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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-11-01 · 21 (1.11.1935) · p. Seite 457

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
21 (1.11.1935)
Date
1935-11-01
Page
Seite 457 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 21 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 457 Musik durch Juden. Graf Eduard II. nämlich begnadigt im Jahre 1592 die Juden Salomon und Lewen, daß sie hinfürder mit Spielen (spylendo "=. Musikmachen) in seiner Landschaft Ostfriesland ihre ehrliche Nahrung suchen mögen (vgl. Anklam, Die Judengemeinde in Aurich 1927 Schriften. d. Ges. -zur Förderung d. Wiss. d. Judentums 28). Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in Amsterdam besonders viele jüdische Musikanten, Possenreisser, Taschen- und Puppenspieler, außerdem vor allem Trödler, Hausierer und Lastträger. Besonders fielen die Schuhputzer, die auf allen Plätzen und Brücken ihren Stand hatten, in die Augen. Viele jüdische Garköche richteten in Buden ihre Fisch- und Fleischspeisen, nebst. Eiern, Gemüsen usw. für die ärmeren Bevölkerungsklassen zu, nicht bloß für die jüdischen. Hierzu kam der Handel mit gebratenen Hühner- und Taubeneiern, mit Heringen, Bücklingen und ähnlich billigen Fischen, die sie durch die ganze Stadt karrten, und endlich der Kleinhandel mit sauren Gurken (vgl. Allgemeiner unterhaltender Curiositäten-Almanach. Hrsg. v. Christian Aug. Fischer. Jahrgang 1, Mainz 1825). Kleinhändler sind die Juden oft gewesen. Namentlich wurden sie im 18. Jahrhundert in Deutschland auf Ein- und Verkauf von alten Kleidern gedrängt. Damals waren die Mehrzahl der Juden in den fränkischen Ländern sogenannte Trödel- und Betteljuden. Am Wucher waren sie zu dieser Zeit kaum beteiligt. Das war anders im ausgehenden Mittelalter gewesen.. Damals war ein großer Teil von deutschen Juden gezwungen gewesen, sich durch das Geldgeschäft die Mittel zu verschaffen, die ihnen von den staatlichen Gewalten abgepreßt wurden. Aber auch damals blieb er nicht ihr alleiniges Eigentum. Gerade die christliche Konkurrenz hatte den Haß gegen die Juden geschürt. Man nannte dieses christliche Geldwuchern „mit dem Judenspieß rennen". Mit dem Maße, wie der christliche Wucher überhand nahm, wurde diese Redensart sprichwörtlich und trug dann dazu bei, den Judenhaß immer frisch zu erhalten, auch als längst keine Juden mehr im Lande waren (vgl. Burdach, Vorspiel, Halle 1925, Bd. I, Seite 174 ff. u. 276 ff.). Besonders gern wird die Behauptung aufgestellt, die Juden seien die Hehler der Diebs- und Räuberbanden gewesen, ohne daß für diese aus der Luft gegriffene Verdächtigung der Schatten eines Beweises vorhanden wäre. Noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Schwaben eine Art organisierten Staates von Spitzbuben, Dieben und Räubern mit einer eigenen Verfassung und ihren besonderen gesellschaftlichen Verhältnissen. Diese „Jauner" hatten ihre besonderen Eigentümlichkeiten, Sitten und Bräuche, mit einer eigenen Sprache. Sie nannten sich selbst Tschor, Kochumer und Cannover, ihre Sprache die Jenische. Ja sie hatten auch ihre besonderen Gesellschaftsklassen unter sich, die sich zumeist nach der Art, das Diebshandwerk auszuüben, unterschieden. Sie waren auch herumziehende Quacksalber, Wunderdoktoren, Zahnärzte, Viehärzte, Scharfrichter, Schatzgräber, Geisterbanner, Falschmünzer, Glücksbudenbesitzer u.a.m. Ihren Gaunerberuf übten sie in Gesellschaft aus. Ihr Ursprung waren die abgedankten Soldaten des Dreißigjährigen Krieges. ■ Und jeder neue Krieg hat sie neu rekrutiert. Zudem sorgten der österreichische und der bayerische Staat in ihrer Weise für die regelmäßige Auffüllung ihrer Mannschaft (vgl. Hoche in „Deutsche Monatshefte, Leipzig 1896, S. 281—303). Törichterweise wird der Name „Jauner" oder „Gauner' aus dem Hebräischen abgeleitet. Er hat dort so wenig seine Wurzel, wie die Behauptung wahr wäre, daß sie mit den Juden als den Abnehmern ihrer Beute in Verbindung gestanden hätten. Die einzige Begründung, die hierfür gegeben wird, „daß es sich hieraus wohl erklaren ließe, warum die Juden oft die kostbarsten Waren so äußerst wohlfeil verkaufen können", zeigt den Ursprung dieser Verleumdung bei der weniger tüchtigen Konkurrenz. Als der jüdische Finanzmann des Königs von Preußen, Friedrichs IL, Veitel Heine Ephraim, im Interesse des preußischen Staates um 1770 eine Brabanter Kantenmanufaktur errichtete, beschäftigte er im Netzedistrikt viele jüdische Witwen und Waisen, die er Kantenklöppeln erlernen ließ. Solche Spitzenklöppelei wurde namentlich in Flotow, aber noch in fast einem Dutzend von Orten des Distrikts von zahlreichen Juden betrieben (vgl. