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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-01-15 · 2 (15.1.1936) · p. Seite 28

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
2 (15.1.1936)
Date
1936-01-15
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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28 Bayerische Israelitische Gemeindezeatung Nr: 2 iJbersicliü wbeir Kurse und Arbeitsgemeinschaften innerhalb der Kultus gemeinde München Januar Ms März 1936 1. Bibelkurs öe3 3öi>ffö™ Srauen&unÖeS, 14tagfg, ftefc Befonöere Stafunöfgungen. 3. Hebräische Sprachkurse öer3.D.@.,ffefc heteitS erfolgte Slnfünöfgung. 3. Arbeitsgemeinschaft unter Seitung von Rabbiner Dr. Baerwald: Gedichte von Jehuda Haie vi, nad) öem %u$voqW bant> i>er ©djotfenSudjeref. (£e&raffc§e Äenntnffje roeröen voraus* gefegt; Dfe Seffneljmer erholten 33rä'paratfonen.) 2Hontag, 20., 27.1. 3., 10., 17. II. 19 Ufjr, 23f&ftot&effaar. 4. Arbeitsgemeinschaft unter Seftung oon Dr. Ludwig Feuebtwanger: Zur Geschichte des Judentums vor der Zerstörung des 2. Tempels. (Entstehung des Christentums). (3ttt Sefture jettgenöfftfdjer SEerte) - $ortfef$ung Öer Äurfe über Öfe 27tffd)na 5H«tt»o^ 19., 26. II. 4., 11. III. ©ttjungSfaaf. 5. Arbeitsgemeinschaft unter £eftung von Dr. W. Cahnmann: Die Ruelskebr zum Judentum. (Ttaa) Briefen und ©ofutnenten t>on$rana SRofengtoefg.) STtttttood), 22., 29.1. 5., 12., II 20« U&r, ©f^ungSfaal. 6. I>er Liederabend, 4 efnfü&rungSoortr., ©f^ingSf. a) Die Haggada, Rabbiner Dr. Baerwald, ©fenStog, 10. III. 20« t%. b) Die Gebräuche, Rabbiner Dr. Bruno Finkelscherer, ©fenStag, 17. III. 20« 1%. c) Die Gesänge (mit 33orfüljr.), Kantor A. Müller, ©fengtag, 24. III. 20« Ufjr. d) Die Geräte (mit 33orfüljr.), Hptl. A. Berlinger, ©tenStag, 31. III. 20« IKjr. 7± BildungshUrse t)er 3.O.©., eu3ungSfaaf. - a) Politische Gesehiehte des Zionismus, unter Seftung von Dr..Hans Capell, Montag, Den 20., 27.1., '^^^^•^^..(p&Mf^y- 's.,-. •.. .i I. U v b) Emigration und Alijah, cm Kapitel füÖffd)er ©egenamrtsfunöe unter Leitung von Dr. Elisabeth Kohn, 2Jtontag, Öen 3., 10., 17. unD 24. II. 21 U&r. c) Polen, Deutschland, Amerika - Öfe Qntwid? fang öreler Öuöen^eften — unter £eftung von Dr. Sigbert Feucht wanger, STtontag, 2., 9., 16. III. 20« 1%. 93orl>erfge Slnmelöung fn Öer ZOG., ©djfoflerftrafje 2/1. 8. Schulungskurse für 3ugenöfüf>rer (Seffneljmersa^ •': Beföranft) ©ffjung^faaL- - a) Das Buch Jona; f unter £eltung oon Professor Martin Buber, 11., 12.1. b) Die Bibel als Geschichts quelle u. £tg. v. Rabb. Dr. Grünewald (^lann^etm), I5V 16. II. c) Das Wesen des Midrasch unter £eftung von Rabb. Dr. Carlebach (3l(tona), wvauäfifyUd) im Sfprtf. d) Sing- und Musikkurs u. £tg..o. Dir. K. Adler (Stuttgart), oorau3ftä)ttf d) im SRÄrg. 9. Fremdsprachliche Kurse jtelje fcefonöere ^nfuntrtguhg. §ür tfeÄuf fe4-7;u>Cri) ef ne ©e&% oon 1W. (3ugenöKd)e50Pfg.) erhoben. Die jüdische chahizische Jugend 'drängt zur 'Ehe. : Die Ghaluziuth selbst komimt :ihin!en dabei zu Hilfe. Der älteste Bund fügt sich in den .neuen, die Beschwiragtheit aus einer Idee her und die starken Wurzeln aus der tiefsten menschlichen Sehnsucht -und Bindung tun' sich zusammen. Die BIterngeneration muß anders sehen lernen: Sie muß begreifen, daß ihren Söhnen und Töchtern -diese Ehe vor der Alijah und um der Alijah willen nicht Unsicherheit bringt, sondern daß sie der selbstgewählte Schutz vor einer falschen sexuellen Einstellung, der klare, verantwortungsbewußte Walle zu einem neuen Leben in einer neuen Welt ist. Und neue Welt schafft sich neue Formen. Martha Wertheimer. 