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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-06-01 · 11 (1.6.1935) · p. Seite 246

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
11 (1.6.1935)
Date
1935-06-01
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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246 Bä^etiSchö-Israelitische Gemeindez'eitirag Nr. I i D A- $ das Zeichen für den :' ',.-'. V guten modernen Schuhl Deutsch-Amerikanische Schuhges.m.b .H - . , Neuhauserstraße 7 ündvß Filialen ins Kihderlahd urod ins, Lübecker Elternhaus, das; an seinem Platze steht dri der. Gegenwart und doch tief versunken ist ins Vergangene" - . \ '■..' '.; ' : Sätze, die kein Leser ohne innere Bewegtheit in sich aufnehmen kann. Lübeck — das ist der Ausgangspunkt des Verfassers ider „Buddenbrooks", Küsnacht — 'das ist ein Mal am Wege seines Schicksals. t.Das- Deutsch-Dichterische und das . Eurppäisch-Intellektualistische in seinem Schaffen zu scheiden, ist für Thomas Märin eine Aufgabe der Selbsterkenntnis. Er spricht sich selbst die Bezeichnung „deutscher Dichter" im üblichen Sinne ab und erblickt sein Verdienstdarin, den deutschen Roman europäisiert zu haben. .Er rühmt sich dieses Verdienstes nicht, denn er bezeichnet es als Auswirkung seines Blutes. Aber 'sein Bruder besitzt die gleiche Blutmischung (romanisclHkreolischen^ Einschlag von . der Mutter her), doch während bei diesen idie -geistige.: Eptecfreidung-_■ nach der Seite der Latinität fiel (immerhin, erkennt selbst ein Josef Nadler in ihm eine ^nie.nieder.sächsischer Groteske, die von Busch über Wedekind zu." 5hm führte), verwaltete Thomas Mann das Erbe so, daß eine zükünftiyol'le Synthese aus ihm erwuchs. Reuter 'und Storm sind seine landschaftlichen Verwandten und einem Flaubert verdankt er die Strenge der künstlerischen Zucht. .Deutsch ist die Gründlichkeit, mit der Thomas Mann die Probleme überdenkt, die ihn bedrängen. 'Künstlertum und Bürgertum ist eines von ihnen, dessen er durch dichterische Gestaltung Herr wurde. Es ist die Sehnsucht nach der Gemeinschaft, aus der Isolierung " der Artistik heraus, die ihn dies Thema immer aufs neue. abwandeln läßt. Es füllt im Wesentlichen die Werke' eines dritten Lebensjahrzehnts. Ins Vierte, fällt der Weltkrieg und der Gerichtstag über sich selbst, durch den die „Betrachtungen eines Unpolitischen" zu, einer aufwühlenden Dichtung werden: „Der .Krieg geht 'weiter; und auch dies'Buch, darin er sich im Kleinen abbildete, im Persönlichen wiederholte, könnte weitergehen mit ihm.,— und währt er dreißig Jahr!" „Der Zauberberg" ist das Werk des Fünfzigjährigen, in denen er sein in den Betrachtungen essayistisch dargestelltes Erlebnis der Kulturkrise noch. einmal, in dichterischer Form bannt, den dichterisch gewordenen deutschen Essay als Mittel der Romantechnik nutzend (die in seinem Schauspiel „Firenza" erneuerte Kamst des platonischen Dialoges, dieser Vorform des Dramas wie des Romans,' wendet er, im Grunde genommen, darin wieder an). Ein europäischer Roman, aber das Europäische deckt die deutsche Schicht nicht zu: der „Zauberberg"' ist Bildungs- und Erziehungsroman wie der „Wilhelm Meister" und der ^;Grüne Heinrich" und ein methaphysischer Horizont wölbt sich vor der ethischen Zielsetzung Hans Gastorps wie vor Pärsifal lind Simplicius. Die romantische „Sympathie mit dem Tode", die in Thomas Manns epischem Werk waltet, macht diesen Roman zu einem deutschen Totentanz des Mittelalters, und die Todeswollust eines Novalis, den Thomas Mann so gern zitiert, verdichtet sich in der Atmosphäre des „Zaaiberoergs". Wie Tannhäuser'im Venus-Berg, vergißt der junge Deutsche im „Zauberberg" die Zeit — vielleicht ist auch eine Tannhäuser-Konzeptiön, die am .