Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 22 (15.11.1935)
- Date
- 1935-11-15
- Page
- Seite 487 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 487 es 'einmal der feierliche Ton einer alten Chronik (christlichraittelalterlichen Gepräges) und das andere Mal die sprunghafte Nervosität moderner Impressionisten. Aber „jüdische" Dichtung? Inwiefern? Wenn man etwa —■ eine wohl aufzuwertende und vielleicht zu bejahende Frage — die melancholische Melodie des Erzählers Georg Hermann als jüdischen Stil kennzeichnen wollte, dann ist jedenfalls sein Roman „Grenadier Wordelmann" ebenso viel und ebenso -wenig „jüdische" Dichtung wie „Jettchen Gebert"; obwohl der eine von friederizjanischen Grenadieren und der andere von Berliner Juden handelt. — Dichten — das ist eine sehr bestimmte Art, die Welt zu seihe« und muß auf schlechthin jedes Stück der Welt angewendet wenden können. Und nun die Lyrik? Lyrik, das ist im idealen'Falle der unmittelbare, im Wort auftauchende Gesang der Seele; Lyrik im höchsten Sinne hat gar keinen Stoff in der logischem Bedeutung des Wortes, nicht einmal einen „Sinn". Man kann eine vollkommene Lyrik so viel oder so wenig „erklären" wie eine Beethovensdhe Sonate. Und Goethe hat zu'm Beispiel von einem «seiner vollkommensten Gedichte gesagt, daß er es durchaus nicht erklären könne. Also hier ist wohl die Verwechselung des Stoffes mit ider dichterischen Form, die den eigentlichen, den höchsten Inhalt der Poesie ausmacht, gar nicht möglich? 0 doch! Ich sprach ja vom höchsten, vom idealen Fall der Lyrik. Der wird ungeheuer selten verwirklicht; die meisten Gediente bleiben auif halbem Wege zum Epischen stehen: sie haben einen Inhalt, sie erzählen nach Art der Ballade eine Geschichte, oder sie enthalten nach Art des Sinngedichtes oder der Hymne eine sittliche Weisung. Wenn es 'gute Gedichte sind, so ist für die Wirkung dabei ausschlaggebend die sprachliche Melodie, die unser Gefühl trägt — aber einen Stoff haben sie immerhin. Nuini gibt es allerdings in letzter Zeit eine große Menge von Gedichtbüchern, die sich als jüdische vorstellen. Aber der Grund ist fast ausschließlich, daß sie einen jüdischen Stoff haben; sie handeln von David oder Saul oder Moses, sie betrachten die gegenwärtige Situation der Juden oder rufen zur Schaffung von Neuland in Palästina auif. Gewiß, dagegen ist nichts zu sagen, und keineswegs sind all diese Gedichte unbegabt; aber sind es denn nun jüdische Gedichte? Man kann bei der Lyrik, weil sie ja die dichterische Urform ist, leichter oder jedenfalls mit geringerem Aufwand, deutlich werden als bei der dramatischen oder erzählenden Form der Dichtung. Also — da schließt ein Gedicht, das die jüdischen Siedler auf neuer Ende verherrlicht, mit diesen Zeilen: Wir «eben die Pflüge in ihre Hand. Als lebendes Erbe das blühende Land. Die Heimat unsrer Geschlechter. Es liegt bestimmt nicht nur an der Gleichheit des letzten Wortes, wenn mir da drei sehr bekannte Zeilen von Schiller einfallen: So mögen sie, rief er begeistert aus. Sechs Kronen euch bringen in euer Haus, Und glänzen die spätesten Geschlechter. Diese Prophezeiung aus dem „Grafen von Habsburg" hat nämlich genau den gleichen Rhythmus, wie die Ekstase des Siedler-Gedichtes. Die Melodie, die hier unser Gefühl tragen soll, stammt ganz zweifellos aus großer deutscher Tradition; es ist nichts Jüdisches an ihr. Man kann es noch deutlicher machen: da fängt, aus einem ganz neuen Bande, dessen Autor sich sogar einen 'hebräischen Namen zulegt, ein Gedicht „Ahasver" mit folgender Strophe an: Ich bin der Dunkle, der Verwaiste, Dem nie ein Du aus liebem Munde ward'. I<3h bin der Einsame, der 'Weitgereiste, Ich bin der Suchende auf ewiger Fahrt. Kann sich jemand, der Rilkes „Stundenbuch" kennt, hier eines Lächelns erwehren? Hört er nicht diese unendliche Melodie: Du bist der raunende Verrußte, auf allen Öfen schläfst du breit. Das Wissen ist nur in der Zeit, Du bist -der (dunkle Unbewußte von Ewigkeit "zu Ewigkeit. *? » Pbantafttftyet ^erbfl Von Weener Cabnmattn tüte flammen, ßeofj unb cot, So jiebn tm fpäten 3abc £>ie boben 25twben mitten im <5tün. iDie eiligen weifjlicben Wolfen jicbn, E>ie Hüfte finb flar. 3Dcfiben am boben (Bebivg, XOo saäig bit Reifen \inb, Jäbtt roettbtn übet %ügel unb ^>6bn bet jiaefe, reine ftfirmif<be ^obn, IDcr 3aubern>inb.!£in Fuppltger 3tt>iebeI=tEtirm Scbaut in bas wellige $elb. Ißin fcttinarett aus Taufenö unb einer V?a4>t So innig »ort weitbet jufammengebaebt 3fl unfere VDelt. Du bist' der 'Bittende und Bange, der aller Dinge Sinn beschwert, Du bist die Silbe im Gesänge, die immer •zitternder im Zwange der starken Stimmen wiederkehrt. Diese Umschreibung des Gottesnamen von Rainer Maria Rilke ist zweifellos ganz deutsche Dichtung. Wenn man mm über diese unveränderte Melodie den Titel „Ahasver" schreibt, ist das dann jüdische Dichtung? Nein, bestimmt nicht. Und ich glaube, wir können im vollen Sinne des Wortes jüdische Dichtung in deutsoher Sprache heute gar nicht haben. Wie ist denn die Situation? Das Wesen einer Literatur wird ja fast ganz und gar vom Wesen und von der Geschichte der Sprache bestimmt. Man denke doch an den Schillerschen Spruch: Weil ein Vers dir gelingt in einer gebildeten Sprache, die für dich dichtet und denkt glaubst du schon Dichter zu sein?! HALB LEINEN FÜR BETTWÄSCHE 80 cm Rasenbleiche 160 cm Rasenbleiche KM. RM. 1.50 2.95 GEBRAUCHS-TISCHWÄSCHE Halb Leinen .... 130/130 3.90 130/160 4.75 160/160 5.75 Servietten 56/56 .............. Vi Otz. 4.90 Bielefelder Rein Leinen..... 130/130 5.75 130/160 6.95 Servietten 50/50 .............. i/i Dtz. 5.50 ferner alle gangbaren Größen Unsere neüe Ausstellung in unseren Räumen: »DER GEDECKTE TISCH« zeigt Ihnen preiswerte und doch geschmackvolle Zusammenstellungen Unverbindliche Besichtigung erbeten ROSA KL AUBER Vlll&VSi