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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-08-01 · 15 (1.8.1935) · p. Seite 326

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
15 (1.8.1935)
Date
1935-08-01
Page
Seite 326 (sequence 2)
Language
German
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326 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 15 daher nichts als die aus religiöser Erlebniswurzel gewagte letzte Durchdenkung des biblischen Wortes. Die jüdische Mystik ist die kontemplativ 'durchleuchtete Bibel. Sie ist daher sicher -uralt. Der heute noch nicht erledigte Streit um die „Echtheit des Sohar",' -der auch in zahlreichen rabbinischen Kontroversen (man denke an die Streitschrift 'des R. Jaakow Emden und die Gegenschrift des R. Mosche Kunitz u. a.) geführt wurde, darf den Blick nicht davon ablenken, daß der Kern des Sohar ohne Zweifel so alt ist wie das Bedürfnis nach einer mystisch-spekulativen Durchdenkung 'der Bibel. Dieser seit ie das biblische Wort umhüllende Ring ist nächst der Bibel selbst -die zweite autoritäre Instanz, -die kabbalistische Ürtradition, die -das stabile Element in der Entwicklung der jüdischen Mystik -darstellt So 'ist es zum Beispiel evident daß die Triadenlehre des Sohar bereits in dem frühesten Dokument der jüdischen Mystik, im Sefer Jezira, vorgebildet ist. Immer hat die jüdische Mystik — das können wir als ihr formales Grundgesetz bezeichnen — sich im Anschluß an die Ürtradition und im Schoß der Uberlieferung bleibend weiterentwickelt. Dieses Grundgesetz hat 'das organische Wachstum des Judentums ermöglicht Die so bewahrte Konformität 'der jüdischen Mystik mit der Bibel hatte sich gegenüber zwei Gefahren zu behaupten: gegenüber dem iMythos und gegenüber der Magie. Immer hat der Mystiker darum gewußt, 'daß sein Weg von Gefahren umlagert ist. Die talmudische Tradition bereits spricht sowohl von den subjektiv^psychischen Störungen, die die Kontemplation im Gefolge haben kann, wie von den objektiv-geistigen Verirrungsmöglichkeiten. Die letzteren 'bezeichneten wir als die beiden Gefahren des Sichverlierens im Mythos und des Erstarrens in der Magie. Hier soll kurz gezeigt werden, wie die jüdische .Mystik dieser Gefahren immer wieder dadurch Herr zu werden suchte, daß sie sich an der biblischen Urposition der Mythos- und Magiefeindlichjkeit orientierte. Die Sohöpfungslehre der Bibel bedeutet den schärfsten Protest gegen jede Art von mythischer Welterklärung. Während der Mythos die relativen Momente und Kräfte des Weltprozesses, vor allem die biologischen Mächte, verabsolutiert, läßt die Bibel in grandioser Einfachheit die Welt durch des einig-einzigen G'ttes geisthaftes Wort aus dem Nichts erschaffen werden. Die Vergütung der Naturkräfte, die Biologisierung G'ttes ist damit abgewehrt. G'tt bleibt in der Transzendenz, aus der heraus sein schöpferisches Wort die Welt ins Dasein ruft. — Der knappe Bericht der Bibel, unübertrefflich in seiner Prägnanz, fordert aber die. mystische Spekulation zum Weitefdenken auf. Ihre tiefste Schicht erreicht solche Spekulation in der Frage nach der Abgeschlossenheit oder Fortdauer der Schöpfung. In welcher dynamischen Beziehung stehen G'tt und Welt nach vollzogener Schöpfung? Hat G'tt sich etwa, wie Aristoteles und unter den Juden Gersonides es in der Tat lehrten, von der Welt zurückgezogen? Gewiß lehrt die Bibel den Sabbat als den großen