Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 23 (1.12.1935)
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 517 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Bayerische Israelitische Gemeindezeituiig 517 klärten mittelhochdeutschen und altfranzösischen Glossen aus hebräischen Handschriften bis hinauf ins 13. Jahrhundert. Gerade diese Seite des Werkes hat in der allerjüngsten Zeit ein erhöhtes Interesse gewonnen. Denn die durch die Kriegsereignisse veranlagte Beschäftigung mit dem Jüdisch-Deutschen hat auch auf das gelehrte Gebiet übergegriffen und die Germanisten wieder aufdas reiche Material aufmerksam gemacht, das für die deutsche Sprachforschung dort vorliegt. Von den in seine Münchener Zeit fallenden Veröffentlichungen seien hier nur noch zwei herausgegriffen, die besonders wichtige und glückliche Entdeckungen enthalten. Die eine betrifft „Die in einer Münchner Handschrift aufgefundene erst lateinische Übersetzung des Maimonidischen Führers" (1875) und führt den Nachweis, daß die schon im 13. Jahrhundert vermutlich auf Anregung des Kaisers Friedrich II. verfaßte Ubersetzung des More Nebuchim, die so tiefen Einfluß auf die Scholastik geübt hatte, aber seit Jahrhunderten verschollen war, in einer lateinischen Handschrift der Münchener Bibliothek sich erhalten hat. Doch nicht nur als Forscher und Lehrer, sondern auch in seiner unmittelbaren amtlichen Wirksamkeit zeigte er sich von wissenschaftlichem Geiste erfüllt. Er war eine abgeklärte, allen Schlagwörtern abholde Persönlichkeit, die jede Frage sub specie. aeterni betrachtete. Es ist daher auch vollkommen unmöglich, ihn einer der früheren oder heutigen Parteien innerhalb des Judentums einzureihen. Sein Judentum war reicher, tiefer und vielseitiger als das Programm irgendeiner Partei. Er lavierte aber auch nicht etwa zwischen den verschiedenen Richtungen, sondern stand hoch über der Zinne der Parteien. Eben darum war er auf der anderen Seite von der.weitestgehenden Toleranz gegen jede ernste und ehrliche Überzeugung und hatte Freunde unter den Vertretern der verschiedensten Anschauungen. Nur das Unechte, Unlautere durfte nicht in seine Nähe kommen;.er hielt es von sich fern, mochte es ihm vom rechts oder links entgegentreten. Aus der Gemeinde München An alle Gemeindemitglieder! Wir bitten alle diejenigen Gemeindemitglieder, die bisher noch keine Aufforderung zu Spenden für die Jüdische Winterhilfe erhalten haben oder bei denen für die Eintopf- und Pfundspende noch nicht gesammelt wurde, ihre genaue Adresse der Wohlfahrtsstelle der Israelitischen Gemeinde, München, Herzog- Max-Straße 5/1, schriftlich bekannt zu geben. Warnung! Wie uns mitgeteilt wurde, haben verschiedentlich Hilfsbedürftige bei einzelnen Gemeindemitgliedern wegen Unterstützung vorgesprochen mit der unrichtigen Behauptung, sie würden von der Jüdischen Winterhilfe nicht bedacht. Wir bitten in allen derartigen Fällen mit der Wohlfahrtsstelle der Israelitischen Kultusgemeinde München unter Rufnummer 128 83 oder 137 71 in Verbindung zu treten. Wohlfahrtsstelle der Israelitischen Kultusgemeinde. Seit 50 Jahren bekleidet der Israelitische Verein für Ferienkolonien und zur Bekleidung von Schulkindern (gegründet 1885) die bedürftigen Münchener Schulkinder alljährlich zu Chanukka. Im Einverständnis mit der Jüdischen Winterhilfe bittet er auch in diesem Jahr seine treuen Freunde und Gönner um Geld- und Sachspenden. Jenny Baerwald, Gutta Oppenheimer, Vorsitzende Schriftführerin. Geldspenden erbeten unter Postscheck - Konto 51 63 München, Ella Hirschinger. Sachspenden erbeten: Herzog-Max-Straße 7/1, mit genauer Bezeichnung: Bekleidungsverein für Chanukka. Billige Herren-Winter-Mäntel 38.