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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-02-01 · 3 (1.2.1936) · p. Seite 52

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
3 (1.2.1936)
Date
1936-02-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 besonders bedrohlichen Trübung und schweren Kompromittierung durch seine Anhänger: es ist die uns schlechthin unveräußerliche Idee der Selbstbestimmung, des kritischen Urteilens, der Autonomie des Individuums mit seinem sich selbst und die Welt gestaltenden Geist, dem der historische Sinn, d. h. der Sinn für das Einmalige, so und so Gewordene, Zeitbedingte aufgegangen ist. So sehr wir inzwischen' gelernt haben, den rational aktiven Persönlichkeitsgedanken nicht zu überschätzen und uns vor dem ichgebundenen Hochmut zu hüten, der vor dem Fall kommt und über den geschrieben ist: „Eritis sicut deus" (Genesis 3,5), so wenig geben wir Besinnung, Kritik, Vernunft preis. ABC des jüdischen Wissens Drei neue EiMführungswerke Leo Hirsch, Praktische Judentumskunde. Eine Einführung in die jüdische Wirklichkeit für jedermann. Berlin, Vortrupp-Verlag, 1935. 8°. 150 Seiten. E.mil , Bernhard Cohn, Das Jüdische- ABC. Ein Führer durch 'das jüdische Wissen. Berlin, Vertag Erwin Löwe, 1935. 2. Aufl. 372 S'eiten mit vielen Bildern. S. Müller, Der Weg in die judische Neuzeit. Jüdische Geschichte von Moses Mendelssohn bis zur Gegenwart. In Charakterbildern dargestellt. Ludwigshafen, Verlag der Jüdischen Schulzeitung. 1936. IV, 315 Seiten. Wer nicht von Haus aus durch die Erziehung von frühster Kindheit in die jüdische Lebensform taneingeboren worden ist, findet schwer einen Zugang' zu der unentstellten Art jüdischen Wissens und jüdischen Tuns. Und doch lehrt die neueste Geschichte, daß gerade Persönlichkeiten aus liberalen1 Häusern, die seit Generationen den Zusammenhang mit dem praktischen Judentum verloren haben, durch dlie Kraft und enentwegte Folgerichtigkeit ihres Suchens nach den verschütteten Quellen ihrer kulturellen. Herkunft geistige Führer in Israel geworden sind; Namen wie Emst Simon oder Franz Rosenzwedg sind nur Beispiele solcher Verwandlungen durch eiserne Energie, lauteres Wollen und intellektuelle Redlichkeit. Für den Durchschnitt der Suchenden -besteht die Schwierigkeit der „Rück-, kehr" im Stofflichen und in dem Entschluß zu einer veränderten Lebensform, die den so Entschlossenen in vielen Fällen von seiner nächsten Umwelt isoliert. Ob bei solchen Rückbesinnungen das Tun vor dem Wissen stehen soll oder umgekehrt, ist eine schwierige Frage. Jedenfalls kommen wir heute über die Notwendigkeit nicht hinweg, konizentrierte Einführungswerke in Lehre und Leben des Judentums für Erwachsene unseres Kulturkreises zu empfehlen. Im übrigen bleibt die Beschäftigung und das Eindringen vorerst in die biblischen Bücher, ün -die jüdische Geschichte!, m die hebräische Sprache und in die jüdische Gegenwartskunde eine Lebensarbeit und setzt eine Umkrempelunig des Lebens und Alltags voraus. Unter diesen Umständen bleiben alle derartigen Einfübrungswerke auch bei idealer Bearbeitung, selbst wenn die Verfasser die klügsten Pädagogen^ größten Gelehrten und echte Weise wären, von höchster Problematik. . Die jüdischen Jugendbünde Münchens veranstalten am Sanntag, den 2. Februar 1936, abends 8 Uhr, im Saalbau, Germaniastraße 20, gemeinsam eine' FEIER zugunsten der Wohlfahrts- und Jugendarbeit der Gemeinde zu der hiermit alle Gemeindemitglieder herzlichst eingeladen werden. Sprechchöre, Lieder, Rezitationen, dramatische Szenen (u.a. ein Akt aus dem Drama „DasWeib des Akiba" von MoritzHeimann) Eintrittskarten zu RM. 2.20 und RM. 1.10 im Vorverkauf im Kulturbund-Büro und durch die Bünde. Trotz