Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 23 (1.12.1935)
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 516 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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516 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 23 Alle Artikel des / täglichen Bedarfs gut und billig Ufjlfefdcr Cmh.ff. München imtfoicntal IMinchen. imftotcnlal REVISTA Revisions- und Ycrwaltungs-Ges .m.b.H. Beratung für Auswanderer S. OPPENHEIMER Treuhänder Pettenkofcrstr.39 Tel.59529 | Steuer/Devlsenf ragen | Geschäftsauflösungen \ Beitreibung v. Forderungen Palastina im Aufbau Kundgebung am Samstag, 7. Dezember 1935, 2015Uhr im Saal der Rhea-Glus-Schule, Germaniastrage 20 L Dr. Hans Capell - spricht über Ergebnisse einer Palästina-Reise im Herbst 1935 II. Ein neuer Palästina-Schmalfilm von IMachum Gidal und der Kwuza Giwath Brenner Eintritt: 80 Pfg. u. RM. 1.25 Vorverkauf: ZOG. Schlossersir. 2/1 und Ewer-Buchhandlung. ErmS&igte Karten für Mitglieder der ZOG nur Im Vorverkauf der ZOG Kategoriekarten für Jugendliche nur Abendkasse. Zionistische Ortsgruppe München schilderte zugleich auch die geistigen Bewegungen innerhalb des Judentums in -dem auf Maimunis Tod folgenden Jahrhundert. Seine 1865 erschienene „Geschichte der Juden in Posen" stellt einen wertvollen selbständigen Beitrag zur Geschichte der Juden in Polen dar und ist als einzige von seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen, wenigstens teilweise, auch für gebildete Laien verständlich. Seine sonstigen Arbeiten sind meistens auch schon durch ihren Gegenstand nur wissenschaftlich geschulten Lesern zugänglich, so daß sein Name außerhalb der Fachkreise viel weniger bekannt wurde als der manches weit unbedeutenderen jüdischen Gelehrten. Seit 1866 begann er sich einem Gebiet zuzuwenden, auf dem er unbestrittener 'Meister war, der Erforschung des Wortschatzes und speziell der fremden Sprachen entlehnten Bestandteile des Sprachgutes der rabbinischen Literatur. Er war dazu besonders befähigt durch die Verbindung der nur selten vereinten Kenntnisse des Syrischen, Persischen und Spätgriechischen mit der strengen philologischen Methode, in der Jakob Bernays sein Meister gewesen war. In einer großen Anzahl von Arbeiten, die von 1866—'1893 größtenteils in der Monatsschrift erschienen und von denen hier nur die „Etymologischen Studien" (1870) genannt seien, hat er nicht nur eine Fülle von glücklichen lexikalischen Identifikationen niedergelegt, sondern sich zugleich auch um die Textkritik des. talmudischen und midraschischen Schrifttums verdient gemacht und daneben auch wertvolle Beiträge zur Sagenforschung und Altertumskunde geliefert. 1871 folgte Perles einer Berufung als Rabbiner an die Israelitische Kultusgemeinde München, wo er bis zu seinem Tode verblieb. In München fand Perles ein nicht nur viel ausgedehnteres, sondern auch sonst wesentlich anders geartetes Arbeitsfeld vor. Bei seinem Amtsantritt war noch nicht ein Jahrzehnt seit Aufhebung des drückenden und entehrenden Matrikelgesetzes vergangen, das die Vermehrung der bayerischen Juden in fast pharaonischer Weise verhindert und so auch die Entwicklung der Gemeinden gelähmt hatte. Viele der begabtesten Juden waren ausgewandert, besonders nach Amerika. Das Bildungsniveau war dadurch naturgemäß durchschnittlich nicht so hoch wie in Posen. Sein Amtsvorgänger Hirsch A ub war schon durch sein hohes Alter nicht mehr imstande gewesen, den Übergang der Gemeinde in die neue Zeit in die richtigen Bahnen zu lenken. Die Parteien standen sich meist argwöhnisch und verständnislos gegenüber. Da galt es nun, mit weiser Mäßigung vorzugehen, um eine friedliche Entwicklung der Gemeinde zu sichern. In kürzester Zeit gelang es ihm auch hier, die ganze Gemeinde zu gewinnen und nicht nur mit Vertrauen, sondern mit Verehrung und Liebe zu erfüllen. Das schnelle Anwachsen seiner Gemeinde, deren Mitgliederzahl sich während seiner Amtszeit verdreifachte, und die von ihm 1887 aus dem alten unzulänglichen Gotteshause in die herrliche Neue Synagoge geführt wurde, vergrößerte mit jedem Jahre seine Arbeitslast, so daß es fast wie ein Wunder erscheint, daß er daneben noch Zeit und Kraft zu ausgedehnter wissenschaftlicher Arbeit fand. Die Bücher und Handschriftenschätze der Münchener Staatsbibliothek und der erlesenen Privatsamrnlung seines Freundes Abraham Merz'bacher boten ihm überreichen Stoff für die Betätigung seines Forscherdranges. Sowohl nach ihrem Umfange als auch nach ihren Ergebnissen stehen an der Spitze seiner Leistungen die 1884 in München erschienenen „Beiträge zur Geschichte der hebräischen und aramäischen Studien". Der Titel des Buches läßt gar nicht die erdrückende Fülle der hier niedergelegten Gelehrsamkeit ahnen und nicht mit Unrecht beklagt ein Kritiker, daß es „d'uue lecture un peu. ardue" sei. Aus den vielen wichtigen darin enthaltenen neuen Aufschlüssen zur Literaturgeschichte hebe ich nur den „Nachweis der Quelle von Sebastian Münsters Dictionarium Chaldaicum" hervor. Es ist die früher Regensburger, jetzt Münchener Handschrift des Kleinen Aruch, die Münster für den Großen Aruch hielt. Überraschendes Licht wird auf die Anfänge der hebräischen und aramäischen Sprachstudien bei christlichen Gelehrten geworfen durch 13 bis dahin unbekannte hebräische, lateinische und italienische Briefe aus den Jahren 1517—1555 von bzw. an Elia Levita^ Johann Andreas Aegidius von Viterbo, Andreas Masius, Cornelio Adilchind und Thomas Blaurer. Auch die Sprachforschung findet unerwartete Ausbeute in den hier mitgeteilten und größtenteils glücklich er-