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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1935-12-15 · 11 (15.12.1935) · p. Seite 32

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1935
Issue
11 (15.12.1935)
Date
1935-12-15
Page
Seite 32 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins in Bayern 32 5. Rassenkunde in der jüdischen Schule (in Stichpunkten). In der höheren Schule kann die Rassenkunde soweit behandelt werden, daß alle in der vorliegenden Arbeit dargelegten Grundgedanken zur vollen Erkenntnis gebracht werden. Schwieriger ist die Aufgabe für die jüdische Volksschule. Ich will deshalb in einigen Punkten skizzieren, wie ich mir die Arbeit dort denke. Selbstverständlich kann die Volksschule das Verständnis für Rassenkunde nur anbahnen; Rassenkunde kann dort nicht als Fach behandelt werden, sondern muß als Prinzip in den verschiedensten Unterrichtsfächern zur Geltung gelangen. Biologie: Rassenbegriff bei Tieren und Pflanzen, Haustiere, Ameisenstaat, Erhaltung der Art — Entartung; Veredlung und Verwilderung von Pflanzen; Abhängigkeit eines Lebewesens von beiden Eltern (Versuche bei Gartenpflanzen); Beobachtung über Vererbungserscheinungen innerhalb der Familie; Bedeutung der Erbkrankheiten (Blutertafel), gute und schlechte Ehe, Problem der Vergreisung; die deutschen Rassen; die jüdischen Rassen. Im 8. Schuljahr die Gesetze der Vererbung als Ausgansgpunkt einer vertiefenden Betrachtung. Religionsunterricht: Selbsterhaltung zur Erfüllung der jüdischen Aufgabe, Verantwortlichkeit gegenüber der jüdischen Gesamtheit, gegenüber der Nachkommenschaft, Stellung zur Wissenschaft der nichtjüdischen Welt, die Bibel und das biblische Schrifttum als Quellen unserer Lebensauffassung und Maßstab für unsere Lebensgestaltung. Erdkunde: Verteilung der Rassen über die Erde; die verschiedenen Gruppen innerhalb des Judentums (Südjuden, Ostjuden) und deren Verteilung in den verschiedenen Jahrhunderten; Stammeskunde der Juden, insbesondere schwarze Juden, gelbe Juden, jüdische Beduinen usw. Deutschunterricht-Lebenskunde : Begriffe von Erbe, Eltern, Vererbung, Eugenik und dergl. Ahnentafeln großer Männer, Hochzeitssitten und Familiengebräuche der Juden der verschiedenen Länder und Zeiten. — Erziehung zu rassegemäßem Denken, zum Sinn für stilgerechtes Leben. Gegenassimilation und mechanische Nachahmung. Rechenunterricht: Verarbeitung statistischer Zahlen z. B. aus Ruppin und Theilhaber) in Prozentrechnungen, Verhältnisrechnungen usw. Rechnerische Illustrationen eugenischer Grundsätze, wie z. B. Sinnlosigkeit der Kleinfamilie u. a. Geschichte : Aufstieg und Abstieg der Rassen, Erhaltung der jüdischen Rasse, Beurteilung geschichtlicher Vorgänge in bezug auf ihre Auslesewirkung, Veränderung innerhalb der jüdischen Rassen durch die Wanderungen. Proselyten, Mischehen. Ich habe versucht, in Vorstehendem einen kurzen und gewiß sehr lückenhaften Uberblick über das Problem „Vererbungslehre und Rassenkunde" vom Standpunkt des jüdischen Lehrers aus zu geben. Ich wünsche, daß er viele Kollegen anregen möge, sich mit diesen Dingen näher zu befassen. Daß diese Arbeit für die Erziehung der jüdischen Jugend von großem Werte ist, glaube ich mit meinen Darlegungen genügend gezeigt zu haben. Bildung jüdischer Grundschulklassen in Frankfurt Wir entnehmen der „Frankfurter Zeitung" folgende Verlautbarung der städtischen Presse- und Werbestelle in Frankfurt am Main: „Seit 1. November 1935 sind die Grundschulklassen der Frankfurter Volksschulen, von denen der westlichen Vororte abgesehen, judenrein. Mit Genehmigung des Herrn Regierungspräsidenten wurden fünf jüdische Grundschulklassen eingerichtet, drei an der Holzhausen- und zwei an der V a r r e n t r a p p s c h u 1 e. Den Unterricht geben die vier jüdischen Lehrkräfte, die seither noch an den Frankfurter Volks¬ und Mittelschulen beschäftigt waren und nicht unter das Berufsbeamtengesetz fielen. Desgleichen wurden die die Kaufmännische Berufsschule für Knaben besuchenden jüdischen Schüler zusammengefaßt und werden nun von