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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-08-15 · 16 (15.8.1935) · p. Seite 346

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
16 (15.8.1935)
Date
1935-08-15
Page
Seite 346 (sequence 2)
Language
German
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346 Bayerische israelitische Gemeindezeitung Kr. 16 aus Wien, A. A. Harkavy, M. L. Lilienblum, David Kaufmann u. a. Außerdem befinden sich in dem Nachlaß eine Reihe von Briefen aus dem Warschauer Zentralarchiv der Chowewe Zion. Die vor einem Jahre in Frankfurt a. M. begründete „Gesellschaft -der Freunde der Hebräischen Universität", an deren Spitze Stadtrat a. D. Dr. Max Michel steht, sandte fünf Bücherkisten nach Jerusalem, die fast ausschließlich in Deutschland gekaufte Desiderata der Bibliothek enthalten, darunter die Berichte der „Expedition der Universität Pennsylvania nach Babylon" in zwanzig Bänden, den „Schriftenkatalog der Judaica im Britischen Museum" u. a. Auf die Bitte der Jüdischen National- und Universitäts-Bibliothek Jerusalem hat Sir Robert Mond in London, im Zusammenhang mit der Einführung ägyptologischer Studien an der Universität, eine Reihe wichtiger ägyptologischer Werke für die Bibliothek erworben. Lady Shuster in London hat ihre früheren Geschenke an die Jüdische National- und Universitäts- Bibliothek Jerusalem dadurch abgerundet, daß sie, durch Vermittlung des Zionistischen Centraibüros, den Jahrgang 1934 von einer Reihe wichtiger wissenschaftlicher Periodica und von Berichten wissenschaftlicher Gesellschaften nach Jerusalem gesandt hat. Commander A. Locker-Lempson, Mitglied des Unterhauses, hat der Universitäts-Bibliothek eine. Reihe wichtiger historischer Werke zum Geschenk gemacht, darunter die Gesamtausgabe der Briefe Napoleons in 32 Bänden. Außerdem sandte er eine Reihe von Werken der klassischen Belletristik. Professor G. P. Gooch, Mitglied der Britischen Akademie und der englischen Goethe-Gesellschaft, sandte der Jerusalemer Bibliothek sämtliche von ihm verfaßten oder edierten Schriften .darunter die englischen Vorkriegsakten, sowie eine Reihe wichtiger Werke zur neuesten Geschichte. Die Landesaufnahme der ägyptischen Regierung sandte 'der Jerusalemer Bibliothek wichtige von ihr herausgegebene Atlanten und Bücher. Der Vorsitzende der New Yorker Musikwissenschaftlichen Gesellschaft, Herr Leser Zaminsky, hat durch seine Bemühungen eine Reihe wertvoller Spenden für die Musikabteilung der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek sammeln und nach Jerusalem senden können. Die Jüdische Gemeinde Budapest sandte der Bibliothek Jerusalem 65 Bände klassischer und moderner Belletristik in ungarischer Sprache. In London hat sich ein Ausschuß gebildet, um Bücher über englische Geschichte und schöne Literatur zu sammeln und unter die palästinensischen Bibliotheken zu verteilen. Der Ausschuß wandte sich mit einem Aufruf an das englische Volk und erhielt bereits Hunderte von Büchern. Diese wurden an die Jüdische National- und Universitäts-Bibliothek Jerusalem gesandt, die einen Teil /für sich selbst wählen und den Rest unter die anderen Bibliotheken des Landes verteilen wird. Die literarische Tätigkeit der Dozenten der Universität Jerusalem hat eine Reihe wertvoller Veröffentlichungen gezeitigt. Dr. Hugo Bergmann, Dozent für neuere Philosophie an der 'Hebräischen Universität Jerusalem, hat ein hebräisches Werk unter dem Titel „Denker der Zeit" veröffentlicht. Das Buch enthält Forschungsergebnisse und Darstellungen im Zusammenhang mit den Lehren Einsteins, Heideggers. Franz Rosenzweigs, Bergsons u: a. Dr. A. G u 1 a c k, Dozent für talmudisches Recht an der Universität Jerusalem, veröffentlichte ein im Verlage Rufbin Maas Jerusalem in deutscher Sprache erschienenes Werk über „Das Urkundenwesen im Talmud im Lichte der griechisch-ägyptischen Papyri und des griechischen und römischen Rechts". Dr. A. Tscherikower, Dozent für alte -Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem, hat es übernommen, eine Reihe geschichtlicher Lehrbücher für die Bedürfnisse der höheren hebräischen Schulen zu verfassen. Bisher liegen die beiden ersten Bände vor, die den „Alten Orient" und „Griechenland" behandeln. Professor Dr. Josef Klausner, Inhaber des Lehrstuhls für neue hebräische Literatur an der Hebräischen Universität Jerusalem, konnte jetzt sein in zahlreiche fremde Sprachen übersetztes Buch „Abriß der neuhebräischen Literatur" in zweiter, verbesserter und erweiterter Auflage erscheinen lassen. Gleichzeitig hat Professor Klausner eine „Kurze Grammatik des Neuhebräischen" herausgegeben. Professor Dr. 