Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 12 (15.6.1935)
- Date
- 1935-06-15
- Page
- Seite 263 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Minsk 1× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
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Nr. 12 ^Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 263 wurden erst zwei beliebige Gemeine als Cohen und Levi, dann 'der Leutnant, der Arzt, ein Russe, ein Rumäne, als Maitir ich; bei den Brochen, die ich. runterrappeln wollte, verhedderte ich mich etwas, was aber nichts schadete, dafür wurde mir, wie ich nachher hörte, schwer verübelt, daß ich die Haftara, da ich den Trop nicht genügend kann, mit vernünftigem Ausdruck, wie einen deutschen Text, las (nicht das Lesen, sondern die sinngemäße Phrasierung fanid man „eingebildet", so rasch 'haben; einen die Menschen heraus). 13.4.1917. ... Also Ueskiib. Ich war wohl gekommen bis da, wo der Tee hereinkam. Ich wollte nun dem Schulmeister auch etwas beibringen und bat ihn, mir die Stelle aufzuschlagen: Allahs ist der Osten, Allahs ist der Westen usw., er zeigte es mir gleich an zwei Stellen und darauf erzählte ich ihm. daß der „größte deutsche Dichter Goethe" dies so übersetzt hätte: Gottes ist der Orient, Gottes ist der Okzident, nord- und südliches Gelände ruhn im Frieden seiner Hände; sprach es ihm so klangvoll wie ich konnte vor unld übersetzte es ihm ins Arabische. Worauf er sehr höflich antwortete, daß Allah der Gott aller Völker sei, der Deutschen etc. Darauf verabredete ich, daß ich am nächsten Nachmittag um drei wiederkommen wollte und verabschiedete mich unter vielen Verbeugungen. Das Folgende habe ich schon erzählt. Samstag mittag ging ich mit einem Berliner ins Türkeniviertel. . . Wir gingen in die größte Moschee. Statt Bilder hängen in den 'Moscheen Tafeln mit Namen; an der Ostwand Allah und Muhammed, an den Seitenwänden die ältesten Kalifen, aber auch. Osman und andere_____ Abends ging ich wieder ins Ghetto, ich hatte gehört es gäbe hoch eine andere kleinere Synagoge, ich fragte auf der Straße ein paar Jungens nach der „piccola" Synagoge, was nicht verstanden wurde, worauf einer, ein zarter 'gut angezogener (Salontirolerjöppchen) mich französisch fragte, was ich wollte und mich dann selber hinbrachte. Er hieß Emanuel Noa, -zehnjährig, sprach außer französisch auch schon ziemlich viel deutsch, entpuppte sich als Neffe von Navarros, hatte noch sechs Brüder. Die kleine Synagoge wird von den aus Saloniki Eingewanderten besucht (auch Navarro gehört dazu), ist ein breites Rechteck, Bänke an den Wänden, die Frauenempwe im Süden. — Der Gottesdienst natürlich viel weniger offiziell als in der großen. Nachher zeigte ich dem kleinen Emanuel noch unsere Sedertafel, er hatte mir vorher die bulgarische gezeigt. Er gefiel mir sehr, so daß ich ihm sagte, er sollte mal am .nächsten Mittag rüber zu Navarros kommen. Beim Seder holte ich mir F... und wir setzten uns zu den Russen; es waren meist große starke Leute, aus Minsk, Odessa, einer aus Kamienez an der galizischen Grenze. Bei diesem könnte man viel eher darauf kommen, es wäre eine andere Rasse; ich fürchte auoh, das es wirklich so ist; die große Pogromepfoche seit 1881 muß ja Folgen gehabt haben. Sie sprachen alle natürlich deutsch, d. h. eben jüdisch, was nicht schwer zu verstehen ist, waren scharf und aufgeweckt. I *5err ber bunHen Abenteuer, XtXtine Seele fie|>t in Stvitvl 3£re bufteren flammen ferlagen *5<>3> um bemen tDolrenwagen; XOüift im nityt aus fanften Jamben bitten *5<xvufy ju i^nen fenben 2Us ber *Serr ber müben flaute, 3Der ein wenig 2Zul>lung brachte? ^orberft bu von beinern ^Kned>te 5Dir mit feinem 25lut unb =£eben Willenlos anheimgegeben, 25er bir ewig (Dpfer brachte, sDa£ er bir fein ^erjblut fc|>la$te? (Bib it>m biefes UTal (Bewahrung ^err ber Stillung unb 33ege£rung, Wirf ben ttlantel ber t>er?larung l'lber feine £reub Reiben, Selbft unenblid) über beiben, Unb er wirb nid>t mübe werben, SDic|> mit Stimme unb (Beberben 2Us ben (Büttgen unb tDetfen Über $eit unb Xaum ju preifenl W i I 1 I I I f 9 \4*£, MOSA ^55»> \ >5?V Neueste jüdische Lyrik 1. Ein neuer Gedichtband von Manfred Sturmann. Herkunft un'ld Gesinnung. (Verlag Erich Reiß, Berlin. Preis 1.80 RM.) Richard Benz sagt einmal in seinem herrlichen Buche „Geist und Reich" (Verlag Eugen Diederichs, Jena): „Esgibt das Deutsche im Geistigen wie im Physischen anscheinend nur von Fall zu Fall —• es ist nichts Vorhandenes; es ist in jedem Menschen und in jedem Werk ein immer aufs neue mühsam oft Errungenes: ein vielfach Gekreuztes und Zusammengesetztes, dessen schließliche eisiegte Prägung, Formung und Durchdringung auf eine schwer mitteilbare Art und1 doch dann als das Unsere, als . Angestammtes und Vorbestimmtes berührt." An idiese Worte fühlt man sich erinnert, wenn unser Blick auf den Untertitel von Manfred Sturmanns neuem Gedichthand „Herkunft und Gesinnung" fällt: Jüdische Gedichte. Richard Benz hat-sich zwar für die Sprache als Mittel der Offenbarung des Deutschen ausgesprochen, und die Macht des dichterischen Worts, seine rhythmische Zucht meistern die deutsche Sprache auf eine Weise, deren kein deutscher Dichter sich zu schämen hätte. Und doch fühlen wir uns in seiner Gedichtsammlung „Herkunft und Gesinnung" auf eine Art jüdisch angesprochen, wie Benz es von der „Bestimmung des Deutschen" behauptet. Dabei standen einige dieser Verse Sturmanns in früheren Gedichtbänden — eine Reihe biblischer Gestalten, der Zyklus „Schöpfung", das Gedicht „Die Siedler" (das nicht unbedingt auf Chaluzim in Erez Israel sich beziehen müßte) — ohne daß wir sie damals als „jüdische Gedichte" empfanden. Unsere Sehweise ist ein andere geworden: in dem Gedicht „Saul" schwingt auch die Trauer um das Erlebnis Deutschtum und Judentum mit, auoh — denn idie Analogie ist-nicht bis ins Letzte durchzuführen: „Mich schmerzt dein Bloöcl... Daß ich