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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-10-01 · 19 (1.10.1935) · p. Seite 408

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
19 (1.10.1935)
Date
1935-10-01
Page
Seite 408 (sequence 4)
Language
German
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408 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 19 Jüdischer Boden -—Jüdische Zukunft Von Dr. Alired Kupferberg, Chefredakteur,.Berlin• ■-■ Dr.. Alfred Kupferberg, der Hauptschrift'leiter des . Israelitischen Famdlienblattes, sprach am 24. September in München vor zahlreichen Zuhörern, die aus allen jüdischen Richtungen zusammengesetzt waren, über die Umsiedelung der jüdischen Jugend nach Palästina. Weg und' Aufgabe dieses Kroßen Plaues behandelt der folgende Aufsatz. „Jedes Volk 'hat soviel Himmel über seinem Haupte, "wie es Boden unter seinen Füßen hat." Im Zeiche© dieser Erkenntnis — Schmaryahu Lewdn, einer der unvergessenen großen Wegbahner der jüdischen Renadssaince, hat sie ausgesprochen — standen die grundlegenden Ausführungen, mit denen vor einigen Tagen Ben Gurion), der Wortführer des palästinensischen Judentums, die Aufmerksia<mkeit der ganzen jüdischen Welt auf die große« Zukuniftsmögliebkeiten Palästinas richtete. Ja, ein (größeres Pialästina, ein großes Erez Israel, ein jüdisches Land.zwischen dem Mittelländischen Meer im Westen und dem Roten Meer im Süden forderte, in vollem Bewußtsein seiner staatsmännischen1 Verantwortung, Ben Gurion, als die Heimat von vielen Hunderttauisenden, und in nicht allzu ferner Zeit vielleicht von Millionen heimgekehrter Juden; die Verdoppelung des Jischuw, der jetzt 350 000 Seelen unifaßt, und im Rahmen dieses großartigen Piaines die Verdreifachung der auf dem Boden Palästinas lande wirtschaftlich Verwurzelten bezeichnete er in seinem Referat als „die nächste Etappe, die Aufgabe der 'Stunde". Nicht die schwerwiegenden Fragen, die die Einwanderung dieser Massen und ihre Eingliederung im altneuen Lande während der nächsten Jahre an die zionistische Bewegung stellen, wenn sie dieses Programm zur Verwirklichung bringen wird, nicht die mannigfachen, damit weiter verbundenen Probleme der Entwicklung Palästinas und seiner wachsenden jüdischen Bevölkerung seien hier erörtert — ebenso wenig, wie sie Ben Gurion in seiner richtungsweisenden Rede anders als in Nebehbemerkungen erörterte. Ein größeres Palästina, -das in Wahrheit zur Heimat des jüdischen Volkes wird, ist, vor allem, vor jeder anderen Erwägung, ein Erez Israel mit mehr jüdischem Boden. Jüdischer Boden im Lande der Väter: er, und vor allem er, sichert unsere und unserer Kinder jüdische Zukunft. Der jüdische Nationalfönds (Keren Kafremetih Leiisrael) ist seit Jahrzehnten das Instrument der Zionistischen Organisation zur ..Erlösung dies Bodens" in Palästina, das Instrument also, mit dem das jüdische Volk aus dem Lande seiner Väter dias Land seiner Kinder zu machen sucht. Seit dem Jahre 1901. da der Keren Ka'jemeth begann, für seine große Idee zu werben, gingen mehr als 350 000 Dunam palästinensischen Bodens, mit einem Schätzungswerte von jetzt mehr als fünf Millionen Pfund in das Gemeineigentum des jüdischen Volkes über; allein in den letzten zwei Jahren, zwischen dem 18. und dem 19. zionistischen Kongreß, flössen etwa 600 000 Pfund den blauen Büchsen des Keren Ka'jemeth (und seinen anderen Stammelmitteln) zu und verwandelten sich so in Erez Israel in jüdischen Boden. Nicht genug! Lange nicht genug — denn während sich der Jischuw während des letztem Jahrfünfts um 11 bis 12% der Gesamtbevöilkerung des Landes vermehrte, stieg der jüdische BodenbesitJ^ Palästinas nur-um "einen 'Bruchteil dessen, "von .5% am 6%%-. M -.. <• Zu den;wielfti'gj;T^^ _ gejBört^ie; Unterbringung und Organisation det^ö^ra^nwi^rjj^^äu^ Deutschland. Den jüdischen Jungen-THid Äföll^^äuV''6öuti^OT** land die richtige. Ausbildung., und ein bleibendes Heim zu schaffen, war ein Unternehmen, das zu Anfang genial und tatkräftig improvisiert werden mußte. Bereits heute läßt sich sagen, daß (das Unternehmen ein 'Erfolg war. Die Leichtigkeit mit der die jungen Menschen sich, in die Sprache einige!ebt haben, ihre Fähigkeit, sich den Be-' dingungen des Landes und' ihrer