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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-11-01 · 21 (1.11.1935) · p. Seite 473

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
21 (1.11.1935)
Date
1935-11-01
Page
Seite 473 (sequence 19)
Language
German
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.Nr. 21 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 473 die Begegnung mit dem altneuen Land, seiner Wirklichkeit -und seinem Anspruch hat in Ludwig Strauß den Dichter gefunden. In herb-unsentimentalen, formstrengen Gedichten läßt der in den besten Traditionen ider ■deutschen Lyrik beheimatete Dichter das Land mit seinen Stätten, Landschaften und Jahreszeiten erstehen, erhalten Not und Hoffnung des Aufbruchs ihren dichterischen Ausdruck. Man wird es dem Autor danken, daß er auf alle billige Rhetorik verzichtet und sich von allen Spuren blindschwärmerischer Apotheose freihält. Schwer und reif reihen die Gedichte sich aneinander, von einer milden, sehenden Liebe genährt, in der die Sorge mitaufgenormmen, doch in gläubiger Hoffnung überwunden ist. Gerhard Scholem, Geheimnisse der Schöpfung. Ein Kapitel aus dem Sohar. Bücherei des Schocken-Verlags Nr. 40; Berlin 1935. nbvj Or Olam: Das Licht der Ewigkeit. Einführung in das Weltbild der jüdischen Überlieferung. Von Rabbiner D r. Elie Münk in Ansbach. Frankfurt'a. M., Hermon-Verlag 5695 (1935). Gegen Dubnows „Geschichte des Chassidismus" hat Gerhard Scholem (in der Orientalistischeu Literatur-Zeitung 1932, Nr. 8/9, Spalte . 570) wesentliche und ausführlich begründete Einwendungen erhoben und u. a. gesagt: „In der. jüdischen Wissenschaft ist seit langem die auf andern Gebieten kaum mögliche Unsitte eingebürgert, daß man über Kabbala schreiben darf, ohne etwas über sie zu wissen." D'ibnow spricht in dem eben genannten Werk (Band I, S. 3091) Martin Bubers Werken über die jüdische Mystik einen wissenschaftlichen Wert ab, wogegen Scholem behauptet, daß vorläufig immer noch nichts Besseres getan werden kann, als den Leser, "der einen Begriff von dem Ereignis bekommen will, um das es sich hier (beim Chassidismus) handelte, auf die Buber'schen Schriften zu verweisen, wenn sie auch den Stoff nicht in der Form historischer Kritik und Analyse bieten. Rabbiner Dr. A. Klein- Nürnberg will wohl vor allem Scholem treffen, wenn er in seinem Gutachten über die Frage, ob die gemeinverständliche Darstellung eines Gedarikensystems der Kabbala wie. sie jetzt das Buch „Or Olam" von Rabbiner Elie Münk darbietet, mit der Lehre unserer Weisen vereinbar sei, schreibt: „Gedankertsysteme der Kabbala sind, in überheblichen .wissenschaftlichen' Büchern längst in weite Kreise getragen. Aus trüben Quellen werden ,unreine Wasser' getrunken! Demgegenüber erscheint es; notwendig, die Gedankenwelt der Kabbala. in einer von Ehrfurcht und Demut beherrschten Öarbietung zugänglich zu machen." Dieses Gutachten von Rabbiner Dr. Klein-Nürnberg ist neben einem Geleitwort von Rabbiner Dr. P. Kohn- Ansbach dem neuen Munk'schen Werk vorangestellt. Münk und Scholem schlagen diametral verschiedene Wege ein, dem Laien einen Zugang zu dem klassischen Buch der Kabbala, dem Sohar, zu zeigen, das bei den Kabbalisten neben Talmud und Bibel gewissermaßen als das dritte religiöse Zentralwerk des Judentums gilt und an welches die großen mystischen Bewegungen der Lurianischen Kabbala und des Chassidismus anknüpfen. Es bietet sich jetzt die große Chance durch vorsichtige und sehr langsame Begehung der beiden verschiedenen Wege zum Sohar, einen ersten Begriff davon zu bekommen. Scholem geht so vor: Er hat wörtlich und ohne alle Weglassungen den vollen Text der Soharschrift „Geheimnisse der Tora" übertragen, die zu den wichtigsten und schwierigsten Sohar-Partien1 gehört und die Deutung der biblischen Schöpfungsgeschichte enthält. Die Übertragung ist mit einer ausführlichen Darlegung verbunden, die