2. Zur Lage der jüdischen Jugendbünde Ernst Bauer, der Führer des Bundes jüdischer Jugend .,W e r k I eu t e", sprach jüngst, wie wir schon berichteten, in" München auf Einladung des Ortsrimges der jüdischen Jugendverbande München. Die wichtigen Grundgedanken seines Referates fassen wir im folgenden zusammen: Die jüdische Jugendbewegung entwickelte sich untrennbar verbunden mit der nichtjüdischen. Sie entstand gleichzeitig mit ihr als eine dar vielen emanzipatodschen Bewegungen; ihre geselschaftskritisahe Haltung äußerte sich in dem Versuch, neuer Gesellschaftsformen, in dem neuen Verhältnis der Freundschaft zwischen Führer und Gefolgschaft und in dem neuen, ehrlicheren und 'gesünderen Zusammensein 'der Geschlechter. Weil die Jugendbewegung ursprünglich ein spontanes, unpolitisches und pädagogisches, vor allem aber auch ein edles erotisches Phänomen war, und so zunächst ohne Zwecksetzung wirkte, stand der feste geistige Umriß ihrer Ziele — die literarisch vor allem . von W y n e k e n und Blüher festgelegt wurden — in keinem abgemessenen Verhältnis zu ihrem innenn/ Schwung. Nach einer gewissen Anliaufszeit bildete sich naturgemäß das Problem der dem Bund altersmäßig Entwachsenden heraus. Wenn auch — nach einem Wort Martin Bub ers — die Jugend die ewige Chanice der Menschheit ist, so ist. sie doch nie Selbstzweck und entbehrt ihres Sinnes, wenn.sie die Möglichkeit der Verwirklichung nicht in den Dienst einer Idee stellt. So brach die „Jugendland-Theorie" zusammen, die Bünde wurden zu „Lebensbünden" und — politisierten. Diese Feststellung gilt für unsere jüdische Jugendbewegung der Stunde besonders und nicht allein für die chaluziischen; Gruppen, bei denen die Entwicklung ja besonders augenfällig ist. Diese Politisierung ist keine an sich beklagenswerte Erscheinung, weil Politik als sinnvolle und wesentliche Form der Lebensgestaltung anerkannt werden muß. Unsere Jugendbewegung ist noch weniger als die frühere nur „Freizeitbewegung". Wir stehen vor eiiner „Jugend ohne Jugend": unsere jungen Menschen müssen sich leider schon viel szu früh, mitten 'im. lührer mensohiliichen Entwicklung, 'beruflich und damit auch weltanschaulich entscheiden. Dies bringt ausweglose SchwienigkeSten mit sich, denen weder Schule noch Elternhaus entgegenzuwirken vermochten. Hier müssen nun die Bünde ihre Leistungskraft beweisen»' sie müssen den jungen Menschen die Gemeinschaft, aus der sie gestoßen sind, ersetzen, sie müssen, die abgebrochene Bildung einigermaßen vollenden und runden und noch auf ungezählten anderen Gebieten ungebrochene, gut jüdische, lebenstüchtige und reife Menschen heranerziehen. Eine Fülle von äußeren Grün^ den (Führerschwund, geminderte Fahrten- und Lageranöglichkeiten) und inneren (Absinken unseres Bildungsniveaus, schwindende Tiere und 'Belebtheit der Auseinandersetzungen, mangelnde Bntscheidungskraft und oft übertriebene Zweekr gebundenbeit) lassen die. augenblickliche Lage als noch nicht ideal erscheinen. Eine Besserung wird nur erzielt -— und diese Mahnung richtete B a u e r an alle Gruppen —, wenn diie Aussprache zwischen den einzelnen Bünden wieder ernsthaft aufgenommen wird, wenn wieder mehr Mut zu eigenen Konse- < quenzen und damit mehr Unabhängigkeit von den Erwachsenenorganisationen gewonnen wird, wenn wieder positive Kritik an unsern Institutionen, etwa der jüdischen Schule, auflebt undd die Massenorganisationen wieder zu lebendigen arbeitsfähigen Organismen werden.

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