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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-01-15 · 2 (15.1.1936) · p. Seite 26

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
2 (15.1.1936)
Date
1936-01-15
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 2 zu gehören. Aber er hätte nicht einmal zu "wissen) brauchen, wie in diesem Kreis über die Politik Jojakims geurteilt wurde; für jeden, der nicht selbst dn die eitle Verblendung der Hofkreise verwickelt war. ergab sich dieses Urteil von selbst." Dänin kam^asch die vorausgesehene Katastrophe des kleinen Landes. Bas Geschlecht, das aus Juda weggeführt wurde und die in der Verbannung geborenen Söhne unterschieden' sich in ihrem LebehsgefüM bereits bis in die Grundfesten. Gerade damals war der Prophet Ezechiel von dem Wasser Kebar hereingekommen und widmete sich fortan der Aufgabe, dem raschen Verfall des judäischen Volkstums und Gottesglauben« in der Weltstadt entgegenzuwirken. Eine verzweifelte Aufgabe, wenn man nichts m der Hand hatte als ein paar Buehrollen. Sira lernte in dem Lehrhaus bei Ezechiel. „In einem unglaublich frühen Alter ahntie er, daß die Jugendkraft des . hebräischen Schrifttums dem überalterten Leben des Stromlandes weit voraus war." Ein ausführliches Kolleg führt uns ein in die babylonische Kultur, in 'die schwere Kunst der Kallschriftzeichen und in ihre Herkunft, in die Geheimnisse der sumerisch-akkadischen Wörterbücher und Texte, auch dn den ' Prozeß der jüdisdi-hebräischen Apgleichung an die Vorstiellungswelt Babylons. Sira übersetzt ein sumerisches Gedicht in klangvolles Hebräisch. „Es war ein uralter sicherlich schon vielfach umgebildeter Göttermythos, Marduks Kampf mit der Urmeerschlange Thiiamat. Thehom heiße ja auch, fügte er hinzu, das Urmeer in dem hebräischen Schöpfungsbericht." Aber Sira bleibt durchdrungen von der absoluten Erhabenheit der jüdischen Propheten und alten Vätergeschicbten über die babylonisch-sumerischen Fabeleien. Er war .und blieb dabei ein rechter Kaufherr und auf dem Dromedar reisender Händler. „Aus tief verschüttetem Wüstenerbe seiner Vorväter hatte er eine Gabe, mit diesem edlen 'Reittier umzugehen;" in dien Zeltdörfern der Araba und .in den Kontoren von Damaskus, Sidon, Byblos war er zuhaus. So wurde er einer der reichsten Kauileute in Vorderasien: „Sein Leben schien dazuliegen wie die horizontweite Steppe am Hochsommer-Nachmittag, mächtig und schattenlos. Ohne Ahnung war er, wozu ihn Gott ausersehen hatte, und was in den Tiefen der Ferne auf ihn wartete." So stellt sich der Dichter die Anfänge des Verfassers des vielleicht unvergänglichsten Teiles der Bibel, der Kapitel 40 bis 55 von Jesaiah, des Trostbüchleins „Nachamu, nachaimiu anri" vor. „Sira hatte gelernt, kühl und genau zu prüfen, dann aber rasch und nachhaltig zu handeln. Der Zweifel in dem er (unter dem Einfluß von Ezechiel und der überlegenen hebräischen Gottesvorstellung) stand, mußte gelöst werden. Er grenzte dicht an den Wahnsinn. Zu Kyros wirst du jetzt gehen! Mit eigenen Augen wirst du erkennen, ob dieser der Befreier deines Volkes werden kann, ob es in der Wirklichkeit der Dinge Sinn, hat, an ihn zu glauben." EV widmet von nun an die volle Kraft seines Geistes und Kühnheit seines Herzens dem Befreiungswerk. Jugend und Zukunft liegt ihm bei dem Herrn des jungen Volkes gen Mitternacht und Anfang, -bei Kyros von Persis. So reist Sira in das Land Zanathustras und lernt „arische Weisheit" kennen. „Zum erstenmal auf ahasverischer Wanderung hatte er gefunden, was er ruhelos gesucht hatte: ein Volk von ebenbürtiger Reinheit der Gottesyerehrung;" er lernte die persische Lehre von der Zukunft der menschlichen Seele nach dem leiblichen Tod kennen. Hier in Persien stand er an den Ursprüngen einer neuen Welt. „Hier aus schöpferischer Höhe, aus kristallreiner Gletscherkühle rannen die unversiegliehien Jugendströme wieder durch die Weiten der arischen Länder — Ströme, daraus künftige Weltalter ihren Menschendurst nach Ewigkeit stillen würden. Und er bedurfte der Gewißheit, an Gottes Hand zu wandern. Uber Eis- und Schneefelder zieht er mit seiner Karawane durch Iran immer weiter ostwärts, dn die Stadt Kabura. in eine neue urfremde Welt, Indien entgegen. Auf seiner Reise nach Diamanten und Edelsteinen