Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 2 (15.1.1936)
- Date
- 1936-01-15
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Aus der Gemeinde München Abschied von der Gemeinde Dem Vorstand der Gemeinde ist folgendes Schreiben des Herrn Louis Auerbach vom 30. Dezember 1935 zugegangen: „Die Entwicklung der Verhältnisse und der Lebensbedingungen für die Juden in Deutschland hat jetzt auch meiner Frau und mir den Wanderstab in die Hand gedrückt und wir nehmen hierdurch Äbschied von der Gemeinde, der meine Frau entstammt und der anzugehören ich seit nahezu 50 Jahren die Ehre habe. Im Gedenken an die schönen und glücklichen Zeiten, die ich mit Frau und Kindern inmitten der Gemeinde leben durfte, übersende ich anbei 3000 RM., welche ich bitte laut untenstehender Weisung den gemeindlichen Institutionen und Wohltätigkeitsanstalten zuführen zu wollen. Im Namen meiner Frau und im eigenen Namen rufe ich all den Frauen und Männern, die ihre Kraft in den Dienst der Gemeinde stellen, sowie all ihren Beamtinnen und Beamten ein herzliches Lebewohl zu. Möge Segen auf Ihrer schweren Ärbeit ruhen und möge es Ihnen vergönnt sein, das Schicksal der Gemeinde München besseren Zeiten entgegenzuführen!" Mit dem Weggang der Bankiersehegatten Louis und Änna Auerbach hat unsere Gemeinde einen großen Verlust erlitten. Lange Jahre gehörte Herr Äuerbach der Verwaltung der Gemeinde an, deren Äufgaben er sich mit dem größten Eifer widmete. Insbesondere war sein Rat und seine tatkräftige Mitarbeit auf dem Gebiete des Finanzwesens und der Schule hoch geschätzt. Er war der beste Kenner des gemeindlichen Schulplanes. Sein letztes Werk waren der Äufbau und die Verwaltung der gemeindlichen Darlehenskasse, die unter seiner Leitung zu einer musterhaften Einrichtung sich entwickelt hat und vielen wirtschaftlich Bedrängten die letzte Hilfe in ihrer Not geworden ist. Die hingebende Tätigkeit von Frau Äuerbach im Jüdischen Frauenbund und in der Landwirtschaftlichen Frauenschule in Wolfratshausen werden uns in steter dankbarer Erinnerung bleiben. Möchten den verehrten Ehegatten, die bei ihrem Weggang noch ihre helfende Hand den Ärmen und Notleidenden unserer Gemeinde dargeboten haben, gesegnete Zeiten im heiligen Lande im Kreise ihrer Kinder beschieden sein! Wir in München werden sie nimmer vergessen. Das edle Beispiel, welches das Ehepaar Äuerbach auch noch durch seine letzte Zuwendung gegeben hat, sollte bei all denen Nachahmung finden, welche die angestammte Heimat verlassen. Bei der immer mehr fortschreitenden Äus-r Wanderung kann die Gemeinde diese Hilfe nicht entbehren. Arbeitsgemeinschaften innerhalb der Lehrkurse der Gemeinde Die Fortsetzung der gemeindlichen Lehrkurse ergibt sich aus der in dieser Nummer enthaltenen besonderen Übersicht über alle im ersten Quartal 1936 stattfindenden Kurse und Arbeitsgemeinschaften der verschiedenen Organisationen innerhalb der Kultusgemeinde. Die Arbeitsgemeinschaft von Herrn Rabbiner Dr. Baerwald (Gedichte von Jehuda Halevi) beginnt wieder am Montag, den 20. Januar, um 19 Uhr im Bibliotheksaal (Fortsetzung 27. I., 3., 10., 17. IL). Ärbeitsgemeinschaft von Herrn Dr. Cahnmann (Rückkehr zum Judentum) am Mittwoch, den 22., 29.1., 5., 12. II im Sitzungssaal um 20.15 Uhr. Alf reit Hofcller &Co. ■■■Bankgeschäft Mönch en Neuhauserstr.11 IH^H Telefon 11496 u. 13554 (Pschorrbräu-Bierhallen) Fremdsprachliche Kurse Vielfachen Anregungen entsprechend sollen wieder fremdV sprachliche Kurse eingerichtet werde«, wenn sich genügend Teilnehmer melden. Interessanten werden gebeten, ihre Meldung bis zum 20. Januar an 'diie WohlMirtsstelle 4er Kultusgemeimbe, Herzog-Max- Straße 5, einzusenden mit der Angabe, a) für welche Sprache sie Interesse haben, b) ob ein Kurs für Anfänger oder Fortgeschrittene in Frage kommt. — Feier der jüdischen Jugendbünde Die Jüdischen Jugendbünde Münchens veranstalten am Sonntag, den 2. Februar 1936, abends 8 Uhr im Saalbau, Germaniastraße 20, eine gemeinsame Feier, zu der hiermit alle Mitglieder unserer Gemeinde eingeladen werden. Eine Folge von Sprechchören, Liedern, Rezitationen und dramatischen Szenen (u. a. ein Akt aus dem Drama „Das Weib des Äkiba von Moritz Heimann) will einen Querschnitt durch das jüdische Schrifttum aller Zeiten geben. Die Bünde wollen damit den Eltern der gesamten Jugend — der bündischen, wie der noch unorganisierten — und allen Freunden, die noch außerhalb ihrer Reihen stehen, gemeinschaftlich Kenntnis geben von der Art, in der sich unsere Jugend in den Bünden um die Erschließung jüdischen Geistesgutes bemühen. Der Reinertrag der Feier soll der Wohlfahrts- und Jugend-Arbeit der Gemeinde zugute kommen. Eintrittskarten zum Preise von 2.20 und 1.10 RM. (einschl. Steuer) im Vorverkauf im Kulturbund-Büro, Herzog- Max-Straße 7/0 (werktäglich von 9—1 Uhr) und durch die Mitglieder der Jugendbünde. Äußerdem — soweit noch vorhanden — an der Abendkasse; dort auch ermäßigte Karten für Jugendliche. Die Gemeindemitglieder sind zum Besuch dieser Feier herzlich eingeladen. Reichsbund jüd. Frontsoldaten Ortsgruppe München Am 23. Dezember 1935 veranstaltete unsere Ortsgruppe eine C'hanaikkiaih-Feier. Der stellvertr.-Vors. Kam. Dir. Stähl wies auf die 'Bedeutung des Feistes farn und gedachte-der Kameraden!, die im Weltkrieg gefiallen waren. Unter den Klängen der Weise „Ich hiatt' einen Kaimenaden" weihte <Me Versammlung dem Andenken der 12 000 gefallenen Kameraden eine Minute stillen Gedenkens. Sodann wurden .die Lichter entzündet; das Chanuikkah-Lind schloß, sich an. Dem ernsten Teil folgte ein heiterer Unterhaltungsaibend, zu dessen Stimmung <üe Musikkapelle Benno Sarsky beitrug. Starken Beifiall fanden dfceVor- MAGISTER KIRSCH der gute Likör, Magister München VII