Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 20 (15.10.1935)
- Date
- 1935-10-15
- Page
- Seite 432 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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432 Bayerische: Israelitische Gemeindezeitung ■Nr.- 20 Heute schon: llen schöllen Winfermniif el x flott im Schnitt — gut in der Qualität und vor allem: richtig im Preis! KOSEBBFEIillEK Aus der Gemeinde München Kundgebung der Reichsvertretung in München. In der Münchener Hauptsynagoge sprächen, vor einem sehr zahlreichen Publikem der geschäfteführende Vorsitzende der Reichsvertretung der deutschen Juden, Ministerialrat i. R. Dr. Otto Hirsch und Dr. Franz Meyer. Mitglied des Präsidialausschusses der Reichsvertretung, geschäftsführender Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und Leiter des Palästina-Amtes. Zum erstenmal nach Bekanntgabe des neuen Arbeitsprogramms der Reichs Vertretung ergriffen zwei ihrer führenden Persönlichkeiten in einer Gemeindeversammlung das Wort zu grundlegenden Ausführungen über „Ziel und Arbeit der Juden in Deutschland". Ministerialrat i. R. Dr. Hirsch forderte die Selbstzucht eines jeden Juden in Deutschland zur Erhaltung der Gemeinschaft Er begründete den Anspruch der Reichsvertretung als legitime Vertretung der Juden nach innen und außen. Die Arbeit für unsere Jugend, so sagte Dr. Hirsch, ist der Ausgangspunkt unserer Tätigkeit. Deshalb gilt unsere besondere Sorge den Schulen, die 'bewußt jüdisch m gestalten sind; Die Umschichtung zur Landwirtschaft und zum Handwerk, die Lebensmöglichkeiten für Auswandernde sichern kann, "wind vorwärtsgetrieben; 'das Hebräische nicht nur im Hinblick auf Palästina kraftvoll gefördert. Die Sicherung des Lebemsrauimes der noch Erwerbstätigen ist die zweite Aufgabe. Wir haben alle unsere noch bestehenden Wirtschaftspositionen zu sichern, weil eine verarmte Gemeinschaft nie in der Lage wäre.' die vielfachen ungeheuren Probleme der Stunde zu bewältigen. Unser ganzer Opfersinn wird auch dem noch zu sohiaffenden jüdischen Winterhüfswerk 1935/36 zuzuwenden sein, damit unsere Ärmsten in diesen schweren Tagen bestehen können. Der Aufbau Palästinas, in den sich seit 1933 mehr als 25 000 Juden aus Deutschland eingeordnet haben, stellt nicht nur wegen der AuswanderungsmögHohkeät einen Lichtblick dar. Auch Kraft und Hoffnung vermag uns dieses jüdische Lebenszentrum zu spenden. Die Reichsvertretung warne dringend vor privater wilder Auswanderung. Sie bemüht sich im Einvernehmen mit zuständigen Stellen unablässig, neue Möglichkeiten einer geordneten Auswanderung zu schaffen und fordert auch hier eine Besinnung auf die Gemeinschaft. Dr. Hirsch schloß mit einem Appell an die Juden, sich von aller Eigensucht abzuwenden, sich auf die geistigen Kräfte in und über uns zu besinnen und Opferbereitschaft und Brüderlichkeit für die jüdische Gemeinschaft zu zeigen. Dr. Franz Meyer wies an eindrucksvollem Zahlenmaterial dar, welche Gefahren für den einzelnen und für die Gesamtheit eine ungeregelte Massenauswanderung mit sich bringt. Heute gilt es, so sagte Dr. Meyer, das neue Gemeinschaftsleben mit echtem und lebendigem jüdischen Gut zu erfüllen. Weil unsere Lebensgrundlage so völlig ins Wanken geriet, müsse der Zusammenhang mit dem Aufbau Erez Israels gefestigt werden. Dazu muß auch der jüdischen. Kultur und Sprache eine Renaissance bereitet werden. Den Geist der hingebungsbereiten Ghaluziuth haben wir heute auch Lande, und schon hier zu bewähren. Die sämtlichen Gruppen des deutschen Judentums müssen zusammenwachsen in der Arbeit an den konkreten