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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1935-05-15 · 5 (15.5.1935) · p. Seite 14

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1935
Issue
5 (15.5.1935)
Date
1935-05-15
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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14 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern Nr. .5 Tägliche Ersparnisse durch täglichen Einkauf von Lebensmittel — Textilien — Haushaltartikel bei KLEINPREISE Nymphenburgerstr. 128 * Tel. 62471 * Lieferung frei Haus sten kindertümlichen Leistungen handeln, wobei eine sorgfältige Auswahl aus der reichen Musikliteratur den Charakter der Feier zu berücksichtigen hat. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß wir als jüdische Schule die Auswahl der darzubietenden Stoffe, die Zielsetzung, die Form der Darbietungen, stark beeindrucken lassen von der Eigenart des jüdischen Jugendlichen, von der schicksalsschweren Aufgabe des jüdischen Menschen, von seiner Bestimmung, Träger eines reinen Gottesglaubens zu sein. Jüdische Dichter alter und neuester Zeit, die Bibel, die Psalmen bieten wertvolle Stoffe, die gewünschten Wirkungen hervorzurufen. Anschließend an die bisherigen Ausführungen möge das Programm der diesjährigen Schulentlaßfeier an der Jüdischen Volksschule München angeführt sein. 1. Duette (für Klavier und Violine): a) Menuett, b) Einst spielt ich mit Szepter. 2. Gedicht: Der Sänger. 3. Chorgesang: a) Am frischen grünen Morgen, b) Lied der Treue. 4. Sprechchor: Der Ring des Polykrates. 5. Ansprachen. 6. Gedicht: Sabbatruhe. 7. Chorgesang: Psalm 121. 8. Duett für Klavier und Violine: Behüt dich Gott. Gut gelungene Schlußfeiern haben aber auch noch einen zwar unbeabsichtigten, doch nicht gering zu schätzenden Erfolg. Sie gewähren den Teilnehmern einen Einblick in das Schaffen der Schule, überzeugen sie von dem Schulungs¬ und Bildungsstand ihrer Schüler und knüpfen ein Band des Vertrauens und der Achtung zum Lehrer. Eine Schulfeier im geschmackvoll festlich geschmückten Räume ist ein Ehrentag der Schule. Zeigt mir Euer Feiern und ich erkenne Euere Arbeit. Ansprache des Schulleiters Oberlehrer Rosenfeld bei der Schulentlaßfeier der jüdischen Volksschule München am 4. April 1935 Sehr geehrte Damen und Herren! Meine lieben Schüler und Schülerinnen! So ist denn der Tag angebrochen, dem Ihr seit langem in gespannter Erwartung und voll froher Hoffnungen entgegengesehen habt. Ihr habt nun Eure Hauptschulpflicht erfüllt und bald werden sich die Pforten der Volksschule zum letzten Male hinter Euch schließen. Ein neuer, den ganzen Ernst erfordernder Lebensabschnitt nimmt jetzt seinen Anfang, die heitere Zeit der Kindheitsjahre ist vorbei. Ihr fühlt es ja selbst und Eure feierlichen Mienen zeigen es an, wie sehr Ihr von der Bedeutung dieses Tages durchdrungen seid. Ich verstehe das wohl, daß diese Abschlußfeier ein einmaliges Erleben bildet, daß der heutige Tag einen Markstein in Eurem Dasein bezeichnet. Eine eigene und in sich geschlossene Welt, die Welt der Schule, liegt hinter Euch, eine neue Welt tut sich Euch auf. Nicht minder bedeutungsvoll wie für Euch ist dieser Tag für unsere Schule, ist es doch zum ersten Male seit ihrem Bestehen, daß sie eine solche Feier begehen kann. Mit großer und herzlicher Freude begrüße ich daher Eure Eltern und Angehörigen, die unserer Einladung gefolgt sind, und mein ganz besonderer Gruß gilt den Herren Vorsitzenden unserer. Gemeinde wie dem Herrn Vertreter des Rabbinats, die uns die Ehre ihres Erscheinens gegeben haben. Wir erblicken in dieser zahlreichen Beteiligung einen Beweis dafür, daß die Schule und ihre Bildungsarbeit ein volles und allseitiges Verständnis findet und daß ein festes und inniges Band zwischen Elternhaus und Schule, wie zwischen Gemeinde und Schule besteht. Es ist daher ein nur zu begreiflicher Wunsch, daß wir gerne auch Eure weitere schulische und erziehliche Betreuung in der Fortbildungsschule übernommen hätten, die schwierigen Verhältnisse, nicht in letzter Linie die schwere, nachgerade untragbare Raumnot, unter der die Schule leidet, haben