Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 13 (1.7.1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- Seite 291 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2727810-2728025-2728038--10146-2743463- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 13 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 2dl Ordnungen. Ein herrlicher Almemor in der Mitte trägt die Worte der Thora zum Ewügen.— Und wenn der letzte Jude einmal von hier weggezogen sean wird, dann wird diese Synagoge noch von denen kündera, die hier gelebt und dieses Heiligtum gestaltet haben. Im Fränkischen Luitpoldmuseum im Würzburg steht wieder m ihrer ganzen Ursprünglichkeit errichtet die Synagoge von Kirchheim. —■ Wie bescheiden war dies Gotteshaus 'in seiner Größe: 5^ m lang und ebenso breit, 3^ m hoch; durch eine Bretterwand, m die Holzgdtter angebracht sind, ist die Fraüensynagoge abgeteilt. El'ieser Sussmann hat diese Synagoge, wie so manche andere des 18. Jahrhunderts,, mit Inschriften und Bildern verziert, seine gaiiDze -Liebe zu seinem Glaubenhmeangetan. Er, der aus dem Osten nach Deutschland gewanderte Jude, hat Werke geschaffen, die zu den eigenartigsten Köstlichkeiten der Baukunst gehören. Berufene haben viel über sein Werk zu Schreibern gewußt Aus der Enge dieses "Raumes, wie er ausreichte, für eine kleine Gemeinderriefen Juden zum Herrn. An der Tür steht die Bank des Propheten Elias, auf der man den Judenknaben in die Gemeinschaft des Glaubens aufnahm. — Die quadratischen Zeichen der unzähligen hebräischen Worte werden zum Symbol einer Verbundenheit. — Hinter uns schließt sich eine kleine Tf- und Jahrhunderte versinken! - Mahnmal für die Gefallenen des Weltkrieges. Sechs riesige Feldgraue im Stahlhelm, aus uraltem Granit gehauen, tragen einen siebenten zu Grabe. Um dieses stumme Mal, erschütternd in seiner Schlichtheit, die Namen der Gefallenen, mancher jüdische unter ihnen. Und noch einmal ziehen Jahrhunderte vorbei, als wir am Sabbath in der Synagoge stehen, die den Würzburger Juden heute als Stätte des Betens dient. Es ist Schabbat rosch-chodesch. Freudige Melodien-steigen empor. Frisch antwortet ein Chor dem Vorbeter. Jugend ringt um neues jüdisches Sein. — Über die Gegenwart hinweg reichen sich Vergangenheit und Zukunft die Hände. Dr.W. C. Den Ferien entgegen Die folgenden Ausführungen sind einem längeren Aufsatz von Herrn Geheimrat Dr. Eugen Doernberger, dessen segensreiches"Wirken in München unvergessen bleibt, entnommen; wegen Platzmangel können wir nur einen Auszug veröffentlichen. Über die Einrichtung der „Ferienkolonien" und ihre besonderen Aufgaben in der jüdischen Wohlfahrtspflege ist kein Wort mehr zu verlieren. Wer in iden fünf Jahrzehnten des Bestehens des Münchener „Vereins für Ferienkolonien und Kinderbekleidung" (gegründet März 1885) das Werken und den Segen dieser Einrichtung beobachten konnte, weiß, in welch schmerzlich hohem Maße oft dem dringendsten Bedürfnis und den heißesten Wünschen der Mangel an Mitteln entgegenstand. Der gesundheitliche Nutzen der Entsendung in die Ferienkolonien für die heranwachsenden Kinder, aber auch für dringend erholungsbedürftige Mütter kann nach ärztlichem Fachurteil nicht hoch genug angeschlagen werden. -■ Wenn der israelitische Frauenverein, mit schwindenden Mitteln in den letzten Jahren, leider nur in sehr geringer Zahl schwächliche, erholungsbedürftige Frauen einige Wochen aufs Land schickte, so war das für manche Frau nicht nur körperliche, sondern auch seelische