den arischen Schülern getrennt von einem jüdischen Lehrer unterrichtet. ' Damit hat die Stadt Frankfurt in der Judenfrage einen großen Schritt vorwärts getan und nicht nur jüdische und deutsche Kinder getrennt, sondern auch jeglichen Einfluß jüdischer Lehrer auf deutsche 'Kinder ausgeschaltet." Hppell an die Verantwortlichen Unter dieser Rubrik veröffentlicht Kurt Herz (Düsseldorf) in der „Jüdischen Rundschau" einen Ruf an die jüdische Lehrerschaft. Er will durch Aufrüttelung seiner Berufsgenossen gegen die Interesselosigkeit, die in weiten jüdischen Kreisen gegen das jüdische Schulwesen immer noch vorhanden ist, ankämpfen. Uber die Gründe einer gewissen Apathie wäre sehr viel zu sagen. Man kann mit dem besten Willen nicht behaupten, daß die jüdischen Lehrer allein oder hauptsächlich dafür verantwortlich sind. Kurt Herz will objektiv sein und wird ungerecht gegen die jüdische Lehrerschaft. Objektivität ist recht; aber sie muß nach allen Seiten geübt werden. Es darf nicht vorkommen, daß man nur ein Versagen in eigenen Reihen sieht, aber die Fehler bei anderen absichtlich übersieht. Ungerecht ist es, wenn er z. B. behauptet: „Der Weg der jüdischen Schule ist derselbe wie vor x-Jahren. Das jüdische Schulwesen stellt zum großen Teil ein Museum dar, das leider jedoch nicht von Erwachsenen als eine Sehenswürdigkeit, sondern von der Jugend als ihre Erziehungsstätte besucht wird." Ich weiß nicht, auf Grund welcher Erfahrungen sich Kurt Herz berechtigt fühlt, diese und ähnliche Behauptungen über das jüdische Schulwesen aufzustellen. Eine solche ungerechte Verallgemeinerung muß von der sich ihrer Verantwortung bewußten Lehrerschaft zurückgewiesen werden. Kurt Herz bedauert es, daß die Reichsvertretung es jeder Schule überläßt, „den Weg einzuschlagen, den sie für richtig hält"! Nach meiner Meinung dürfte die Reichsvertretung noch etwas zurückhaltender mit Richtlinien usw. sein; ich stehe nämlich nicht auf dem Standpunkt, daß das Schulwesen durch Reglementieren und Kommandieren gefördert wird. Im Gegenteil! Die Verhältnisse sind in den verschiedenen Landesteilen grundverschieden und können nicht von einer zentralen Stelle aus gemeistert werden. Nur verantwortungsbewußte Lehrer können sie bewältigen. Die praktischen Vorschläge, die Kurt Herz am Schlüsse seiner Ausführungen macht, sind teilweise nicht neu und erinnern zum Teil noch zu sehr an die „Zeit der Väter" ,die ja überwunden werden soll. Er schlägt vor: 1. eine Besprechung aller verantwortungsbewußten Erzieher. Solche Besprechungen haben schon häufig stattgefunden. Nicht erst seit gestern und heute, oder seitdem der Aufruf Kurt Herz's erschienen ist! Sie waren nicht immer ergebnislos, auch wenn manche Kollegen, die heute so vernehmlich nach dem „Neuen" rufen, noch nicht wissen, wieweit auf diesem Gebiete schon vorgearbeitet ist. Auch die 2. Forderung, die Kurt Herz aufstellt, nach der Berufung eines pädagogischen Ausschusses ist schon längst realisiert. Es liegt im Wesen der Arbeit dieses Ausschusses, daß sie mehr nach innen als nach außen gerichtet ist. Im 3. Punkt werden neue Schulbücher und neues Arbeitsmaterial verlangt. Sehr schön! Nur haben andere Kollegen schon früher daran gedacht als Kurt Herz und vieles von dem „nun" Geforderten ist bereits erarbeitet. 4. verlangt Kurt Herz einen Neuaufbau der jüdischen Lehrerausbildung. Daß diese Frage noch nicht befriedigend gelöst ist, sei zugegeben. Aber dem Kollegen- Herz sei gesagt, daß diese Frage weder von einem Ausschuß noch von höheren jüdischen Instanzen zur Zeit geregelt werden kann. Näheres hierüber kann in einer kurzen Erwiderung nicht gesaigt werden. Diese Frage hat wahrlich oft genug unsere Fachpresse beschäftigt. Endlich verlangt Herz die Schaffung einer gädagogischen Zeitschrift. Daß die „Jüdische Schulzeitung" und die Lehrerbeilagen verschiedener jüdischer Zeitungen; auch unser ..Mitteilungsblatt" noch ausbaufähig sind, das wissen am besten die Schriftleiter dieser Blätter. Daß aber der Ausbau nicht allein

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