diesen Gedanken vorläufig nicht zur Reife kommen lassen. Doch wenden wir uns wieder dem Sinne dieser Stunde zu! Es ist ein glücklicher Zufall, daß unsere Feier mit dem Beginn des Friihlingsmonats zusammentrifft, des Monats, in dem wir alljährlich, das Fest der Freiheit begehen. Wenn ich Eure Gedanken und Gefühle richtig deute, so drängt sich Euch eine Empfindung ganz deutlich in den Vordergrund, daß Ihr nämlich denkt, auch für uns kommt jetzt die Zeit der goldenen Freiheit. Vorbei ist der Zwang der Schule, wir sind der Fesseln, die sie uns anlegte, ledig. Solche Gedanken sind durchaus verständlich. So wie die reife Frucht sich vom Baume trennt, so kennt auch das menschliche Leben seine bestimmten Entwicklungsstufen, in denen Altes beschlossen wird und etwas Neues sich anbahnt. Wenn Ihr so mit Recht die größere Freiheit begrüßt, die Euch jetzt geschenkt wird, so ist Euch andererseits gut genug bekannt, daß Freiheit nicht mit Zügel- und Schrankenloisigkeit verwechselt werden darf. Frei sein heißt nicht, daß jeder tun kann, was er will, denn Freiheit, so aufgefaßt, wäre in Wirklichkeit größte Unfreiheit, ihr scMießliches Ende das Chaos und der Untergang. „Du bist frei, wenn Du dich einordnest —■ wenn Du dich einbeziehst in eine Beziehung oder Ordnung, die Du anerkennst." Was hier ein deutscher Denker sagt, ist Euch aus anderem Zusammenhange längst geläufig. Ihr kennt ja alle den Satz aus dem 6. Kapitel der Sprüche der Väter, in dem es heißt: AI tikro chorus elo cherus. Nur der ist frei, der sich mit den Worten der Thora beschäftigt. Und ich brauche Euch nicht erst auszudeuten, was damit gesagt ist, nichts anderes nämlich, als daß wir uns in Geist und Tat der Thora unterzuordnen haben, daß hier der zentrale Punkt liegt, um den sich das ganze Leben bewegt. Wenn Ihr von diesem Geiste beseelt sein werdet, so wird es Euch auch nicht schwer fallen, Euch im Berufsleben, in das Ihr nun eintretet, einzuordnen. Ihr werdet bald merken, daß all das, was in der Schule immer und immer wieder verlangt wurde, auch in der Werkstätte, im Büro, im Hauswesen, oder wo immer auch Ihr Eure Lehrjahre verbringen werdet, an erster Stelle erwartet wird. Die Arbeit des Alltags braucht Pünktlichkeit, Genauigkeit, Sauberkeit, Ehrlichkeit, Aufmerksamkeit, Dienstwilligkeit und stete Dienstbereitschaft. Es werden Euch zuerst iganz einfache und leichte Aufgaben zugeteilt werden. Betrachtet sie nicht als Spiel. Denn nicht so sehr Eure Kenntnisse als vielmehr Euer Charakter soll erprobt werden. Ob Ihr im Kleinen treu zu sein fähig seid, das sollt Ihr erweisen. Dazu ein Zweites: Bleibt Euch selber treu! Ihr kommt nun mit Menschen aller Altersstufen und den verschiedensten Welt- und Lebensanschauungen zusammen. „Bleibt Euch selber treu!" Seid nicht zu vertrauensselig! Wohl sollt Ihr jedem offen und gerade entgegentreten, hütet Euch aber vor allzu rascher Freundschaft. Verliert Euch nicht im Strudel des Lebens, bewahrt die Treue zu Euch selbst! Und zum Dritten: Vergeßt und versäumt nicht über der Arbeit im Berufe 'Eure geistige und religiöse-Weiterbildung. Gelegenheit hiezu ist Euch in den gemeindlichen Institutionen, in den Jugendbünden und in einer Reihe von Vereinigungen in reichem Maße geboten. Auf solche Weise werdet Ihr zugleich in das Gemeindeleben hineinwachsen, seine Aufgaben kennen lernen und so allmählich selbst Träger der Gemeinde werden. Die Gemeinde will und braucht Euch, denn eine Gemeinschaft, der keine Jugend mehr heranwächst, trägt den Tadeskeim in sich, sie ist dem Untergange verfallen. Um in Euch das Verständnis für das Gemeinschaftsleben zu wecken und den Willen hierzu zu stählen, widmet Euch der Vorstand unserer Gemeinde zu der Gabe, die Ihr im Auftrage der Staatsregierung erhaltet, eine weitere Erinnerungsgabe. Ferner überreiche ich Euch noch einige Gedenkblätter, die von der Reichsvertretung der Deutschen Juden in Berlin zur Verfügung gestellt worden sind. Diese verschiedenen Gaben, die teils die jüdische Geschichte, teil das Leben der Gegenwart zum Inhalte haben, mögen das, was diese Stunde kündet, fest-

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