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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1935-05-15 · 5 (15.5.1935) · p. Seite 13

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1935
Issue
5 (15.5.1935)
Date
1935-05-15
Page
Seite 13 (sequence 1)
Language
German
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(Mitteilungen Des JüDifdien Se&reruerema für ißapern 1935 Schriftleitung: Max Adler, München München, 15. Mai Nr. 5 Grundsätzliches über Schulschlufjfeiern Von Julius Anmerkung der Schriftleitung: Die hohe Bedeutung, die die moderne Pädagogik der Schulfeier im weitesten Sinne zuerkennt und der tiefe Sinn, der insbesondere in der Veranstaltung einer Schulschlußfeier liegt, haben - uns veranlaßt, die heutige Nummer diesem Thema zu widmen. Im Anschluß an die grundsätzlichen Ausführungen des Kollegen Kissinger bringen wir noch die Ansprachen, die Kollege Roseilfeld, als Leiter der jüdischen Schule in München, und Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, als der Vorsitzende der Kultusgemeinde, bei der 1. Schulentlaßfeier in München am 4. April 1935 gehalten haben. Neben den Schulungs- und Bildungsgütern und den übrigen erziehlichen Maßnahmen der Schule kommt auch den Schulfeiern eine hervorragende Bedeutung in der Erreichung des gesamten Erziehungszieles zu. Veranlassung zu solchen Feiern ergeben sich aus dem natürlichen Ablauf des Schuljahres (Erörfnungs- und Schlußfeier), im Vollzug von behördlichen Anordnungen vaterländischer Gedenk- und Feiertage (Muttertag, Saarfeier) und aus dem Bestreben, dem Kinde das jüdische Jahr'zum Erlebnis zu gestalten (Chanukkah-, Purimfeier usw.). Derartige Schulfeiern sollen Höhepunkte im gesamten Schulleben darstellen. Hierzu ist es notwendig, sich über den Begriff Feier zuerst Klarheit zu verschaffen. Feierstunde bedeutet Ruhe nach getaner Arbeit, Erholung von körperlicher und geistiger Anstrengung, Besinnung über den Wert der vollbrachten Leistung, über die Zweckmäßigkeit der angewandten Mittel und Wege zur Erreichung des Zieles, einstilles Versenken in das beglückende Gefühl der Befriedigung über den durch die gelungene Arbeit erlebten inneren Wertzuwachs und der damit verbundenen Steigerung' des Persönlichkeitswerfes. In solchen Stunden ist die menschliche Seele aufgeschlossen und empfänglich für alles Gute, Edle und Hohe — es herrscht feierliche Stimmung. Hier begegnen wir dem Ursinn des Wortes Feier. Auch zahlreiche andere Ursachen versetzen den Menschen in eine solche Stimmung: Gewaltige Naturereignisse, Anblick erhabener Naturschönheiten', hervorragende Werke der Ton-, Dicht- und Malkunst, traurige und freudige Ereignisse im menschlichen Einzel- und Gemeinschaftsleben. Und immer schaffen diese, feierlichen Stunden eine Auflockerung der Gedanken- und Gefühlswelt und bewirken starke Willensimpulse hingewendet zu den hohen geistigen Gütern der Wahrhaftigkeit, der Liebe, des Friedens und der Religion. Aufgabe der Schulfeiern aller Art ist es nun, die sich von selbst darbietenden oder absichtlich hervorgerufenen gehobenen Seelenstimmungen aus dem Dämmerzustand des Unbewußten zu heben, durch Ein- und Ausdruck sie in das Blickfeld des Bewußtseins zu rücken und sie so z>u einem ' nachhaltigen Erlebnis zu gestalten. Jede Feier hat ihre eigene innere Bewegung, ihre eigene Form, ihre eigene Idee. Von dieser aus bestimmt sich ihre Gestaltung. Eine Semesterschlußfeier hat ein anderes Gepräge als die des Muttertages, eine auf Grund eines besonderen Ereignisses angesetzte einmalige Feier zeigt einen anderen Aufbau,. als die, die alljährlich wiederkehrt, eine' Chanukkahfeier erfordert wieder eine andere Zielseztung, als eine etwaige Feier des „Geburtstages der Bäume" (Ghamischo osor bischwat). Hier soll nun die Rede sein von der Schulentlaßfeier. Der Anlaß zur Feierstunde ist gegeben. Es ist der letzte Schultag; die Erinnerung an den ersten wird wach. Diese beiden Tage schließen eine Entwicklungsperiode ein, die für den heranwachsenden Jugendlichen von grundlegender Bedeutung geworden