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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-10-01 · 19 (1.10.1935) · p. Seite 410

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
19 (1.10.1935)
Date
1935-10-01
Page
Seite 410 (sequence 6)
Language
German
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Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 19 über den Mischna-Trakfaf Sukka Zum Laubhüttenfest Die Mischna ist eine Sammlung mündlich überlieferter Gesetze (Halacbot), die nach einem bestirnten System' geordnet sind. Der umfangreiche Stoff ist in sechs Ordrouaige-ni eingeteilt, eine davon enthält die Vorschriften über die Festzeit (Moed) mit 12 Traktaten, darunter der über das Laubhüttenfest: '„Sukka". Im Jahr 1935 erschien die besonders wertvolle Ausgabe dieser „Mas'ecbta", besorgt von (dem Mannheimer Vikar Dr. theol. Hans Borrthäuser.1 Auch für den modernem! Menschen kann (jenseits der religiös-praktischen Seite) eine systematische und eindringende Beschäftigung mit .diesem Ted! des Talmud von ungewöhnlichem Reiz seio, wie überhaupt bei edmier sachlichem Hingabe an das monströse, uns ohne Abstriche schlechthin eibrwürdige Corpus, das wir „Talmud" nennen, sofort sichtbar wird, wie jede tendenziöse, apologetische oder sonst an den Tag (geknüpfte Betrachtungsweise von der an und für sich nicht ganz leichten tieferen Einsicht in das eigentliche Wesen des Talmud und von seinem Geist ganz weit wegführt. Ein richtiges Studium dieses Gebietes ist aber nicht nur zur Erfassung des jüdischen ReÜgionsgesetzes von Bedeutung. Die Wichtigkeit des TalmudstudLurns, roamentHch der Mischna . für die Kenntnis des Neuen Testaments bedarf für Kenner keines Hinweises mehr. Eine ernsthafte Ausbildung auf dem theologischen Zentralgebiet der neutestaraentlieben Wissenschaift ist ohne enge Fühlung mit den „Rabbinica" unmöglich. Der außerordentliche Inhalt des fünfteiligem Miscbna-Traktates über das La'ubnüttenifest ist nicht nur Sitz der weitläufigen Haiacha über Sukka und Lulaw, also der Vorschriften über Größe und Beschaffenheit der Sukka, insbesondere über Material und Dichte des Laubdachs, ferner über das Wohnen in 1 Hans Bornhäuser, Dr. theol., Vikar in Mannheim, Sukka (Laubhüttewfest). Text Ubersetzig und Erklärung, nebst einem textkritiscben Anhang und einer Tafel (Die Mischna, II. Seder, 6. Traktat). Berlin. Alfred Töpelmanmi, 1935. VIII. 197 Seiten RM 16.—. Laubhüttenfest ~ wie.es die spanischen und portugiesischen Juden im Amsterdam im 18. Jiahr- . hundert feierten. Stich von Bernhard1 Plicart aus dem Jahre 1724. der Laubhütte (Pfliehtmablzeiten, DispensvorsohriMen usw.), über die vier ßestainidterle des Feststraiußes (Palmzweig, Myrthe, Badhweide und Etrog) sowie der Gesamtheit der Mizwoth-Lulaw, die gleiche Mischmia. enthält außerdem in ihrem 4. und 5. Teil auch (die unvergleichliche, klassische Beschreibung der Feier des Laubbüttenfestes in Jerusalem zur Zeit des zweiten Tempels. liier wird kurz, aber vollkommen anschaulich ein religiöses Volksfest geschildert, das besser als jede abgezogene Theorie das Wesen des jüdischen Staates,meiner auf der religiösaktiven Teilnahme des. ganzen Volkes ruhenden Theokratie eigener Art zeigt. Es ist nicht alzu. schwer,. sich ein deutliches Bild gerade dieses Traktates „Sukka" zu verschaffen: die jüdische Tradi-. tion vertreten Text. Ubersetzung und Kommentar von Banet h in dem großen prachtvollen Berliner Mischnajoth-Werk. Von christlicher Seite existieren schon aus der Barock-Zeit zwei erstaunlich sorgfältige und' reich kommentierte Ausgaben: die von Surenhusius (Amsterdam 1699) im 2. FoJioband der sechsbändigen Amsterdamer Mischna (mit lateinischer Übersetzung des Textes und der beiden alten Kommentare von Bartinoro und Rambam), ferner der 580 Seiten starke Band (Utrecht 1726): Talmudis Babyloniei Codex Succa von Fr. B. Dachs; die Fülle der Gelehrsamkeit, 'die hier in diesen alten Ausgaben, wenn auch manchmal mit etwas aibgdegeinien wissenschaftlichen Methoden geboten' wird, ist. bewundernswert. Und jetzt eben neuerdings, im Jahr 1935: die Bearbeitung von Hans Bornhäuser in der Gießener Mischna. Diese Misohna- Ausgabe erscheint seit 1912; von den 63 Traktaten sind bis heute nach 23 Jahren erst 24, darunter allerdings die umfangreichsten fertig. Sie sind für den christlichen Theologen zur eingehendem Kenntnis des Neuen Testaments bestimmt, aber auph von jüdischer fachmännischer Seite als gute und objektive wissenschaftliche Leistungen anerkannt; tiieuerdings beteiligen sich auch jüdische Gelehrte an der Bearbeitung, so hat Prof. Samuel Krauß (Wien) im Jahr 1933 den Traktat Sanhedrin-Makkotth mitherausgegeben'. Für uns ■bleibt die Baneth-Haffmanaische Ausgabe und die Gießener-Mischina reiche Fundgrube und unentbehrliches Rüstzeug zum besseren Verstänidinis des wichtigsten, nachbiblischen hebräischen Quellenwerkes, das durch Auszüge und sohulmäßig aufgemachte Einzeltraktate nicht ersetzt werden kann. Aus „Sukka" sei hier, um den Beziietangsreichtum und die Fülle der idarin enthaltenen' lebendigen Probleme .an einem Beispiel zu illustrieren, eine bekannte Stelle aus dem 4. Abschnitt übler die Ausführung des Bachweideniumzuiges am Tempel kurz besprochen]. In der Beschreibung, wie das Sukkotb-Fest vor dem Jahr 70 nach Ohr. in Jerusalem gefeiert wurde, wand der Bachweidenprpzession (mlzwath-arawa) «eine besondere Steile gewidmet, 'die ja .auch in1 unserer Suikkoth-Liturgie einien Platz gefunden hat: An jedem der Suikkoth- Tage umschreitet man den Altar einmal mit dem Feststrauß und rezitiert dabei: „Ach, Herr, hilf doch! Ach, so hilf doch!" Rabbi Jehuida sagt: Sie Sprachemi: „Ich und Er, so hilf doch!" Zur Aufhellung dieses rätselhaften Rufes, einer bekannten crux interpretum 'in der Mischna. ist der nicht einheitliche Textbeifund wichtig: mm ^n lanä w'hu (ich und Er), nach anderer Lesart: im 'as — ani waho (ohne Alef am Schluß

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