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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-09-15 · 18 (15.9.1935) · p. Seite 383

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
18 (15.9.1935)
Date
1935-09-15
Page
Seite 383 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 18 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 383 Rela (Aurelia) Hönigsmann (1865—1934) Vom 2 6. September bis 15. Oktober ist in der Kunsthandlung Gebrüder Jordan &. Co., München, Brienner Straße 14, die Ausstellung der Bilder der 1934 verstorbenen Münchener Künstlerin Aurelie Hön'igsmann bei freiem Eintritt zu sehen. Wir empfehlen den Münchener.Gemeindemitglie de rn den Besuch aufs angelegentlichste. Am 13. Oktober des verflossenen Jahres starb zu München, wo sie nahezu fünfzig Jahre gelebt und das sie sehr geliebt hatte, eine hochbegabte Tochter Österreichs, die Malerin Rela Hönigsmann. Starb, wie sie immer gewünscht hatte zu sterben: ohne lange Krankheit, noch an ihrem allerletzten Tag bis in die Abenddämmerung hinein an der Staffelei arbetitend („es gibt doch nichts Schöneres, als ungestört arbeiten können. Die einzige Befriedigung!", steht in ihren hinterlassenen Aufzeichnungen), tun dann, als es Nacht geworden, bewußtlos hinzusinken. Fast siebzig ist sie geworden, und wäre es ihr ibeschieden gewesen, das .letzte Jahrzehnt zu vollenden, so wären ihr zum Siebziger gewiß nicht die üblichen Worte von Rüstigkeit und Frische erspart geblieben. Und all diese Beteuerungen hätten gestimmt und auch wieder nicht gestimmt, denn die Hönigsmann trug als Frau gar kein Verlangen nach ewiger Jugend -und Jugendlichkeit, viielmehr wünschte sie sich, „eine behagliche alte Dame" zu sein oder zu werden. Sie verbreitete ja auoh um sich eine Atmosphäre echt österreichischer Behaglichkeit, übersprüht von einem hübschen Humor und einem Temperament, dem weder Jahre noch Sorgen etwas anhaben honnten. Sobald es aber um Kunst ging, nicht etwa nur um die bildende, sondern um irgend eine, dann war sie wirklich blutjung, voll Hingebung und Schwung, konnte aber auch verteufelt „unbehaglich" werden, wenn Dilettantösmus oder Überheblichkeit sich breit machen wollte. Rela Hönigsmann war das Kind eines hochgeschätzten Lemberger Advokaten, hatte in ihrer Österreichisoben Heimat den ersten Kunstunterricht erhalten, war dann nach München gekommen, um Schülerin von Zimmermann und! Marr zu werden, und hatte sich schnell zu einer ausgesprochenen, künstlerischen Persönlichkeit entwickelt, die von Lebensstärke und Lebensfreude überquoll. Weil sie so fest im Leben stand und es mit beliden Armen ans Herz drückte, sind all ihre Bilder, Skizzen und Zeichnungen und was sie am Kleinkunst schuf, nicht nur Bilder, Abbilder oder hübsche Einfälle geworden, nein, jegliches von ihnen birgt ein Stückchen Leben, i s t ein Stückchen Leben, gleichviel ob es einen Fliederstrauß darstellt, dessen Duft man zu spüren meint, oder nebelumflorten Hafen Husum's. ob es ein kokettes Ex-libris ist, ob ein entzückendes Saloninterieur oder die putzige Küche der eigenen Atelierwohnung. Am inbrünstigsten frettlich war sie der Landschaft ergeben, war es aus einer wahrhaft inneren Berufung heraus, für die am besten ihre eigenen Aufzeichnungen sprechen. „Eine jede Gegend in einer andren Jahreszeit, andrer Stimmung, andrer Färbung, ist ein neues Problem, dem man mit voller Kraft entgegentreten muß. Mit ein paar Skizzen ist es nicht getan, — man müßte Zeit haben, um sich in das Neue einzuleben. Der Wunsch und die Neigung, das ganze Jahr auf dem Lande zu leben, werden in mir immtr