'S a mp. el IK1 ein, Inhaber des Lehr-^. Stuhls für Pklästinäkunde an der THeitfräischen Universität Jerusalem,, vollendete ein Buch über „Die Geschichte des jüdischen Jischuw in Erez Jisrael seit dem Abschluß des Talmud bis zum Beginn der modernen Kolonisationsbewegung", dessen Erscheinen bevorsteht. Zu Ehren des 70. Geburtstages von Dr. h. c. David Y e 11 i n, Dozenten für hebräische Poesie des Mittelalters an der Universität Jerusalem, ist ein reichhaltiger und . wertvoller wissenschaftlich-literarischer Sammelband unter dem Titel „Mincha ledavid" (Gabe an David) erschienen. „T a r bi z", die geisteswissenschaftliche Vierteilahrsschrift der Universität Jerusalem, hat soeben das vierte Heft ihres sechsten Jahrganges herausgegeben. Das Heft enthält auf beinahe, acht Bogen Beiträge von M. H. Segall (Uber den Refrain in der biblischen Poesie), G. Alen (Studien zur Halacha bei Philon), J. N. Epstein (Oxforder Fragmente von Sheilthoth), S. D. Goitein, W. J. Fischel, M. Schwabe, H. L. Ginsberg u. a. Zum Schluß sei hier von einem interessanten Walfischfund in Palästina berichtet, der im Zusammenhang mit den wissenschaftlichen Arbeiten der Jerusalemer Universität steht. Am 20. Juni 1935 wurde 12 km von Herzliah entfernt ein großer Walfisch an den Strand gespült. Etwas Derartiges hat sich in den letzten Jahrhunderten nicht ereignet, denn in keiner der zahlreichen Reisebeschreibungen Palästinas, die in den letzten Jahrhunderten gedruckt wurden, findet sich irgend eine Erwähnung —sei es von Augenzeugen, sei es auch nur auf Grund Hörensagens — die darauf schließen läßt, daß eines dieser riesigen Säugetiere, die im Norden des Atlantischen und des Stillen Ozeans zuhause sind, in der Nähe Palästinas aufgetaucht wäre. Ein solcher Anblick hätte sicher aller Bewohner des Meeres in Erstaunen gesetzt, sowohl durch seine ungeheure Körpergröße — die Länge eines ausgewachsenen männlichen Walfisches beträgt 24 m, sein Umfang 9 m—, wie durch seine sonderbare Art zu atmen. Auch in Europa nähert er sich nie dem Ufer. Die englische Chronik berichtet es als ein großes Wunder, daß im Jahre 1769 das Meer einen großen Walfisch an das Ufer des Firth of Förth spülte; dessen Länge 16.20 m betrug. Der jetzige Fund also ist der erstaunlichste und wichtigste in der Tierwelt Palästinas, und die Hebräische Universität kann sich glücklich schätzen, daß es ihr gelang, das Skelett dieses Riesen (das hier gefundene Exemplar hat nur ein Drittel der normalen Größe erreicht — seine Länge betrug etwa 7 m) ihrem zoologischen Museum einzuverleiben und es dort für kommende Geschlechter aufzubewahren. Das zoologische Museum steht unter der Leitung des Herrn Josef Aharoni, des Dozenten für Zoologie an der Universität Jerusalem, der einen wissenschaftlichen Bericht über seinen Befund verfaßt hat. Wir entnehmen diesem Bericht die folgenden Sätze, die die Auffindung des Walfisches am Meeresstrande beschreiben: „Am. Tage, nachdem mich mein Kollege Dr. Wittenberg (Dozent für Parasitologie an der Universität Jerusalem) von dem Auffinden des Walfisches verständigt hatte, fuhr ich mit meinen Angehörigen an den bezeichneten Ort, der schwierig zu erreicehn war; wir mußten eine ziemlich große Strecke zu Fuß durch Sand gehen und dann einen steilen, sich mehrere Kilometer hinziehenden Abhang dicht am Ufer hinabklettern. Der Gestank des Aases, das das Meer bereits vor sechs Tagen ausgespien hatte und das von der Sonne gehörig geröstet war, kündigte uns die Fundstelle schon in einer Entfernung von etwa 1 km an. Lebendige Wegweiser waren uns die Raben, Geier, Aasgeier und Adler, die den toten Riesen flügelschlagend umkreisten. Der Anblick des aufgeschwollenen Aases wirkte schreckenerregend. Nur mit Mühe gelang es mir, die zur Hilfeleistung herangezogenen Arbeiter dazu zu überreden, an die ekelerregende und gefährliche Arbeit zu gehen und Hand anzulegen. Hätte ich das Tier mit antiseptischen Mitteln reinigen wollen, so würde ich auf und in den riesigen Körper ganze Fässer Flüssigkeit haben gießen müssen, was sich als undurchführbar erwies, sowohl aus Raumgründen, als auch deshalb, weil der Körper vor unseren Augen immer mehr in Verwesung überging, sodaß uns jede Minute kostbarer als Gold war; außerdem steigerte sich der Aasgestank so, daß es kaum mehr möglich war, es in der Nähe des Tieres auszuhalten. ....:.. Trotz dieser furchtbaren Bedingungen gingen die sechs Ar- 'beiter mit ungewöhnlichem Mute an die Arbeit des Entfleischens und ich und meine Tochter an die wissenschaftliche Bestandsaufnahme."

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