-Endeder ^Tannhäuserr Varianten des vorigen Jahrhunderts stünde, in das,.vielschichtige Werk eingegangen, Thomas Mann selbst verweist uns darauf/ den Urformen von Dichtungen nachzuforschen, die sich hinter den Ablagerurigen des Zeitalters ihrer1' Enitstehungszeit 'verbergen.' So spürt er hinter dem ethischen Aufbruch des alten Tolstoi das animalische Element im Wesen dieses Mannes auf, ■ den Drang des Tieres, sich zum Sterben in einen " Schlüpfwinkel zu verkriechen, ' hinter den ^humanitären Ideen"," die der Lagerlöf „Schöpfungen mit Güte durchwärmen", deren ,',epische Urimstinkte" und hinter Wassermanns Fabuliergabe -dasJ orientalische Erbe; der . Märchenerzähler aus tausend :und einer Nacht. In „Don Quijote" entdeckt er," ohne die gelehrten Quellen zu ikennen, einte merkwürdige Verwandtschaft mit dem „Goldenen Esel" des Apulejus und spürt fast denlegitimen Weg auf, der die antiken Einflüsse vermittelte, lind wenn er in seinem herrlichen „Amphitryon" Essay die tiefste und feinsinnigste "Deutung gibt, die über Kleists' zum ' Mysterium vertieften Mirriüs vorhanden ist — und märi könnte sich vorstellen,, daß diese Erörterung Goethe von seinem Fehlurteil abgebracht hätte („Man hätte offener zu ihnr reden sollen. Aber mit . einem' »großen Marine' offen zu •'"'reden-;' ist wohl nicht deutsche Art") bekennt er eigenesdichterisches Wollen, wie es in seinem ,Joseph"-Romän zutage, tritt In seinem letzten Werk,. dessen ScMüßbänd noch aussteht, bewährt sich die Eigenschaft Thomas Männs,. daß er zugleich Erzähler und Deuter ist, kein Mythenzerstörer,' kein Tart pour Tart-Meister, sondern . Fortsetzer einer ■ deutschen Tradition, die mit der Luther-Zeit einsetzte, in Klopstocks „Tod Adams" ein .. klassisches Denkmal; f and und den Dichter . .zum Erfüller eines goethische.n Auftrags machte, der lautete:.;-„Höchst anmutig, ist diese. Erzählung (die Geschichte Josephs, in Ägypten),, nur, erscheint sie..zu,-kurz und man fühlt sich berufen, sie ins Einzelne auszumalen." ' -.;. . - Die Kunst Thomas Manns 'kommt nach seinen eigenen Worten von Schopenhauer, Wagner nnd Nietzsche1 her. Ihr sind zahlreiche wertvolle;Einzelanalysen zuteil geworden. In ' einer Literaturgeschichte aber,- die der Gesamterscheinuhg Thorrias Manns nicht ganz gerecht wird, findet sich' 'die ' richtige Bemerkung, daß sein " Stil eine Verfeinerung des-'Kanzleistils sei (aus dem die deutsche Schriftsprache hervorgegangen); und es seine Grenzen bezeichne, daß ihm die „Ufwörte"", die „letzte befreiende Kraft und Fülle der volkhaften :Weisheit" fehlen. Betrachtet" man diese Feststellung im Zusammenhang mit Thomas .Manns Bekenntnis zu Schopenhauer,;Wagnej- und Nietzsche, so" kommen-wir wieder zu der Grenzbestimmung des ■ Deutschen und des Europäischen in :Thomas Manns Schaffen, vielleicht derjGrenzsetzung, die durch..den romanischen Blutstrom ini ihm bedingt ist. : . >; Längst' nicht ausgeschöpft ist die Bedeutung von Thomas Manns essayistischem Werk, das nicht: nur'an, Umfang seinem, epischen gleichkömmt, sondern ihnf auch an' .Gedankentiefe und" Künstlertum ebenbürtig ist.' „Betrachtungen eines Unpolitischen" „Rede und Antwort", „Die' Forderung des Tages", „Bemühungen", „Leiden und Größe der Meister" — ihre Themen fügen sich zu einer europäischen Literatur-, Kultur-, Geistesgeschiehte und sind dabei Gestaltungen eigenen Erlebens, und Tiefenforschungen :der Seelen, nicht anders als der „Tod in Venedig", der „Tonio Kröger", der „Tristan" oder die „Königliche Hoheit" (die eine Deutsch^Ameri.kanerin mit indianischem. Geblüt heiratet!). Man kann den-Epiker: von dem Essayisten Thomas Mann nicht trennen; Wagnerische Leitmotive verwendet er als .künstlerische: Stilmittel- und entdeckt ihre Herkunft von Homer. Er spürt die Zusammenhänge von den Gestalten des „Pärsifal" mit den romantischen M. & J. AMBRUNN, Theatinerstraße 17 HERRENSCHNEIDEREI UND TUCHHANDLUNG i Reichhaltige Auswahl modernster Herrenstoffffe

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