst will eine Musik für das Volk, für die Massen sein, indem sie das Alltägliche in die Sphäre des Künstlerischen erhöht und nach der schlichten Größe des deutschen Volksliedes strebt... Sprache in Gegensatz zu der Wagners wieder scharf umrissen, die Harmonik oft archaisch einfach... * 7.7.1860 in Kalischt in Böhmen (Jude), ... 1897—1907 Direktor der Wiener Hofoper, die ihm eine Glanzzeit ihrer Geschichte verdankt." Goldschmidt, Adolf: „Kunsthistoriker; seine von der Formgeschichte ausgehenden Forschungen zur Kunst des deutschen Mittelalters sind maßgeblich." Heine: „Dichter und Publizist, Vater des deutschen Feuilletonismus.. Sein Wesen ist bestimmt durch inneren Zwiespalt zwischen deutschem Volkstum und jüdischer Rasse, reichem Gefühl und zersetzendem Verstand, wachem Sehnsuchtstraum und ernüchternder Wirklichkeit, romantischem Formungs- und liberalistischem Denkenstrieb ... Seine Lyrik ist von natürlichem Rhythmus und wohllautender Sangbarkeit, erhebt aber den impressionistisch erfaßten Augenblick nicht mehr zum Symbol des Kosmisch-Ewigen, läßt allen Zauber der Romantik spielen, um ihn an der Wirklichkeit zu zerbrechen, wendet die romantische Ironie gegen den Gehalt und den Dichter selbst... Meisterstücke: Harzreise, Götter im Exil ... bild- und schlagkräftiger Witz Selbstzweck." Willy Haas: „Seine konstruktive rationale Literaturu. Kulturkritik schließt weder metaphysische noch materialistische Stützpunkte aus." Soweit unsere Proben über Biographisches. Ausführlich ist die Bibel behandelt, als das „Wort Gottes, der ewigen, unfehlbaren Wahrheit, in menschlicher Sprache verkündet". "Unter den Abbildungen befindet sich die älteste Abschrift der Zehn Klauber In ventur* Verkauf diesmal nur 7 Tage von Montag, den 2j. Januar bis Montag, den j. Pebrtiar ipjö Enorme Preisvorfeile an allen Lagern! Modewaren, Blusen, Pullovert Morgenröcke, Pyjamas, Badetmd Strand-Anzüge. Leibwäsche, Tischwäsche, garnierte Bettwäsche, Trikotagen, Strümpfe. S-pitzen, Stickereien, Spitzenstoffe, Seidenstoffe, Schals. Gardinen, Bett- und Zierdecken, Dekorar tions-und Vorhangstoffe. Theatinerstrafye 35 Fil. MarienpL2