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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-01-15 · 2 (15.1.1936) · p. Seite 27

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
2 (15.1.1936)
Date
1936-01-15
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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Nr.-2 JBayerische Israelitische Gemeindezeitung 27 •umschlug: die i'udäiscbe-n Deportierten." Di-e prophetischen Lieder des Sira, die am' geheimnisvollem Weg nach Babel gelangt waren, hatten in Mhnister Gewißheit von 4er nahenden Befreiung gesprochen, die nun gekommen war. Als er, unerkannt, an der Seite des siegreichen Großkönigs, zum Isehtar- Tor in das eroberte Babel einreitet, unerkannt vom den Seinigen, ertönte ihm sein eignes prophetisches Kyros-Lied entgegen. So kommt es zu der Zusage des Königs an 'die Juden, •ihr Land und ilbrert Tempel wieder herzustellen. Sira ist inzwischen, seiner eignen Sendung, seinem Volk die Heimat zurückzugeben, abtrünnig geworden; er hat den Befreier, Kyros, gesuoht und Zarathustra sowie die Weisheit der Inder und des Vokes des 'fernsten Ostens gefunden, er bekennt sich nicht mehr zu der. eigenen Propihetie und den eigenen Trostliedernr die er eirist in Ekstase gesungen und die längst anonym bei seinen Volksgenossen, über die er hinausgewachsen, umliefen. Er bittet den "König um seine Entlassung: „Die Völker, die du jetzt heraufführst, sollen die Welt mit neuer Helle und Freundlichkeit .erfüllen. In deinem Dienste habe ich1 an ihrem Jugendglanz teilnehmen, dürfen. Als ich zu dir aufbrach, glaubte ich auch mein kleines Volk werde an dem Welttag der neuen Völker teilnehmen, aber seit ich bei dien Ioniern den wahren Gang der Weltdinge erkannt habe, hat dieser Glaube keinen Grund mehr, wo er wachsen könnte. Mein Gott hat sich vor mir verborgen." Der Dichter und Seher bleibt ein Unbekannter, das Weltreich des Großherrn wäre .flicht ohne ihn. seine Brüder wären ohne ihn nicht in ihr Land zurückgekehrt, Maber er selbst hat seine Heimat darüber verloren und glaubt nicht mehr an seine Sendung. Die Lieder voll wundersamen Gottestrostes „Nachamu, nachamu ami... Tröstet, tröstet mein Volk..." liefen unter dem Namen Jesaiah weiter. „In allen waltete die Kraft der kühnsten Dichtung, in allen schwang die Weite der Welt, als sähest du die Sterne kreisen um die schneeigen Gipfel eines Alpengebirges. Und diese Verse waren dennoch auch wieder wie reines, sanftes Öl, das den brennenden Schmerz einer bösen Wunde kühlt und süße Heilung verspricht. Am erhabensten aber, bis an die Grenze der Ünverständlichkeit flutend, waren einige Gesänge, die Jakob, dem Knecht Gottes galten, der freiwillig das Leiden der Verachtung, ja den Tod des Sünders auf sich nimmt und dadurch die Welt der Völker erlöst." Die Komposition der Meißingerschen Dichtung befriedigt nicht immer. Die Erscheinung des Christentums zum Schluß bleibt theologische These. Die Frage nach dem Verhältnis des Dichters zur Geschichte, noch dazu bei einem solchen Stoff, muß hier von neuem aufgeworfen werden. Meißinger will Dichter und Historiker zugleich sein, er vermeidet fast überall die seit langem graßierende Art historischer Belletristik, die weder Geschichte noch Dichtung ist, mit ihrem Psychologisieren, ihrer unechten Aktualisierung und mit dem Flitter kulturhistorischen Kuriositätenkrams und kostümierten Gegenwartsklatsches. Der Eindruck eines Gedankenwerkes von künstlerisch seltenem Glanz, das den historischen Roman unserer Tage weit überragt, bleibt trotz vieler weltanschaulicher Einwände bestehen. Hier haben wir viel mehr als einen Unterhaltungsroman vor uns; .das Buch ist auch geeignet uns die größte Dichtung unseres religiösen Schrifttums noch näher zu bringen. Man vergißt dieses weitausgesponnene, fein geknüpfte Epos nicht