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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-02-01 · 3 (1.2.1936) · p. Seite 56

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
3 (1.2.1936)
Date
1936-02-01
Page
Seite 56 (sequence 8)
Language
German
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-56 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 KUNDGEBUNG aus Anlaft des 15-jährigen Bestehens des Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk e.V.) Sonntag, 16. Febr. 1936, 20 Uhr in der Hauptsynagoge, Herzog-Max-Strafce 7 Ansprachen: Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer. Vors. der Isr. Kultusgemeinde Herr Rabbiner Dr. Leo Baerwa 1 d Herr Manfred Sfürmann Vorsitzender der Zionist. Ortsgruppe Vortrag: Dr. Michael Traub Berlin,Leiter d. Keren Hajessod in Deutschland „15 Jahre Palästina-Aufbau" Musikalische Umrahmung durch das Kulturbundorchester unter Leitung des Herrn Kapellmeister Erich Eisner Eintritt gegen Lösung eines Programms (30 Pfg. einschl. Steuer) Israelit. Kuliusgemeinde München Jewish Agency und Keren Hajessod Ortsausschuß München iPHHHIH Gebote, der Papyrus Nash aus dem 1. oder 2. Jahrhundert in Cambridge. Der Artikel ist gründlich und aufschlußreich,: „Der Gebrauch von Bibelausgaben und -Übersetzungen von Nichtkatlioliken ist nur denen gestattet, die theologische Studien betreiben, vorausgesetzt, daß Einleitung und Anmerkungen den katholischen Glauben nicht angreifen." Über den Lebenswert der Bibel wird gesagt, sie sei „nicht nur heilig in ihrem Ursprung und Inhalt, sondern auch in ihrem Zweck: der Heiligung des Menschen und der Menschheit... sie enthält die letzten und höchsten religiösen und sittlichen Wahrheiten, umfaßt alle. Formen der natürlichen und übernatürlichen Belehrung, Kraftvermittlung und Führung. Die Gestaltung des Lebens des Einzelnen wie der Gemeinschaft. nach den religiösen und sittlichen Lehren der B.....würde ein neues Geschlecht und eine neue Erde schaffen. Weiser Gebrauch des bedeutendsten Buches, der Weltliteratur würde namentlich dem vielfach religiös gleichgültig oder ungläubig gewordenen modernen Menschen.., wahre Lebensquellen erschließen. Die Wiederherstellung der gestörten sittlichen und rechtlichen Ordnungen nach der Bibel würde das ... kulturelle, politische, wirtschaftliche und soziale Leben zur Ehre Gottes, zum Heile der Menschheit erneuern." Selbstverständlich gibt die christlich-katholische Lehre für diesen Artikel des Lexikons den Maßstab an. Aber es fehlen nicht Würdigungen jüdischer Bewegungen: Vom C h a s s i d i sm u s wird gesagt, er betone das „religiöse Gefühl, die Intuition, die Offenbarung Gottes in der Natur. Er fordert Gottesverehrung in Freude, leugnet fast das Böse, lehnt die Aszese ab, will Pflege des Gebets und inbrünstige Intention zwecks Hingabe an Gott." Eine halbe Seite ist dem Talmud gewidmet, der „als geistig-seelischer und sittlicher Ausdruck des jüdischen Volkes während eines halben Jahrtausends eine hervorragende Quelle zu seiner Beurteilung sowie zur Kenntnis des Verhältnisses der Juden zu den anderen Glaubensanschauungen und Religionen" sei. Vor der Verallgemeinerung einzelner aus dem Zusammenhang gezogener Sätze wird gewarnt und nachdrücklich festgestellt, daß es im Talmud keinerlei Geheimlehren gäbe, der ganze Talmud sei jedem Sprachkenner und durch Ubersetzung auch dem Nichtsprachverständigen zugänglich. Der Zionismus wird als eine „nationalpolitische" Bewegung des Judentums bezeichnet. Der Gedanke aber sei so alt wie die Zerstreuung des Judentums über die Welt und „seiner tiefsten Idee nach ... Ausdruck der Sehnsucht weiter Kreise des jüdischen Volkes nach einer Heimat." Die Proben ließen sich beliebig vermehren. Freilich darf nicht verschwiegen werden, daß der jüdische Leser zu mancher dogmatischen Folgerung im Widerspruch steht und stehen muß, ja, daß er gelegentlich Urteile über einzelne Persönlichkeiten zu hart formuliert findet. Aber er wird nie beleidigt sein können, da Kritik oder Negation stets vom Standpunkt eines religiösen Glaubens aus geschehen. Bestünde für den jüdischen Leser und dem katholischen keinerlei Inkongruenz, so hätte ja die christliche Religion sich nie vom Judentum losgelöst oder der heutige Jude wäre eben kein Jude mehr. Die Zitierung einiger wichtiger Stellen aus den Aufsätzen über Juden und Judentum mache den Beschluß. Ethnologisches: „Blutmischung noch in Palästina mit der mittelländischen Rasse." Anthropologisches: „Verbildungen des Knochenbaus, Zuckerkrankheit, Fettleibigkeit kommen häufiger vor als bei den europäischen Völkern; ebenso sind sie früher reif." Charakter, durch „häufige Rassenkreuzung und die lange Zeit der Unterdrückung... geprägt": „vielseitig begabt, betriebsam und schmiegsam, geschäftstüchtig, körperlicher Arbeit im allgemeinen abgeneigt, von starkem Familiensinn. Der glaubenstreue Jude zeichnet sich durch Frömmigkeit, Gottesfurcht und Nächstenliebe (besonders seinen Glaubensgenossen gegenüber) aus." Minderheitenrecht: „Bei entsprechender Zahl bilden die Juden eine religiöse«Minderheit. Wo sie, wie in den europäischen Staaten, geschlossen siedeln, ihre besondere Sprache haben und sich als eigene Kulturgemeinschaft betätigen, stellen sie auch eine nationale Minderheit dar. Soweit der völkerrechtliche Schutz der Minderheiten reicht, nehmen die Juden daran teil." Sittenlehre: „setzt die sittliche Anlage, Freiheit und Kraft des Menschen voraus, erkennt keine Erbsünde an und kein Bedürfnis eines Erlösers und Mittlers zwischen Mensch und Gott. Die bibli-: sehe Sittenlehre der Gerechtigkeit und Nächstenliebe ergibt sich dem Juden aus dem Glauben an den einen heiligen Gott, der

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