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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-10-01 · 19 (1.10.1935) · p. Seite 409

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
19 (1.10.1935)
Date
1935-10-01
Page
Seite 409 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 409 Das neue Arbeitsprogramm der Reichsvertretung deutscher Juden Die Pressestellung der Reichsvertretung der deutschen Juden! teilt mit: Die vom Reichstag in Nürnberg beschlossenen Gesetze haben die Juden in Deutschland aufs Schwerste betroffea Sie sollen ober eine Ebene schaffen, auf der ein erträgliches Verhältnis zwischen dem deutschen und dem jüdischen Volke möglich ist. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland ist willens, hierzu mit ihrer ganzen Kraft beizutragen. Voraussetzung für ein erträgliches Verhältrais ist diie Hoffnung, daß den Juden und jüdischen Gemeinden' in Deutschland durch Beendigung ihrer DiffänTieruing und Boykottierung die moralische und wirtschaftliche Existenzmöglichkeit gelassen wird. Die Ordnung des Lebens der Juden in Deutschland erfordert die staatliche Anerkennung einer autonomen jüdischen Führung. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland i*st das hierzu berufene Organ. Hinter ihr steht bis auf geringe Ausnahmen die Gesamtheit der Juden und jüdischen Gemeinden, insbesondere alle Landesverbände und alle Großgemeinden, sowie die freien jüdischen Organisationen: ' Zionistische Vereinigung für Deutschland; Central verein der Juden in Deuts ohland; Reiohsbund jüdischer Frontsoldaten; Vereinigung für das religiös-liberale Judentum; Die organisierte Gemeinde-Orthodoxie; Jüdischer Frauenbund; Reichausschuß der jüdischen Jugendverbände. Die dringendstem Aufgaben der Reichsvertretung, denen sie in energischer Verfolgung des bisher von* ihr eingeschlagenen Weges mit aller Hingabe nachgehen wird, sind: 1. Das eigene jüdische Schulwerk muß der Erziehung der Jugend zu religiös gefestigtem, aufrechtem Juden dienen, die aus bewußter Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinschaft, aus der Arbeit an jüdischer Gegenwart und dem Glauben an jüdische Zukunft die Kraft schöpft, den schweren Anforderunigen zu entsprechen, die das -Leben an sie stellen wird. Uber die Wissensvermittlung hinaus muß die jüdische Schule der planvollen Vorbereitung für den künftigen Beruf dienen. Mit Rücksicht auf die Auswanderungsfähiigkeit, insbesondere nach Palästina, wird dabei die Hinführuinig zu bandarbeitenden Berufen und das Erlernen der hebräischen Sprache im Vordergrunde stehen. Die Erziehung und berufliche Ausbildung der weiblichen Jugend muß darauf hinzielen, sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben als Ertoalterin der Familie und als Mutter der künftigen Generation vorzube reiten. Ein eigen/ständiger Kulturaufbau muß den kunst- und kultursobaifenden Juden Betätiguingsmöglicihkeiten geben und dem kulturellen Eigenleben der Juden in Deutschland dienen. 2. Dem gesteigerten Auswamderungsbedürfnis ist mit einer großzügigen Planung zu entsprechen, die vor allem Palästina, aber auch alle anderenin Frage kommenden Länder einbezieht und besonders der Jugend gilt. Hierzu gehört die Sorge für die Vermehrung der Auswanderungsmöglicbkeiten, Ausbildung in den für Auswanderung geeigneten Berufen, insbesondere Landwirtschaft und Handwerk, die Schaffung von Möglickheiten zur Mobilisierung und Liquidierung des Vermögens wirtschaftlicher Selbständiger, die Erweiterung bestehender und die Schaffung neuer TranisfermögMchkeiten. 