mehr, wenn man es richtig — mit den! klassischen Texten zusammen — gelesen hat und bleibt dem Verfasser aufs tiefste verpflichtet. F. Sorge um die Jugend Eine Frage junger Menschen 1. Eheschließung vor der Aliiah Unter den jungen Chaluzim und Chaluzoth. die auf deutschen Bahnhöfen den Zug nach Triest besteigen, die auf den Schiffen hinüberfahren m die Häfen von Haifa und Jaffa, begegnet man immer wieder dem jugendlichen Paar, das strahlend und selbstsicher die ersten Wochen einer E h e erlebt. Unter denen auf Haohscharalh, unter den jungen Männern und Mädchen (der cbaluzischen Bünde sind die Freundschaften zu finden, die ihre Vorbereitung gemeinsam begonnen haben; sie hoffen auf das Zertifikat, das ihnen das Leben zu zweien in Erez Israel ermöglichen soll. Es ist eine starke Zielrichtung in dieser Erscheinung: die jüdische chaluzische Jugend drängt zur Frühehe. und vor allem zur Eheschließung vor der gemeinsamen A1 i j a h. Die Gründe dafür sind schön und klar. Aus der gemeinsamen Arbeit für eine Idee, aus der Härte der Vorbereitung, aus den wirtschaftlichen Unsicherheiten in Buropa, aus dem Entschluß, zum heiligen Boden der Väter und -zur Landarbeit zurückzukehren, wächst leicht zwischen jungen Menschen das Gefühl einer engen Zusammengehörigkeit, und die Wahl des eigenen Gefährten, die über eine Kameradschaft und Freundschaft hinaus Liebe und Ehe bringen soll, ist eine Folgerichtigkeit des Zusammenlebens im Bunde und auf Hachscharah. Der breite Boden der bündischen Gemeinsamkeit, die Vorbereitung auf ein Leben in der Kwuzah, bietet den jungen Menschen die innere Sicherheit für Entscheidung, die sich ihnen aus sittlichen, aus seelisch-notwendigen Gründen aufdrängt. So fühlen und denken die jungen Paare, die vor ihrer Alijah die Ehe schließen wollen. Sie sind oft kaum über zwanzig, wenige über vierundzwanzig. Und ihre Familien sehen diese Entschlüsse und diese „verfrühten" Entscheidungen mit einer Beklemmung, die sich immer dort einstelll, wo man eine dünne, kühle, fremde Luft einatmen soll. Die Mütter besonders kommen von den 'gewohnten bürgerlichen Vorstellungen nicht los, daß ein Mann in der Lage sein müsse, „für eine Familie zu sorgen". Die Vorstellungen von Kwuzah und Kibbuz mit ihren wirtschaftlichen Sicherungen des Kollektivs, von der Fürsorge für Säugling und Kleinkind, die in allen Kwuzoth einen Hauptraum einnimmt, von der weit größeren Bedürfnislosigkeit sind im der Elterngeneration eben nicht das, was sie in den Söhnen und Töchtern sind. Man wird sich daran gewöhnen müssen, daß sich die Begriffe wie Einkommen und Auskommen, Sicherungen auf Jahre hinaus, Versicherungen und -die überkommenen Meinungen von dem, was man „unbedingt haben muß", sehr geändert haben. Ausstattung, Möbel, Kapital und dergleichen, haben andere Vorzeichen bekommen. Man braucht sehr vieles nicht mehr in den Augen chaluzischer Jugend, was man vor wenigen Jahren noch bei jüdischen Verlobungen und Eheschließungen für „ziemlioh" erachtet hat, sowohl an äußerem Beiwerk als an Auskünften und Sicherungen. Vor allem wollen die jüdischen jungen Männer nicht erst dreißig und mehr werden, bevor sie sich mit der Gefährtin verbinden. Es ist ein prachtvoller, starker Wille zur Ehe und Lebenskameradschaft, zu gemeinsamer Aufbauarbeit für das eigene Leben und;für Erez Israel in ihnen. Sie wollen nicht, wie man ihnen rät, erst „reif" werden, bevor sie zueinander kommen; sie wollen unfertig, wachsend sein und miteinander im Wachstum reifen, im Gemeinwesen, das sie mit den Chaverim teilen, in dem Zweisiamen. das ihnen allein gehört. Jüdischer Kulturbund in Bayern Ortsgruppe München Konzert des Chores der Synagoge Herzog Maxstrasse am 29. Januar Konzert des Cello virtuosen Nicolai Brandau am 9., 10. und 11. Februar

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