alledem bedeuten die drei hier vorzustellenden, im letzten Jahr erschienenen deutschen A B C-Bücher (auch das schöne Müllersche Geschiehtswerk darf sich diesen Namen gefallen 'lassen) eine wirkliche Bereicherung unseres jüdischen Bestandes und führen über -die gebräuchlichen elementaren „Glaubenslehren" für Schule und Hans weit hinaus. Dde zusammenhängende, äußerst lebendige Darstellung der jüdischen „Praxis" von Leo Hirsch versteht es, ungezwungen, aber nie flach den Tagesdienst des gläubigen Juden vom Aufstehen bis zum Niederlegen, dann das Haus des Juden von außen und innen, von der Wiege bis zum Grab, endlich das Jah-r des Juden (vor allem Kalender, Fest- und Fasttage) wieder lebendig zu machen»; diese praktische Judentumskunde kann in der Tat am besten dem Neuling einen Vorgeschmack der Dinge geben, um die es hier geht, wenn er Verstand nmd Herz (in dieser Reihenfolge) zusammennimmt. „Das jüdische A B C" bat ein erfahrener Lehrer, Schriftsteller und Rabbiner, Emil Bernhard Cohn, geschrieben. Es schöpft bei aller Knappheit seiner lexikalischem Haltung aus dem Vollen, wählt die Stichworte aus der Geschichte, aber auch aus der Fülle der zeitnahen Gestalten und Probleme sa geschickt aus, daß man gebannt auch dann weiterliest, wenn man sich ursprünglich nur über einen Begriff durch Nachschlagen Klarheiit verschaffen wollte. Die einzelnen kleinen Aufsätze >sind so sachlich und dabei eindringlich geschrieben, daß man bald das Gefühl eines einfachen kargen Nachschlagebuches verliert. Die zweite Auflage weist einen reichhaltigen ergänzenden Anhang sowie eine Liste von Berichtigungen von früheren Flüchtigkeiten (meist Druckfehlern) auf, so daß man jetzt einen zuverlässigen' ersten Überblick über die wichtigsten jüdischen Wissensdimge der Vergangenheit und Gegenwart erhält. Der Buchtitel ABC weist nicht nur auf die alphabethische Anlage des Buches, sondern auch auf seinen elementaren Einführungscharakter hin: wenn man mit diesen Voraussetzungen das Werk ansieht, darf man es ohne Rückhalt als ein pädagogisches Meisterwerk ansprechen. Überall durchbricht die Beseeltheit der Wiedergabe des scheinbar Geläufigen die lexikalische Dürre; auch die Bilder wirken an diesem Sinn, wie überhaupt das Cohnsche Werk von allen drei hier anzuzeigenden Büchern der buchgewerblich weitaus am besten ausgestattete Band ist. S. Mül 1 e r (H e i deJ b er g), dessen Buch „Von jüdischen Bräuchen und jüdischem Gottesdienst" (2. Aufl. 1934) in diesen Blättern als besonders gelungenes Lehrmittel zur Hinleitung zum jüdischen Brauchtum und Gottesdienst gewürdigt wurde, legt in 23 Kapiteln eine historisch angelegte Art jüdischer Gegenwartskunde vor. Zuerst werden in einer Reihe von „Charakterbildern" die westeuropäischen Vorkämpfer der Emanzipation und der jüdischen Rechte (Mendelssohn, Gabriel Rießer, Cremdeux, Montefiore) behandelt; es folgen dann in einfacher, anschaulicher, für Schulen und Erwachsenen-Bildung bestimmter Darstellung die geistigen, vor allem religiösen Strömungen des Judentums im 19. Jahrhundert. Der Wissenschaft des Judentums, der jüdischen Gesobichtsehre'ibung und Philo- . sophie, sodann der Fortbildung und Erneuerung der hebräischen Sprache sind die weiteren Abschnitte gewidmet. Die zweite Hälfte des Buches enthält folgende Kapitel: Die Ostjuden — Jüdische Kolonisation — Der Zionismus — Kulturelle und wirtschaftliche Leistungen der deutschen Juden in der Neuzeit —• Assimilation und . Antisemitismus — Stellung der Juden im neuen Staat — Die jüdischen Organisationen in Deutschland — Die Jugend — Die Juden in Palästina — Die Lage der Juden in anderen Ländern — Kunsrsehaireu1 aus jüdischen

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