Aufgaben und damit ihre überholten Grup- MAGISTER KIRSCH der gute Ukör, Magister München VII penideologeri überwinden. Damit wird, so-' schloß' Dr! Meyer; jüdische Gemeinschaftsarbeit neue. Werterfülil'ung. gewinnen.; Oberstliandesgeriohtsrat Dr, Alfred Neu'meyer, der Präsident des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden und Vorsitzende der Münchener Gemeinde, dankte den Rednern in herzlichen Worten und versicherte sie des größten Vertrauens in die Leitung' und Führung der Reibhsvertretung; Gerade im Süden des Reiches werde schon seit Jahren der Geist gemeinschaftlicher jüdischer .Willensbildung praktisch betätigt. So finden die Forderungen der .Reichsvertretung hier besonderes Verständnis. Mit eindrucksvollen Worten rief Dr. Neumeyer die Gemeindemitgliedef zu neuer Kraft, neuem. Hoffen und Wollen auf. Anmeldepflicht beim Reichsverband der jüdischen Kulturbünde. Der „Reichsverband der jüdischen Kulturbünde in Deutschland" teilt mit: „Um Mißverständnissen vorzubeugen, wenden nochmals alle reproduktiv ausübenden Künstler ersucht, sich unverzüglich beim Reichsverband als aktive Mitglieder zu melden, soweit sie dies noch nicht .getan haben. Die Frist, die am 30. September 1935 abgelaufen war, wird nochmals bis einschließlich .15. Oktober 1935 verlängert. Jüdische Künstler, die im Rahmen der. Kulturbünde oder der angeschlossenen Vereinigungen und überhaupt im jüdischen Rahmen aufzutreten gedenken, müssen im Besitz einer Ausweiskarte des Reichs verband es sein, um ihrem Beruf nachgehen zu können. Es wird jedoch darauf hingewiesen, daß diese Ausweiskarte lediglich die Berechtigung zum Auftreten verleiht, nicht aber ein Recht auf Beschäftigung bietet. Die Anmeldung wird erbeten von: a) Solisten: Schauspieler, Sängern (Oper und-Konzert), Instrumenfcal'sol'isten, Vortragenden; Rezitatoren, Tänzern, Kabarettisten; b) Orchester- und Ensemble-Musikern. Chorsängern. Diejenigen Künstler, die sieh bereits als aktive Mitglieder beim Reichsverband angemeldet haben, werden nochmals darauf hingewiesen, daß die Übersenduin^ der provisorisohen Mitgliedsausweise im Laufe der nächsten Tage erfolgt, daß jedoch Mahnungen und Anfragen keinerlei Beschleunigung herbeiführen können. Es wird daher gebeten, von allen persönlichen und schriftlichen Nachfragen vorerst abzusehen, sondern lediglich die Meldung zu vollziehen, bzw. die .Zusendung der Mitgliedskarte abzuwarten." ' . Ortsgruppe München des Jüdischen Frauenbundes. Wiederbeginn des Bibelkurses Montag, den 28. Oktober, nachmittags 5 Uhr, Gemeindesitzungssaal. (Lektüre I, Buch Moses Kap. 1—6). . ' Rosa-Werner-Nähstube. Wir gestatten uns, unsere verehrl. Mitarbeiterinnen höfl. darauf aufmerksam zu machen, daß wir Dienstag, den 22. Oktober 1935, unsere Arbeit wieder aufnehmen. Wir nähen wie bisher in den 'Naobmittagsstunden zwischen 3—6 Uhr in den bisherigen Räumen Herzog-Rudolf-Straße 1 und bitten um zahlreiches Erscheinen. Der Hechaluz München sucht zum Ausbau seiner Bibliothek guterhalterae Bücher, vor allem auch jüdischen und zionistischen Inhalts und bittet deshalb um Spenden geeigneter Werke. Die Bücher werden gern abgeholt. Kurze Mitteilungen hierüber erbeten an Julius Friedmann, München, Giselastraße l/III (Praktikantenheim). Zionistische Ortsgruppe München S chulungskurse der Zionistischen Ortsgruppe München Die in dieser Zeit von sehr Vielen neugewonnene Beziehung zu jüdischen Werten und im besonderen zürn jüdischen Palästina darf sich nicht in einem äußerlichen Bekenntnis erschöpfen, sondern muß unterbaut sein von einem gründlichen Wissen. Das Bedürfnis nach