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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-02-01 · 3 (1.2.1936) · p. Seite 51

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
3 (1.2.1936)
Date
1936-02-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 51 geben hat. Aus diesen klassischen Briefen hat die Kritik an Maimonides Berühmtheit erlangt. Im Nachstehenden geben wir aus einem noch unveröffentlichten Manuskript, das für das große Sammelwerk „Das deutsche Judentum" die neueren religiösen Richtungen und Strömungen ausführlich darstellt, die Stelle über die Maimonides-Kritik von S. R. Hirsch wieder: In dem berühmten 18. Stück der „Neunzehn Briefe über Judenthum" aus dem Jahr 1836 verbreitet sich Hirsch über den von Rambam in seinem „Moreh-nebuchim" eingenommenen „Wahnstandpunkt", wonach Rambam für die Sinn- und Sacherklärung des Systems der jüdischen Pflichtenlehre die mündliche Uberlieferung beiseite gelassen habe. Hirsch sieht den Grund dieser Häresie in dem bei Mendelssohn und seinen Nachfahren wiederkehrenden Bestreben den vermeintlichen Widerspruch der Vernunftswahrheiten mit den Lehren des Judentums aus fremdem, unjüdischem Geist auszugleichen; so ist das Urteil von Hirsch über Maimonides zu verstehen: „Dieser große Mann, wie wir ihm, und nur ihm, die Erhaltung des praktischen Judentums bis auf unsere Zeit verdanken, hat gerade darin, und daß er auf anderer Seite nur ausglich, nicht schöpferisch das Judentum aus sich selbst entwickelte, und wie er es ausglich, — alles Gute und Böse geboren." Hirsch fährt fort: „Seine eigentümliche Geistesrichtung war arabisch-griechisch, auch sein Lebensbegriff war es. Er drang von außen ins Judentum und brachte Ansichten mit, die ihm anderweitig feststanden — und glich damit aus." Derselbe Vorgang habe sich später bei der Geburt des „Liberalismus", der viel befehdeten „Reform" wiederholt: „Denn nun, als das äußere Joch sich zu lüften begann und der Geist sich freier rege fühlte, trat wieder eine hochhervorglänzende, höchst achtbare Persönlichkeit auf, die wieder durch ihre Persönlichkeit die Entwicklung bis auf den heutigen Tag geleitet. — Sie selbst, ihre freiere Geistesentwicklung auch nicht aus dem Judentum geschöpft habend, eigentlich groß in philosophischen Disziplinen der Metaphysik und Ästhetik, Thenach nur philologisch-ästhetisch entwickelnd, das Judentum als Wissenschaft nicht aus sich selber erbauend, sondern nur gegen politischen Unverstand und frommchristliche Zumutungen verteidigend, dabei persönlich ein praktisch religiöser Jude, zeigte ihren Brüdern und der Welt: man könne streng religiöser Jude sein urfd doch hochgeachtet hervorglänzen als deutscher Plato!" Soweit S. R. Hirsch! Es ist charakteristisch für die heutige religiöse Lage im deutschen Judentum — 100 Jahre später —, daß unsere besten und gelehrtesten strenggläubigen deutschen Rabbiner ihrem Meister S. R. Hirsch, dem sie sonst uneingeschränkt Gefolgschaft leisten, in seinem Urteil über Rambam und Mendelssohn widersprechen: Maimonides wird von dem Vorwurf fremder Gedanken und Häresien im „Moreh" gereinigt (vgl. Rabbiner Dr. A. Klein-Nürnberg, Rambam oder Maimonides in der Festschrift für Jacob Rosenheim, Frankfurt a. M. 1930, Seite 212—226). Rabbiner Klein sucht die von S. R. Hirsch angezweifelte Einheit zwischen dem halachischen und dem philosophischen Werk des Maimonides wiederherzustellen. Dagegen wird neuerdings das von Hirsch noch hochgehaltene geistige Erbe Mendelssohns, sein Ausgleich zwischen Judentum und moderner Kultur verworfen und dem Verdammungsurteil, das die alten Rabbiner strengster Observanz aus dem 18. Jahrhundert — R. Jecheskel Landau-Prag, R. Raphael Cohn-Hamburg, R. Pinchas Horowitz-Frankfurt — über „Mosche Dessau" gesprochen, nachträglich recht gegeben hat (vgl. Rabbiner Simon Schwab, Heimkehr ins Judentum, Frankfurt a. M. 1934 S. 109—113). „Wir begreifen die abwehrende Stellung der Wächter Jsraels; der Versuch der Inthronisierung der Menschenkultur in die Reihen der Thora fand erschrockene Abwehr", bemerkt im Jahre 1934 der junge ausgezeichnete Rabbiner Simon Schwab aus der Schule von S. R. Hirsch; das Mißtrauen gegen den „Dessauer" \ Aufgabe öcc Oüötf d)tn KÜinttvfylft W Den junger 31t bef ampfert, £>as (Dbfcad) 31t erhalten, 23mfcer unb ©d)tüe per su Irleiben, Cfüöifcfyes (Sememfcbaftsgefuljl 31t erwecEen xxnb 311 ji&rf ett ■pr6 njrfr Di3 $bn rvs s^n DHTO D"2jn in^D^i urr; nsin ro^nn -psra:i 23rid> bem hungrigen bein 2$vot . Unb tue arm tmfc im i£leni> ftitb, bringe unter üDa3>, So bu einen Hactten fte^ft, fleibe il>n Unb entstehe $>jd> nid>t bem, ber beine8 5leif4>e6 tfi. Jesaja 58,7 \gl/^/^J^J^S%J^J^r^^ habe sich als gerechtfertigt herausgestellt; Schwab druckt die Nachricht über den Bann Mendelssohns Bibelübersetzung aus dem Jahr 1779 gleichsam zur Erneuerung und Bekräftigung ab und setzt ironisch hinzu: „Wir sind natürlich heute viel zu „gebildet", um solche Atavismen gutzuheißen." Rabbiner Raphael Cohn, der Oberlandes-Rabbiner der drei Gemeinden Hamburg- Altona-Wandsbeck, der den Bann gegen Mendelssohn ausgesprochen hat, wird von Schwab gegen den Geist seines Enkels Gabriel Riesser, gegen den Geist des gesamten deutschen Judentums der folgenden 100 Jahre ohne Unterschied der Richtung, wird gegen die Haltung von S. R. Hirsch selbst, heute wieder in Schutz genommen. So haben sich die Zeiten gewandelt. In Wahrheit bleibt S. R. Hirsch der weit überlegene Geist: seine Parallele zwischen dem arabisch-jüdischen und dem deutsch-jüdischen Philosophen enthält die tiefere Einsicht und die höhere Wahrheit. Durch die Gleichsetzung versteht man den Quellgrund des freieren, religiös ungebundeneren Judentums, den Grund der Idee dieser religiösen Richtung, trotz der immer wieder eintretenden, gerade beim „Liberalismus" Jüdischer Kulturbund in Bayern Ortsgruppe München Konzert Nicolai Grandau am 10. Februar in der Synagoge Herzog Max-Strasse Marionettenbüline Münchner jüdischer Künstler am 15. Februar im Saalbau, Germania* strasfie 20 (Sonderveranstaltunsr)

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