3. Die Erhaltung und Betreuung der Hilfsbedürftigen, der Kranken und der Alten muß in Ergänzung der staatlichen Fürsorge durch weiteren systematischen Ausbau der von den Gemeinden getragenen jüdischen Wohlfahrtspflege sichergestellt werden. 4. Diesen vielfältigen und schwierigen Aufgaben ist eine verarmte Gemeinschaft nicht gewachsen. Die Reichsvertretung wird mit allen Mitteln versuchen, die wirtschaftliche Kraft der Juden dadurch zu sichern, daß die vorhandenen Erwerbsmöglichkeiten erhalten bleiben. Die wirtschaftlich Schwachen sind durch weitere Ausgestaltung wirtschaftlicher Hilfsmaßnahmen wie Arbeitsnachweise, Wirtsohaitsberatunig, sowie Personal- und Realkredithilte zu stärken. 5. Ktfaft in der Gegenwart und Hoffnung für die Zukunft gibt das 'lebensvolle Fortschreiten im Aufbau des jüdischen Palästinas. Um das Judentum in Deutschland noch mehr als bisher in diese Entwicklung hineinzustellen, tritt die Reichsvertretung als solche dem jüdischen Aufbauwerk e.V. (Keren Hajessod) bei und fordert die jüdischen Gemeinden und Verbände nachdrücklichst auf, ihrem Beispiel zu folgen. Die Reichsvertretung erklärt sich bereit, die organisatorische Verbindung der Körperschaften der Judembeit in Deutschland mit dem Aufbauwerk in Palästina herzustellen. Im vollen Bewußtsein der Größe der Verantwortung und der Schwere der Aufgabe ruft die Reichsvertretung alle jüdischen Männer und Frauen, die gesamte jüdische Jugend zur Einigkeit, zu jüdischer Haltung, strengster Selbstzucht und größter Opferbereitscbaft auf. Der vorstehenden Entschließung des Präsidialiausschusses der Reichsvertretung haben ihre ausdrückliche Zustimmung gegeben: Preußiöher Landesverband jüdischer Gemeinden durch Kammergerichtsrat i. R. Leo Wolff und Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee; Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden durch Oberstlandesgeriehtsrat Dr. Neumeyer-München; Sächsischer Israelitischer Gemeindeverband durch Wilhelm Breslauer-LeiDzig; Landesverband der israelitischen Religionsgemeinden Hessens durch Konumerzienrat Mayer-Mainz; Oberrat der israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs durch Leopold Levi-Stuttgart; Oberrat der Israeliten Badens durch Professor Dr. Stein-Karlsruhe; die Gemeidevertretung der Hansestädte durch Rechtsanwalt David-Hamburg und Dr. Manasse-Altona; Oberrat der israel. Landesgemeinde Mecklenburg-Schwerin durch Dr. Josephy-Rostock. ■Jüdische Gemeinde zu Berlin durch Direktor Stahl; Jüdische Gemeinde Breslau durch Dr. Lachs; Jüdische Gemeinde Frankfurt a. M. durch Justizrat Blau; Jüdische Gemeinde Köln durch Dr. Gallraann; Jüdische Gemeinde Mannheim durch Rabbiner Dr. Grünewald; Jüdische Gemeinde Essen durch Dr. Hirschland; Jüdische Gemeinde Nürnberg durch Kommerzienirat Rosenzweig; Jüdische Gemeinde Königsberg durch Gebeimrat Falkenheim. Zionistische Vereinigung für Deutschland durch Dr. Moses, Centraiverein der Juden in Deutschland durch Justizrät Dr. Brodnitz; Reiehsbund jüdischer Frontsoldaten durch Dr. Leo Löwenstein; Vereinigung für das religiös-liberale Judentum durch Rechtsanwalt Dr. Stern; die organisierte Gemeindeorthodoxie durch Rabbiner Dr. Hoff mann; Jüdischer Frauenbund durch Frau Ottilie Schönewiald; Reichsiausschuß der jüdischen Jugendverbände durch Dr. Friedrich Brodnitz, Hilfsverein der Juden in Deutschland durch Max Warburg, Palästina-Amt der Jewrsih Agency durch Dr. Franz Meyer. M. & J. AMBRUNN, Theatinerstraße 17 HERRENSCHNEIDEREI UND TUCHHANDLUNG ______ Reichhaltige Auswahl modernster Herrenstoffe

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