Umgebung , anzupassen, die Schaffensfreude, die sie an den Tag legten, wenn sie die Eindrücke, die sie von ihren Ausflügen plastisch und ür mündlicher Schilderung wiedergaben, die Begeisterung, mit der sie neue Pläne aufnahmen und ausführten, das . alles spricht für den großen erzieherischen Wert dieser. Bewegung. Man braucht nur die Selten ihrer Zeitung durchzublättern, um eine lebendige Vorstellung davon zu bekommen, was es für Hunderte von Jungen und Mädchen bedeutet, aus einer Atmosphäre der Zurücksetzung und Abkapselung, in eine Atmosphäre der Handlungsfreiheit zu kommeil. in derdie schöpferische Phantasie jedies Einzelnen angefacht wird und alle Fähigkeiten zur Entfaltung gebracht werden können. . An der Spitze dieses einzigartigen jüdischen Werkes steht in Palästina die Leiterin der Jugendalijiaih-Abteälung der Jewish Agency, Miß Henrietta Szold. Die Verdienste dieser großen jüdischen Frau unr unser Volk sind unvergänglich. Schon in ihren Mädcbenj,ah>ren steht siein Amerika im Kampf für die von ihr ins Leben gerufene Hilfsaktion für die dorthin vertriebenenPogromiopfer aiuis Rußland im Anfang »der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Im Jahre 1912 gründet sie die Hadassah, die in wenigen Jahren unter ihrer Leitung die größte Frauenorganisation Amerikas wird, sie wird Präsidentin der amerikanischen zionistischen Organisation. 1927 tritt sie in die dreigliedrige Palästina-Exekutive ein. In den darauffolgenden Jahren widmet sie. sich ausschließlich allen Zweigen der sozialen Fürsorge in Palästina. Sie darf von sich sagen, daß sie und die Hada&sah bis vor drei Jahren vom Tage der Geburt bis zum Austritt aus der Schule die Kinder Erez Israels versorgt und beschützt hat. Sie hat den Kampf gegen die Malaria, gegen die ägyptische Augenkrankheit, gegen dien Typhus und' die Tuberkulose geführt, und überall da eingegriffen, wo es galt, soziale- Mißstände abzustellen und' Not zu lindern. Als im Jahre 1933 die deutschen Juden vor eine nleue Situation gestellt wurden, hat Miß Szold in Palästina begonnen, hervorragenden Anteil an der Rettung und Befreiung besonders der jüdischen Jugendlichen Deutschlands zu nehmen. In der Arbeit der Jugendal'ijah sieht sie die Krönung ihres Werkes. Mit letzter Hingabe widmet sie sich dieser Aufgabe. Sie besucht alle Siedlungen, kennt alle Kinder aus Deutschland, und wird daher' im Lande „die Mutter der Jugendailijah" genannt. . Diese große jüdische Frau feiert in einigem! Monaten ihren 75. Geburtstag. Anläßlich dieses Tages soll das jüdische Voiik ihr die schönste 'Ehrung zuteiiwerden lassen, die es zw vergeben hat: die Verwirklichung des Werkes von Miß Szold durch die Gründung der ersten Siedlung der J u g e n d a 1 i j a h in Palästina. Diese Siedlung soll den Namen von Miß Szold erhalten und ihn für 'ewig mit dem Aufbauwerk verknüpfen. Es ist geplant 120 Familien, also 240 Siedler aufzunehmen. In diese neue jüdische Kolonie werden die ersten 60 bis 80 Jugendlichen der Jugeudaliiah, die im letzten Jahr ihre Ausbildung bereits beendet haben und nun zur - Ansiedlunig gelangen können, als Siedler eintreten. Der Keren Kajejneth Lejisrael der seine Aufgabe in dem Erwerb von Boden in Palästina sieht, hat sich bereit erklärt, einen geeigneten Bodenlkomolex zu kauf en und' ihn den Siedlern zur Verfügung zu stellen.. Bei der durch die große Einwanderung dauernd steigenden Inanspruchnahme des KKL reicht , jedoch sein-normales Budget nicht aus. um den Bodenkauf für diese neue" Sied'lwri|g>^'rdi^ühf.^n- Es bedarf daher einer1, z-u^ -^ätzlichien; "Apfbrin^ ^ünjdL" ^''Jrdfe<:eni. r^weckt^soli '-im R^^^^ft<^Mi^^e^^t^K- R'ö^ch-Hä- SzoId-S.Le'dluing-.aufzubjzingen. ....... ■■ - -■■ ^"•■•''."•■y'-,'v:',<^'-';': ■ '- ■■>••;-■;..:'--•>•.■ r- .••^*^^5^ÖS!«ö;->;'A. Man darf hoffen, daß das deutsche Judentum diesem Ruf sein Ohr nicht.verschließen wird. Nicht um,. Worte geht es hier., sondern um Taten. Keine"papierene Ehrung Könnte einef^Miß Szold würdig sein, sie will konkrete Arbeit.- Nicht für£. andere bauen wir hier, sondern für uns selbst/ für alle, ohhe:'imferschied der Richtung und Partei, für die Zukunft unserer- Kinder und das Leben des gesamten jüdischen Volkes.

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