von neuem laut. Als Landschafter könnte man da erst das eigentliche geben." Und an andrer Stelle: „Ich denke noch nicht an rasten und ruhen, und am wenigsten möchte ich meinen Studienreisen entsagen. Wenn das Frühjahr noch in weiter Sicht ist, beginnt in mir Unrast und Sehnsucht nach der. Ferne, und es drängt mich, ein Zugvogel zu sein. So lange ich meine Glieder noch regen kann und mein Geist nicht erlahmt, will ich 'die freie Natur als mein ureigenstes Dominium betrachten und ihr meinen Tribut zollen." Und dann die allerletzte Eintragung aus schwerster, von Sorgen bedrückter Zeit: „Nun sind die Schwingen seit Jahren gelähmt, nicht durch physische Kraftlosigkeit oder Unvermögen das Schöne zu sehen und wiederzugeben, sondern durch widrige äußere Verhältnisse aus den Nachkriegsjahren. Schon seit Jahren habe H I GS Hl PI @ Kl Ordnen bes Voltes TDon JTtcmfccb Sturmamt 2Ulen <S>ief$ba$en ber <Zvbt gleich, Xannen bie Ivanen ber t>atcr. Sie floffen jurM in bie *5anbe bes *5erm* %m biefem Cranenfhrom, vtity XOit bie &egen aller 3a£r|>unberte, 23lityte empor bie 25efefifen^eit, iDa zu fein. XOiv aber |>aben bitXtanen ber t>ater VToc^mate 3» weinen, lafjt uns bwrcf>waten 2)en ewigen Cranenfhrom! VTiemanb Bann ftc|> ber ©eifjel entwinben. VTwr wem bas XOeitttn ber t>ater 5Die 35ru# geöffnet, ber ifi begnabet, üDie eigenen Cr&nen 3« miföen 3n bie (tränen bes Polres. ich nicht mehr neue Eindrücke sammeln, ungestört im Freien arbeiten können. Man zehrt von den einst empfangenen und merkt, daß ein Stillstand eingetreten ist dort, wo man das Gefühl hat, noch Vieles leisten zu können, noch vieles Gute zu, schaffen. Und dabei werde iah älter und älter, und mit jedem Jahr mindert sich die Möglichkeit, daß es noch einmal anders werden könnte." Dann, wie einverzweifelter Aufschrei: „Nur einmal noch die Möglichkeit haben, Monate oder auch nur Wochen hindurch auf dem Lande arbeiten zu können!" Es versteht sich von selbst, daß ein! Mensch von so hohem künstlerischem Verantwortungsgefühl, wie es der Hönigsmann zu eigen war, niemals zum Kitsch heruntersinken kann. So hat sie denn auch in härtesten Zeiten keine schmalzigen Alltäglichkeiten auf den Markt gebracht, denn wenn sie auch nach Lebensauffassung und -führung durchaus bürgerlich war, so galt Geld ihr doch blutwenig, sobald es um Kunst, um i h r.e Kunst -gfmg. Daher war sie auch nicht so „geschäftstüchtig", wie sie zu sein vorgab (man spricht ja stets mit Vorliebe von jenen Eigenschaften, 'die man nicht hat!), denn nachdem sie in der Zeit der „Sachwerte" auf einer Studienfahrt sechs Bilder verkauft hatte, vermerkt slie: „Ich kann mich nicht so recht von Herzen darüber freuen. Ich bringe meine Bilder gerne heim, und mache mich dort mit ihnen vertraut. So kommt es mir vor, als ob man einer Mutter ihre neugeborenen Kinder entrisse." Rela Hönigsmann war nicht nur eline künstlerisch hochbegabte, sondern auch eine sehr gescheite, sehr belesene Frau von vielfältigen Interessen, und gehörte nicht zu jenen Schaffendein, die nur von säioh und ihrem Werk reden können. Sie hat kaum je von sich gesprochen, und am allerwenigsten von ihren Zeichnungen, die man ohne Übertreibung Kabinettstücke dieser strengen Kunstart nennenkann. Sie war eine ganz hervorragende und eine leidenschaftliche Zeichmerin, zeichnete, je älter sie wurde, um so mehr und. lieber, schickte wohl da und dort ein paar Blätter zu Ausstellungen, zeigte sie aber sonst nicht her, sondern genoß sie am liebsten für sich allein, wie ein Geizhals, der sich in der Einsamkeit an seinen

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