ist. Es gilt Abschied nehmen von dem geregelten, planmäßigen, fordernden und gebenden, mit frohen und ernsten Stunden erfüllten Schulleben, von den Personen, Lehrern Kissing er. und Mitschülern, die in langjährigem Gemeinschaftsleben ihm Objekte der Freundschaft, Liebe und Verehrung wurden. Die frohe ungebundene Kindheit scheint abgeschlossen. Schon sind die zu Entlassenen erfüllt von den Sorgen um die Berufswahl, um Lehrstellen usw. Der Ernst des Lebens wirft bereits seine Schatten auf die heitere, sich nun nach Freiheit sehnende Seele. Diese inneren seelischen Vorgänge sollen dem Kinde durch eine Feierstunde bewußt, und so der dauernden Erinnerung als wertvolle Bereicherung seines Innenlebens fähig gemacht werden. Das Gelingen dieser Aufgabe hängt im wesentlichen von der Gestaltung dieser Feier ab. Bezüglich der Teilnehmer besteht eine ministerielle Verordnung: „Auf eine möglichst zahlreiche Beteiligung der Lehrpersonen der Schule, einschließlich der Religions- und Fachlehrer, die Mitglieder der Schulpflegschaft, sowie der beteiligten Erziehungsberechtigten ist Bedacht zu nehmen. Also alle „die es angeht" sollen durch ihre Anwesenheit den Entlaßschülern den Ernst der Stunde zu Gemüte führen. Ob sie als aufmerksame Zuhörer oder als Mitwirkende die Weihe der Stunde heben ist eine Angelegenheit der Technik der Feiergestaltung, deren Mittel die Elemente musischer Bildung und Erziehung sind: Wort, Ton und Bewegung. Hierbei kommt es durchaus nicht darauf an, daß die Darbietungen hohe, durch Drill gesteigerte, künstlerische Leistungen sind. Einfache, dem kindlichen Gedankenkreis und der jeweiligen altersbedingten Geisteslage entsprechende Stoffe, wie sie im Laufe des Schuljahres erarbeitet worden sind, werden von den scheidenden Kindern zum Vortrag gebracht. Die Feiern müssen, wenn sie auf Ausübende und Zuhörende wirken sollen, erfüllt sein von innerer Wahrhaftigkeit. Nichts ist einer feiernden Seele mehr zuwider, als eine unwahre Aufmachung, die Schein, statt Sein gibt. Von der Auswahl geeigneter Stoffe hängt die Ergriffenheit der erregten Kindesseele ab. Der Funke der kindlichen Begeisterung aber springt über auf die Erwachsenen, zwingt sie zur lebhaften Anteilnahme, erzeugt auch in ihnen Feierstimmung und schafft so die Feiergemeinschaft — das Ziel der Stunde. , Ein allgemeines für alle Fälle gültiges Programm aufzustellen, wäre ein Widcr-p-uc*! gegen die gemachten grundsätzlichen Erwägungen. Ort, Zeit, Schülermaterial, Teilnehmerkreis und h^aH^ich'i^te Sonderziele Verden mitbestimmend sein für Auswahl und Anordnung der Vortragsfolge. Träger der Weihestunde werden im wesentlichsten die beiden Ausdrucksmittel Wort und Ton sein, als Medium der Gedanken- und Gefühlsübertragung. Das Wort, das gedichtete und durchseelte, mit Ernst und Würde innerlich bewegt, ohne Hast und unechtes Pathos vorgetragen, verrät tiefes Verständnis, Sprachzucht und Sprachehrfurcht. Gedichte, Sprechchöre und gegebenenfalls ein Feier¬ oder Weihespiel sind von erhöhter Bedeutung. Im Mittelpunkt der Feier werden wohl die Ansprachen stehen, die den Scheidenden den Sinn und die Bedeutung dieser Stunde in einfachen, schlichten, zu Herzen gehenden Worten zu Gemüte führen sollen. Hierbei gilt es weise Beschränkung sich auferlegen, lange Reden bewirken das Gegenteil. Zu jeder Feier gehört auch Musik; die spricht am unmittelbarsten zum Gefühl, dient zur Einstimmung und zum Ausklang und regelt auch während der Feier den wohltuenden Ablauf der Gefühle der Spannung und Entspannung. Als Singchöre werden einige van den zahlreichen hierzu geeigneten Volksliedern zum Vortrag gebrächt. Auch Sologesänge stimmbegabter Kinder sind von packender Wirkung. Wenn auch Instrumentalmusik nicht zu den Unterrichtsdisziplinen der Volksschule gehört, so dürfte es sich doch empfehlen, die außerhalb der Schule von den Kindern erlernten, für. diesen Zweck besonders zu übenden Fähigkeiten' in den Dienst der Sache zu stellen. Es kann sich auch hierbei nur um die einfach-

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