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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-12-01 · 23 (1.12.1935) · p. Seite 515

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
23 (1.12.1935)
Date
1935-12-01
Page
Seite 515 (sequence 5)
Language
German
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Nf.23 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 515 überaus interessanten Ansprachen bei der Synagogen» - Jubelfeier von 1876, beim Abschied vom alten und der Einweihung des neuen Gotteshauses (1887); hier findet man Ankündigung und Begründung der damaligen „Reformen" (Gebete und Gesänge in deutscher Sprache und Orgelmusik). Bei der Einweihung des „neuen Betsaals" von „Ohel-Jakob", damals noch Verein zur Förderung jüdischer Wissenschaft" benannt, preist Perles den „Weg der Mitte" und warnt vor den Extremen des Rationalismus und des Fanatismus. Die großen religiösen Pre- Joseph Perles Rabbiner der Gemeinde München 1871—1894 digten an den hohen Feiertagen und eine sorgenerfüllte Predigt gegen die überhandnehmende Mischehe vervollständigen das Bild dieses Kanzelredners, dessen Hauptstärke die gelehrte Forschung war. Was er am Ausgang der etwa sieben Jahrzehnte dauernden Blüte der „Wissenschaft des Judentums" noch an Großem und seinen Tod Überdauerndem als Sprachforscher und Archäologe geleistet hat, ist in der „Allgem.. Deutschen Biographie" (Bd. 53) von Adolf Brüll und in der „Münchener Allgemeinen Zeitung vom 17. März 1894 von David K a u f m a n n (jetizt in dessen „Ges. Schriften" Bd. I, S. 307 ff.) ausführlich beschrieben worden. In der „Bayer. Isr. Gemeinde-Ztg." war wiederholt Gelegenheit, an diese wissenschaftliche Tätigkeit von Joseph Perles zu erinnern (zuletzt 1933 in der Nummer vom 1. Februar „Drei Münchener jüdische Gelehrte" von Prof. Felix Perles). Wir geben nachstehend einen Auszug des Lebensbildes, das sein seit 1933 verewigter Sohn Felix Perles im Jahr 1919 zum 25. Todestag in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" veröffentlicht hat. Joseph Perles ist wie viele seiner bedeutensten Kolr legen und wissenschaftlichen Fachgenossen aus dem ungarischen Judentum hervorgegangen, in dessen Mitte schon vor 1848 neben der.eifrigen Pflege des jüdischen Schrifttums ein rastloses Streben nach allgemeiner Bildung einherging. Er wurde am 25. November 1835 als jüngstes von 6 Kindern des Rabbinatsassessors Baruch Ascher Perles in Baja geboren. Sein Vater stammte aus einer alten Prager Gelehrtenfamilie, die unter ihren Vorfahren den Hohen Rabbi Low urwi noch weiter hinauf Rabbi Ascher Ben Jechiel zählte und war. selbst ein bedeutender Talmudist. Doch hatte er sich autodidakr tisch auch schon ein reiches Wissen auf modernem Gebiet erworben und besaß überhaupt ein für jene Zeit bemerkenswertes Verständnis für die Bedürfnisse des neuen Geschlechts. Er gab seinem Sohne eine gründliche talmudische Ausbildung und sandte ihn gleichzeitg auf das Gymnasium. Als Frankel seinen Aufruf zum Eintritt in das 1854 eröffnete Breslauer Seminar erließ, war er der erste, der seinen Sohn anmeldete, was Frankel mit besonderem Stolz erfüllte, denn in diesem Vertrauensbeweis von seiten eines ungarischen Rabbiners alten Schlages erblickte er eine Gewähr dafür, daß er sich auf dem rechten Wege befand. 1855 zog Joseph Perles mit dem Zeugnis der Reife nach Breslau, wo er am Seminar unter Frankel, Graetz., Joel und Bernays seine jüdisch-wissenschaftliche Ausbildung erhielt, während er sich auf der Universität dem Studium der orientalischen und klassischen Sprachen und der Philosophie hingab. Bald wurde er der Lieblingsschüler von Frankel und löste schon 1858 eine Preisfrage des Seminars „Über den Geist des Kommentars des R. Moses Ben Nachman zum Pentateuch und über sein Verhältnis zum Pentateuchkommentar Raschis". Im folgenden Jahre promovierte er an der Breslauer Universität mit der Dissertation „Meletemata Peschitthoniana". In tief eindringenden Untersuchungen führte er darin den endgültigen Nachweis des jüdischen Ursprungs der Peschittho, der ältesten syrischen-Bibelübersetzung und zeigte ihre enge Abhängigkeit von der jüdischen Tradition. Die Resultate dieser Arbeit sind Gemeingut der Wissenschaft geworden. In den darauffolgenden Jahren erschienen in Frankels Monatsschrift zwei Studien: „Die jüdische Hochzeit in nachbiblischer Zeit" und „Die Leichenfeierlichkeiten im nachbiblischen Judentum". Mit diesen Arbeiten betrat er ein drittes Forschungsgebiet, auf dem er sich auch noch später erfolgreich betätigte, die Altertumskunde. Noch vor seiner Entlassung vom Seminar 1862 wurde er zum Prediger der Brüdergemeinde in Posen berufen, in welcher Stellung er bis 18/1 wirkte. In Posen hatte Perles eine schwierige, aber auch besonders dankbare Aufgabe. Denn es gab wohl keine Großgemein-de im damaligen Preußen, in der noch so viel jüdisches Leben und jüdisches Wissen anzutreffen war, und andererseits war auch schon der größte Teil der Gemeinde', auch in ihren orthodoxen Vertretern, von deutscher Bildung erfüllt. Der Boden war also dort besonders aufnahmefähig für die Saat Frankelscher Gedanken, d. h. für die Durchdringung des alten Judentums mit dem Geiste der Forschung und den dadurch bewirkten zwar bedächtigen, aber dafür desto sichereren Fortschritt. In Posen fand er auch eine gleichgestimmte Lebensgefährtin, an deren Seite er ein reines, ungetrübtes Glück genoß, in Rosalie Schefftel, der Tochter des durch Bildung und jüdische Gelehrsamkeit ausgezeichneten Kaufmanns Simon Baruch -Schefftel, dessen hebräische Scholien zum Targum Onkelos er 1888 aus seinem Nachlaß herausgab. Während der neun in Posen verbrachten Jahre entwickelte Perles auch eine reiche wissenschaftliche Tätigkeit. 1863 erschien seine Schrift „R. Salomo Ben Abraham Ben Adereth". Er behandelte darin nicht nur das Leben und die Schriften des 1310 verstorbenen großen spanischen Talmudisten, sondern MAGISTER KIRSCH dar gut« Likör, Magister MOnchan VII

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