zuerst über Entstehung, geschichtliche Stellung und literarischen Charakter des Sohar unterrichtet, dann seine Gottesanschauung und die Lehre , von den Sefirot erörtert, und schließlich alles zur Einführung in den übersetzten Abschnitt Notwendige mitteilt. Die Übersetzung selbst verzichtet auf alle Anmerkungen; die eigentümlich abkürzende Sprechweise des Sohar wird durch Ergänzungen, die in eckigen Klammern dem Text eingefügt sind, aufgeschlossen. In dieser Weise ist es Scholem gelungen, das in allen Dingen dem Stand der heutigen Forschung entsprechende (u. a. die Frage nach der Autorschaft des Sohar entschei- Levinger Zigarren haben ihre Stammkunden! S.LEVINGER, Bayerstr.21 im Höfel Rheinischer Hol Gegr. 1886 Fernsprecher 54897 dende) Buch zur Einführung in das Verständnis der Kabbala zu schaffen. Raibb-iner Münk schiebt historisch-philologische (Kritik und Analyse beiseite, er will keine möglichst authentischen Dokumente aus der jüdischen Geistesgeschichte in einer modernen Edition geben, sondern eine gültige Lehre des lebendigen Judentums, gültige Thora, bieten, indem er Stücke aus verschiedenen kabbalistischen Werken frei übersetzt, namentlich den „Pardes Rimonim" des R. Mose Kordovero, der sich zum Sohar wie etwa des Maimonides Mischne Thora zum Talmud verhält. Münk führt uns direkt (ohne Textkritik und ohne Bedenken über den Bedeutungswandel deutscher Vokabeln und Ausdrücke) in die mystische Welt der „Aziluth", „Beria", „Jezira" und „Assija" sowie der zehn Sefiroth; Münk schreibt sein Buch zur Genrütserhebung, nicht zur -Wissensmehrung. Diese holt man sich über die Kabbala am besten vor allem aus Scholems umfangreicher und konzentrierter Arbeit in Band IX der Encyclopaedia Judaica (Sp. 630—731), in leichterer, mehr „belletristischer" Form aus der Sohar-Ausgabe von Ernst Müller (Verlag Dr. Heinrich Glanz in Wien). Wir verweisen auf die Würdigung, die Dr. M. Ascher, Bex im „Israelit" vom 25. Oktober 1935 dem Werk von Münk gewidmet hat. Unser Weg der Erkenntnis bleibt die Methode Scholems; der erbauliche Zweck wird auf dem Weg Münks erreicht. Wir freuen uns beider Bücher und empfehlen sie zum eindringlichen Studium als Grundlage tieferen Verständnisses für eine geistige jüdische Haltung, die in allen Epochen unserer Geschichte heftige Gegner (auch aus dem Lager der Treuesten der Treuen) und inbrünstige Anhänger (darunter auch viele unzuverlässige Schwärmer und Obskuranten) aufzuweisen hat. Ludwig Feuchtw anger. Von der Jüdischen Buch-Vereinigung (JVB). Die Jüdische Buch-Vereinigung (JBV) bringt als nächste Neuerscheinung ein heiteres Buch trostreicher Vergangenheit und Zukunft: „Ahnen und Enkel", einen Roman in Erzählungen, den R u d. Frank für die Jüdische, Buch-Vereinigung geschrieben und in diesen Tagen vollendet hat. Um dieses für unser Fühlen und Denken wichtige, ja notwendige neue Werk jüdischer Lebensbejahung noch in diesem Jahre ihren Mitgliedern zugängig zu machen, hat die JBV andere vorbereitete Pläne auf kurze Zeit zurück- und diesen Roman der Heimat, der Tatkraft und Einsicht, des jüdischen Mutes, Gemeinschaftsgefühls und volkstümlichen Humors vorangestellt. „Trotz allem Jammer unseres Lebens", heißt es einmal bei Franz Kafka, „ist ein leises Lachen bei uns gewissermaßen immer zu Hause." Dieses feine und zarte Lachen zieht sich auch durch Franks Roman von den zwölf jüdi- Die Lehrerstelle verbunden mit Kantorat, in der Kultusgemeinde Änsbach (Mfr.) soll wieder mit einem seminaristisch gebildeten Lehrer besetzt werden. Stimmlich begabte Herren wollen ihre Bewerbung unter Beifügung von Zeugnissen über bisherige Tätigkeit und einem Lichtbild einreichen. Gehaltszahlung, nach den Vorschriften des Bayer. Landesverbands.^ Israel. Kultusgemeinde Änsbach Taf elgerät und Schmuck Vornehme Geschenke Silberschmied M.T. Wetzlar München, Maximilianstraße 2

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