findet Sira persische und indische Weisheit; „sein hebräisches Ohr vernahm das Geheimnils arischer Verskunst". Die Lehre Zarathiustras hatte er noch mit der Lehre seiner Väter vergleichen können', jetzt lernt er das unvergleichiliche alte Wissen der indischen Veden und Upanishaden kennen. Auf der Rückreise wird Sira bei der Königsjagd in öffentlicher Audienz von Kyros empfangen. Die Schilderung der Königsjagd und der Audienz bildet den Höhepunkt der äußeren Handlung, der die Geschichte der meta- . physischen, inneren Entwicklung des Helden Sira parallel geht. Gipfel&tunde des Lebens! Aus Sira bricht es hervor: So spricht der Ewige zu seinem Gesalbten, Zu Kyros, den ich ergreife bei seiner Rechten, Daß ich Völker vor ihm zertrete Und Königen das Schwert abgürte, Daß sich Türen auftun vor ihm... Die berühmten Gruß-Hymnen des Deutero-Jesaiah! „Der Großherr erhöbt sich von seinem Hochsitz und schreitet seinen Königsohritt auf den Besessenen zu, der aus dem Grauten der Ferne zurückkehrt, sich über die Augen fährt und wieder anfängt auszusehen wie andere Menschten! Der König redicht ihm die Hand: Bote des Gottes, Mund der Wahrheit! Wir sehen dich nach unserer Rückkehr und 'bedenken was zu tun ist." Weltmann und Prophet, „der Narr Gottes" und der reife Praktiker mit Kriegs- und Uimsiedeluu'gsplänien für den Großkönig Kyros: beide Rollen vereinigt Sira, „der Künder" und Juwelenhändler in einer Person. Im Lyderkrieg besiegt Kyros den König Kroisos; der Eroberungszug des Perserkönigs . dringt immer tiefer in die hellenische Welt ein. Er wird mit griechischer Philosophie, der Gesetzgebung. Lebens- und Gottesauffassung der Griechen vertraut. Angesichts der Küste Kleinasiens und der vorgelagerten Inseln überkommt Sira die prophetische Gabe. „Eines Tages ritt Sira (im königlichen Dienst) zu Pferde der 'Küste entlaug bis zu einem erhöhten Aussichtspunkt." Das beglückte Auge trank die bunte Ferne dieser Inselwelt, das Ohr gab sich hin dem rhythmischen Rauschen der Brandung tief unten. Und auf einmal stieg es aus diesem Rhythmus herauf — Verse! Verse'in der süßen hebräischen Muttersprache... Der Ewige kam zu ihm. wie der sanfte Hauch des Seewinds kam er. Leicht, wie sich reife Frucht vom Zweige löst, fiel es ihm in düe Hand, das Köstliche: Schweigt mir. ihr Inseln! Lauscht mir, ihr Völker! Herantretet, zu reden, Zusammen laßt -uns treten vor Gericht. Und plötzlich steht es vor ihm, das Bild seines ganzen armen Volkes, um dessentwillen Kyros gerufen ward aus dem äußersten Osten. Welch ein Gegenstück zu der Schönbeits- Hoffart -dieser Inseln, mit denen das Lied begann'! In dem schweigenden Zimmer eines vornehmen ionischen Hauses überkommen ihn die Hymnen, die uns aus dem zweiten Teil des Jesaiah geläufig sind. 'Die weltberühmten Lieder „Die Tröstung Israels", neuer Klang der Sanftmut und Anmut, tönen aus ihm. Mit feinster Feder schrieb Sira in den nächsten Tagen alle diese Lieder geduldig auf kleine Blätter ab, heimlichste Botschaft nach Babel. Bei seinem Ehrendienst als Dolmetsch des Großherm wird Sira mit Kraton aus Ephesus und durch ihn mit dem Mystiker Pythagoras bekannt. Die politischen Gespräche mit Kriton dehnen sich bald auf die besondere Lage der Judäer und Griechen aus. Sira heiratet die Ephesierin Artemisia, Kyros selbst nahm als Gast an der Hochzeit teil, er hatte den königlichen Gedanken^ sich einige der großartigen Hoohzeitsstrophen des Zarathustra als passenden Segen auszuwählen. Die Hände des Paares haltend, sprach er: In Gedanken, Worten und Werken Anbetung leistet dem Weisen Aus freiem Willen zur Freude ihm: Du Kraton 'und du Artaban Schafft die geraden Pfade Des künftigen Helfers', . Dessen Da'ena er schuf... Kyros schuf in jenen Jahren die große Ordnung im östlichen Iran, die dann viele. Jahrhunderte Bestand hatte, weit über Alexander hinaus. Der Feldzug gegen Babylon, zu dem Sira seinerzeit geraten hatte, nimmt den erwarteten Verlauf. Die Schilderung der Einnahme Babels und der Untergang der letzten chaldaischen Dynastie gehört >au den besten Partien des bandlungs- und ideenreichen Romans. „Nur einte einzige kleine Gruppe der Riesenbevölkerung von Babel hatte Tage lastender Spannung hinter sich, die jetzt in kaum gezügelten Jubel

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