Feiertag der Schöpfungsvollendung. Aber spricht nicht das Judentum auch davon, daß G'tt „jeden Tag das Werk der Schöpfung erneuere"? Ja, drängt nicht die. Vorstellung von der Lebendigkeit G'ttes, die für den Mystiker so entscheidend ist zur Annahme einer gewissen Bewegung, wenn nicht gar eines Werdens in G'tt? Welcher Art muß daher der Prozeß des physischen und geistigen Weltgeschehens sein? Alle diese Fragen überläßt die Bibel der mystischen Spekulation. Um sie zu lösen, war die jüdische Mystik mehr als einmal versucht, mythologische Konzeptionen, etwa die der Gnosis, heranzuziehen. Der Mythos des „Urstoffes" bot sich an. Es drohte die Verg'ttung der Materie. G'ttes Wort, so mochte man glauben, hat die Welt nicht geschaffen, sondern nur geformt. Die jüdische Mystik ist über solche Gefahren hinausgewachsen. Die Lehre von den zehn Potenzen der Weltwirklichkeit, wie sie sich vor allem in vollendeter Gestalt im Bilde des Sefirot-Baumes symbolisiert, bedeutet die endgültige Spiritualisierung der Welt. Gegenüber dem Mythos ist damit nicht nur G'tt vergeistigt, sondern ebenso auch die Welt, deren Urgrund G'tt ist Es taucht aber gerade im System eines solchen „metaphysischen Idealismus", dessen Triadenlehre eine merkwürdige Analogie zum Hegeischen Dreitakt darstellt, die um so größere Gefahr des Mythos auf. Besteht noch eine echte Distanz zwischen G'tt und Welt? Auch hier hat sich die Problemsituation der jüdischen Mystik immer wieder an der I Kiafyamtt, nad)ötmt amt ttöfiet, tröffet mein Volt £>er auf ben XCrauertag bes 9.2lw, an tvelcbem bte äerflorung 3etufalcms unb bes Tempels bcflagttotrb, folgenbe Sabbat fübrt ben Vfatnen „Scbabbatb Vtaäyämu", nad) bem erflen TDort bte 40. '3tfai\a*%apittlt, bas an btefem tCaß als jyaftava gclefcn wirb. £>as %apittl gebort ju btn gan$ großen, Umjergängltd)cn ScbäQcn btv Weltliteratur; t»tr geben im £fad)fl*l>enben bte erflen JJ TOecfe in btt 2Suber'fd)ett Überfettung tvteber. <Cr6flet troflet mein Volt, fprttbt euer ©Ott, ju Beesen vtbtt 3erufalem unb rufet ibr 3U, baß »ollenbet ift ibr StbartDerf?, baß abgegnabet tfl tbre @d>ulb, baß geboppelt von SEINER 4>anb fte empfängt für all tbre Sünbenbußen. Stimme eines Rufers: 3n ber Xüüfle bajmt SEINEN tDeg, ebnet in ber Steppe eine Straße für unferen ©Ott! alles Xal foll ftd) beben, aller 25erg unb ^ugel foll ftd) niebern, bas ^>6cfrtge werbe jur JEbne unb bit ©rabe jum ©efenf"! Offenbaren totU ftd) SEINE £rfä)einung, alles letfd) »ereint unrbs feben. 3a, gerebet bats SEIN fcttunb. Stimmt eines Spred)erst Äufe: lEs fprtcbt jurüdf: tOas foll t'a) rufen! alles jjletfd) ift ©ras, all feine i>oIbbeit tote eine ^elbblume! Derborrt tfl bas ©ras, vtvvotlH tfl bte 25Iume, ba SEIN 23raus fte angehebt bat: - ©eunfj, ©ras ifl bas Volt, »erborrt tfl bas ©ras, »erioelf t tfl bte 23lume, aber für tDeltjett beftebt bte Hebt unferes ©ottes. 2luf einen ragenben 23erg fleig btr als ©lüdsmdrbrtngertn, 3ton, fd)u)tng bod) mit %vaft betne Stimme als ©lutfsmärbringerin, 3*wfalem, febunng fte bod>, fura)te bid) nimmer, fprtd) ju ben Stäbten Otfyubasl 5Da, euer ©Ott! ba, mein £err, ER, er rommt als ber Starre fein 2lrm bat für tyn gewaltet, ba, bei ibm tfl fein Solb, t?or tbm ber fein Werflobn: mit ein ^trt toeibet er feine <£>erbe, Hammer b<Ht er in feinem 2lrm, trägt fte an feinem 23ufen, bte WXutterfa)afc leitet er fad)t. I

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