- 48.- und 58.- Unsere wertvollen Hausmarken 68.- 83.- und 98.- Die erstklassigen TORY-Mäntel 115.- 135.- und 165.- BAMBEPGER&HERTE Die zuverlässigen Kleiderfachleute Wie lesen wir die Bibel? Herr Rabbiner Dr. Baerwald sprach am Sonntag, den 24. November, im Rahmen einer religiösen Feierstunde über Vorfragen und Grundfragen, die sich an die Lektüre der Heiligen Schrift knüpfen. Der Vortrag war von stimmungsvollen Gesängen von Frl. Irma Stern unter Orgelbegleitung des Herrn Erck umrahmt. Der Redner trat verschiedenen Einwänden, die gegen eine Bibellektüre in unserer Zeit erhoben werden, entgegen. Wenn es sich auch um ein uraltes Buch handelt, so beschäftigt es sich doch mit den auch in der Gegenwart brennenden, letzten Fragen des Lebens. Es mögen zwar darin verschiedene Autoren über, verschiedene Zeiten und Gegenstände geschrieben haben, bei aller Vielfalt besteht dennoch eine in der Großartigkeit des Gegenstandes begründete einheitliche Grundlinie. Die Bibellektüre in der Ursprache wäre vorzuziehen, aber auch eine der zahlreichen Übersetzungen oder sogar ein Auswahlband genügt. Jeden Tag sollen wir das Buch zur Hand nehmen, so wie es der fromme Jude tut. Man muß sich allerdings zur Lektüre Ruhe gönnen und über den Inhalt, auch über einzelne Worte, nachdenken. Das sei mehr wert als eine Lektüre mit Kommentar, denn es ist die Art des Bibellesens des gläubigen Menschen, dem sich der göttliche Inhalt offenbart. Daneben gibt es noch eine andere, kritische Art; man beschäftigt sich mit der Entstehung der Bibel, den darin behandelten geschichtlichen Ereignissen, der Schönheit der Sprache. Jeder muß zunächst für sich allein in die Welt der Bibel eindringen. Aber auch gemeinschaftliche Arbeit ist förderlich. Es gibt die jüdische Form des Schiur, das ist das Lesen mit den hebräischen Bibelkommentaren; eine mehr vortragsmäßige Art soll von jetzt ab durch Veranstaltungen in der Synagoge gepflegt werden. Mit dem Wunsch, daß die Heilige Schrift uns zu einem besseren Selbst führen soll, daß sie ein Baum des Lebens sei, schloß der sehr anregende Vortrag. F. C. Schulungskurs für Jugendführer. Die israelitische Kultusgemeinde München veranstaltet gemeinsam mit dem Ortsring München der jüdischen Jugendverbände als 3. Jugendführerschulungskurs dieses Jahres einen Geschieh t-skurs, dessen Leitung Herr Rabbiner Dr. Grünewald (Mannheim) übernommen hat. Die Teilnahmebedingungen und Kursizeiten werden den Bünden noch bekanntgegeben und sind außerdem ab 1.Dezember bei Herrn Hans Lamm, Fernruf 23 9 01, Müncheni 22, zu erhalten. Der ursprünglich für 7. u. 8. Dezember angesetzte Termin kann wegen Verhinderung des KuTsleiters nicht eingehalten werden. An kalten Tagen fühlen Sie sich wohl " " : in KLÄUBER'b Trikotagen und warmen Strumpfen Das Neueste zu vorteilhaftesten Preisen ROSA KLAUBER Theatinerstraße 35 . Marienplatz 2