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutschland I, 1929; S. 152 ff.). Die Juden waren in den letzten Jahrhunderten auch vielfach Zollpächter und Chausseegeldeinnehmer. In Polen waren sie vielfach Gutsverwalter und Faktoren der Großgrundbesitz zer. In Böhmen hatten sie den Handel der herrschaftlichen Flußhütten gepachtet. Da die Arbeitsbevölkerung so arm war, daß sie den Aschenzins nicht zu zahlen vermochten, so wurde der Jude als herrschaftlicher Aschenpächter natürlich besonders gehaßt. Dieser Handel mit „Fluß" ging in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Böhmen völlig in jüdische Hände über; so daß um das Jahr 1770 eine „Baad-Aschen- Companie" von Juden gegründet wurde (vgl. Blau, Böhmerwalder Hausindustrie, Teil I: Wald und Holzarbeit, 1917; S. 109, 114, 116). , ,; -. Um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts liegt der damals bedeutsame Pferdehandel als geschäftlicher Beruf in Deutschland in den Händen von Juden. Sie haben Konkurrenz eigentlich nur in den Kreisen der adligen und hochadligen Großgrundbesitzer, denen es Ehrensache ist, beim Pferdehandel ihre Gerissenheit zu zeigen .Es ist aber doch ähnlich wie beim Viehhandel, dessen Hauptzweig der Rinderhandel ist. Auf der einen Seite sind es gerade die gesündesten und besten Elemente der deutschen Juden, die diese Berufe, die vielfach mit Landwirtschaft verbunden sind, ausüben. Dann wieder haben sich hier auch Elemente zusammengefunden, die „der weite Spielraum reizt, um die Stimmung des Verkäufers zü bearbeiten, die Phantasie des Käufers zu erregen; seine Passion zu überlisten und zu bemogeln, wird befriedigt; und in der Tat mapht der Jude fast aus jedem Pferdegeschäft ein Kunststück" (vgl. Jähns Max, Roß und Reiter in Leben und Sprache, Glaube und Geschichte der Deutschen 1872; Bd. I, S. 127 ff.). Sehr interessant sind auch die Ausführungen des berühmten alten Pferdejuden von Dessau, Abraham Mortgen, dessen Buch „vom entlarvten Roßtäuscher" in Tennekkers Jahrbuch für Pferdezucht 1839 durch den Pferdehändler Moses Aron aus Berlin eine beachtenswerte Fortsetzung erhalten hat). Ohwohl die weitaus große Mehrzahl. der jüdischen Vieh- und Pferdehändler eine große Kenntnis auf ihrem Geschäftsgebiet hatte und sie mit Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit verband, sich daher auch in West- und Süddeutschland stets eines besonderen Vertrauens bei der deutschen Bauernbevölkerung erfreute, wurden sie doch durch die künstlich gegen sie entfachte judenfeindliche Hetze im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts größtenteils entwurzelt und vom Land in die Stadx und zu anderen Erwerbszweigen getrieben. Aber auch heute stellen sie noch einen höheren Anteilsatz an diesen Berufen. Freilich Verschwindet jetzt natürlich der wichtigste Teil des Pferdehandels mit der Zunahme mechanischer Beförderungsmittel. Ein Handwerk, das die Juden immer ausübten, weil es im Wirtschaltshaushalt unentbehrlich zu sein schien, und das auch mit dem Viehhandel zusammenhing, war das Schlachten von Vieh und das Feilbieten von Fleisch. Da sie das von Nichtjuden geschlachtete Fleisch nicht genießen konnten, außerdem (Schluß des Artikels auf Seite 461) Ortsgruppe München des Jüdischen Kulturbunds in Bayern Vortrag Dr. Eloesser am 11. und 18. November im Museum. Konzert des Streichquartetts des judischen. Kulturbunds Rhein-Hain am 20. und - 21. November im Museum

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