Erholung. Neu gestärkt konnte sie wieder zu ihren Pflichten als Hausfrau. Gattin, Mutter, oft noch Geschäftsfrau zurückkehren.' Wie sehr bedürften Mütter und Ehefrauen zeitweiliger 'Ferien, der Entfernung aus der gewohnten, heute mehr als je sorgenbeschwerten Umwelt (Ehepause). Ebenso der angestrengte Familienvater. Freilich sind die „Ferien vom Ich", wie sie. Keller in "seinem Roman schildert, in Wirklichkeit nur schwer zu ermöglichen. Unser Leben ist sorgen-, kummervoller geworden. Die Zahl der Nervösen ist, besonders auch unter den Kindern "von klein auf, in den verflossenen Jahren bei uns sicher gewachsen und sehr zu beachten. Das betont Prof. Benjamin in seinen Schriften und Vorträgen mit vollem Recht. Früher wurden nicht wie HERREN.AN ZÜGE §Zuverlässig, elegant und reißverschlossen! In 28 Größen, euch für besonders schlanke und korpulente Herren 68.- 78.- 98.- 120.- BAM B ERGER&HE RTZ die zuverlässigen Kleiderfachleure heute schon an die Jugendlichen — es gilt das nicht nur von Juden — solche hohe Anforderungen an geistige Überlegung und Verantwortung gestellt. Nicht wie heute hörte das jüdische Kind von den seelischen Qualen und geldlichen Sorgen der Eltern und wurde bedrückt durch der Zeiten Schwere, las früher nicht die bange Frage nach der Zukunft, vor allem seiner Zukunft in den Mienen von Vater und Mutter. So verlangt nicht nur körperliche Schwäche und etwa Rekonvaleszenz von Krankheit, daß das Kind wenigstens einmal im Jahre wegkomme aus dem Stadtgetümmel, sondern auch die allgemeine, seelische Not, daß es wenigstens kurze Zeit aus seiner Umwelt losgelöst werde und in „freiem Lauf" Körper und Geist unbeirrt und ungehemmt tummeln könne. Da der Mittelstand, nicht allein bei den Juden, seit langem sehr zu kämpfen hat, erging der Ruf nach Erholungsstätten für Kinder aus dieser Schicht. Wolfratshausen, Heime im Schwarzwald und an der See trugen dem berechtigten Verlangen Rechnung. Als der Mittelstand immer schlechter gestellt ward und die Förderungsgelder durch Spenden und Mitgliederbeiträge immer spärlicher flössen, sahen diese Heime wie däe meisten unserer wohltätigen Bestrebungen ihr Bestehen bedroht. Aus gleichen Gründen kann in diesem Jahr nur eine beschränkte, besonders ausgewählte Kinderschar in die so trefflich eingerichtete und betreute Ferienkolonie nach Krumbach. Wer einmal dort war, die sauberen Wohn-, Wasch- und Speiseräume sah, dem fröhlichen Spiel auf der Wiese und dem lebhaften Geplätscher im Flußbad zuguckte, wer den guten Appetit der schmausenden Kinder bewundern durfte, der erkannte auch ohne Messung und Wägung den Segen des Ferienaufenthalts. 'Wer noch spenden kann, verhüte, daß Ferien- und Erholungsstätten aus Geldmangel leer stehen oder für ihren Betrieb bangen müssen, ihre volksertüchtigende, sefaadenverhütende Aufgabe'nicht erfüllen können! Sei es auch wenig, was der Einzelne gibt: „Viele wenig machen ein Viel"! Wer Dank begehrt, findet ihn in glückseligen Kinderaugen. Cr ' Aus der Gemeinde München Erste Sitzung der neuen Gemeindevertretung in München Wahl des Gemeindevorstcmdes In der ersten Sitzung der neuen Gemeindevertretung der Israelitischen Kultusgemeinde München gab Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer bekannt, daß auf Grund der Wahlausschreibung nur ein Einheits-Vorschlag eingelaufen und daß die Gemeindevertretung darum rechtsgültig gewählt sei. Die Wahl des> Vorsitzenden der Gemeindevertretung ergab die Wiederwahl Von Rechtsanwalt Dr. Ludwig Regen&tei- *3sS.