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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-10-15 · 20 (15.10.1935) · p. Seite 430

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
20 (15.10.1935)
Date
1935-10-15
Page
Seite 430 (sequence 2)
Language
German
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430 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 20 Jüdisches Winterhilfswerk Nach den von dem Herrn Reichsbeauftragten für das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes genehmigten Richtlinien wird für die Betreuung der jüdischen Hilfsbedürftigen ein selbständiges jüdisches durchgeführt. Spenden für das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes sollen von Juden nicht entgegengenommen werden. Nähere Mitteilungen über das jüdische Winterhilfswerk folgen in der nächsten Nummer dieser Zeitung. Schreibweise: schwierig« Konsonantenhäufungen (Wolff, dorff), weitläufige Silbenerweiteruingen („Österreicher") mußten beibehalten werden. Und doch sind viele charakteristische Emtauschnamen, vor allem in der Emanzipationszeit (tum 1810), weiter in der Assimilationsizeit (19. Jahrhundert) und später zu beobachten. Professor Kessler widmet dem Thema des Namenswechsels im deutschen Judentum ein besonderes anziehendes Kapitel. Neben der äußerst wertvollen Forschungsmethode' und den damit erzielten objektiven Feststellungen hält Kessler auch in diesem Kapitel mit scharfen Urteilen nicht zurück. Er bespricht die Motive und Anlässe der Namensänderung-und wirft im Laufe seiner Erörterungen die Frage auf: „Aber warum wurde ,Ochs' 1857 gerade zu ,Oswalt\ und warum führen die Nachkommen des Mannesstammes ,Rindskopf heute nicht weniger adis' sechs verschiedene Familiennamen, nämlich ,Ricard', ,Rikoff\ ,Ri<no\ ,Roberth\ .Rütten' und ,Rüttenau'?" „Ich halte diese Umbenennungen für schlimmer als nur grotesk; sie kennzeichnen einmal den 'heillosen Individualismus, in den das von 'den alten Wurzeln gelöste .emanzipierte' und ^assimilierte' Judentum Deutschlands im 19. Jahrhundert sich vielfachverlor, sie kennzeichnen aber auch die Gedankenlosigkeit deutscher Bürokraten, die alte deutsche Rufnamen wie Oswalt und Robert an jüdische Familien verschenkten und die ©in geschichtsloses Namenschaos entstehen ließen." Die vollständige Preisgabe des von den Eltern gegebenen Rufnamens hält Kessler nur bei einem ernsten, gewissenhaften Glaubens Wechsel sittlich gerechtfertigt, dagegen für verwerflich, wenn der Wechsel nur Emanzipation und Assimilatioin bezeugen soll. Man warf mit solchen Namensvertauschungen in der Tat manchmal leichten Herzens Elternerbe und Vol'kserbe weg und gewann damit an inneren Werten nicht. Sich alter jüdischer Adelsnamen wie Levy und Cohn aus praktischen Gründen zu entledigen und läppisch seine jüdische Herkunft zu tarnen, zeugt allerdings von wenig geistiger Überlegenheit und Noblesse. Der Vorgang der Namensvertauschung ist vor allem in Amerika, aber auch in England, Umgarn, Rußland an der Tagesordnung. Im Gegensatz dazu werden heute 'in Palästina europäische 'Judenvornamen hebräisiert. Man muß sich hüten allgemein moralische oder ethische Urteile an solche Vertauschungen zu knüpfen. Dehn die Namengebung hat heute viel von ihrem ursprünglichen Gharakter verloren, der besonders auch im. alten- Judentum wie in anderen Kulturkreisen und Religionen der eines Sakralaktes war. Der Namenswechsel in der Bibel (vgl. der „Neue Name" in Jesaia 62, 2 und 65, 15) ist ein tief religiöser Vorgang. Die magische Kraft des Namens erfüllt Märchen und Sagen aller Zeiten. Auch die alte jüdische Sitte des Namenswechsels bei schwerer Krankheit („Schinuj-ha-schem"), der von einfachen Gemütern der Zweck der Täuschung des Todesengels unterschoben wurde, ist magischen Ursprunges. Goethes „Zauberlehrling" wird von den Geistern überwältigt, weil er ihre Namen vergessen hat. Wir rühren hier an ein großes und schweres Thema. Die religionsgeschichtliohe und mystische Seite der Frage des „Namens" muß hier vorläufig beiseite bleiben. Unser Anliegen war ein rein Historisohes, Sprach- und Volkskundliches. Vor mehr als 100 Jahren hat es Iakob Grimm, der größte Namenforscher ausgesprochen: „Die Ergründung der Eigennamen verbreitet Licht über die Sprache, Sitte und Geschichte unserer Vorfahren". Die Weif des palästinischen Spafjudenfums als Hinfergrund des werdenden Christentums Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament In Verbindung mit 46 Mitarbeitern herausgegeben von Gerhard Kittel, ord. Prof. f. neutestarri. Wissenschaft a. d. Univ. Tübingen!. Stuttgart, W. KoMhamaner. Bd. I (1933): XII, .34* a 793 S. (32 RM. brosch.); Bd. II (1935): XII, 958 Seiten (37 RM, brosch.). . Das große Unternehmen des Kittel'schen Wörterbuches zum Neuen" Testament ist jetzt in zwei mächtigen Bänden bis zum Buchstaben ti, dem siebenten Buchstaben.'dies griechischen Alphabets, gediehen. In diesen Blättern war wiederholt (vgl. Jahrgang 1932 der Gemeinde-Zeitung, S. 181 f. u. 300) von den Fortschritten des Werkes die Rede. Wir haben über Anlage,. Zielsetzung'der Sammlung und über ihre Bedeutung für die ureigene jüdische Geschichte ausführlich berichtet. Es ist nicht ein Lexikon, das alle Wörter des Neuen Testaments in alphabetischer Reihenfolge aufzählt und unter .Anführung der Belegstellen übersetzt, sondern es handelt sich um eine systematische Folge von Begriiffsmouographden. Man kann sich schwer von der Reichhaltigkeit des Standardwerkes eine Vorstellung machen. Jeder Artikel führt den Leser in die vielschichtige sprachliche, theologische, kultur- und religionsgeschichtMche Problemlage ein: wir lernen daraus, was theologische Begriff s- und Wortgeschichte heißen wilL Kein jüdischer Theologe würde es heute wagen, etwa einen kabbalistischen Text in fließender moderner deutscher Sprache kompilatorisdh als maßgebende Überlieferung, jüdischen Geistes anzugeben, wenn .ihm aufgegangen wäre, daß Worte wnid Ausdrücke einem oft tiefgehen-

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