Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1935
- Issue
- 5 (15.5.1935)
- Date
- 1935-05-15
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 5 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern 15 halten und noch in späten Tagen 'der Erinnerung an sie Glanz und Weihe verleihen. » Es ist eine harte Zeit, in die Ihr hineingestellt seid. Ein gewaltiges Gären und Brausen geht durch das Weltgeschehen. Ein neues Buch der Geschichte ist aufgeschlagen, und wenn nicht alle Zeichen trügen, so beginnt auch ein neues Kapitel der jüdischen Geschichte. Ihr dürft trotz allem stolz und froh sein, in dieser Zeit zu stehen, denn Euch ist es mit anheimgegeben, an dem Neu- und Aufbau mitzuarbeiten. So wollen wir denn Abschied nehmen, mit allem Ernste, den die Zeit erfordert, und doch hoffnungsfroh und zukunftssicher. Im Geiste sehe ich jetzt ein Bild: Ein Schiff löst sich vom Üfer. Schon sind die Anker gelichtet, fröhlich flattern die Segel im Winde. Der Steuermann steht am Ruder, geraden Blikkes und festen Willens, das Schiff ungefährdet durch das weite Meer nach seinem Ziele zu führen. Das Schiff ist Euer Lebensschiff lein, der Steuermann seid Ihr selbst. Wir aber, die wir am Ufer stehen; rufen Euch zum Abschied zu: „Glückliche Fahrt!" Ausführungen von Oberstlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer Sehr geehrte Anwesende! Meine lieben Schüler und Schülerinnen! ', Dichter und Schriftsteller, auch von jüdischer Seite, haben vielfach das menschliche Leben als einen Weg bezeichnet, den; der Wanderer von der Wiege bis zum. Grabe begeht. Ihr habt schon einen kleineren Teil dieses Weges zurückgelegt, in Arbeit und Mühe, was nach unserem Schrifttum als der köst-" lichste Besitz des Menschen zu erachten ist. Auf diesem' Wege hält. der Wanderer zuweilen inne und überblickt besinnlich die Strecke, die er durchmessen. An einem solchen Punkt seid Ihr heute angelangt. Wenn Ihr zurückblickt, schaut Ihr auf freundliche Sterne, die Euch mit mildem Lichte geleuchtet haben, es ist das Eiterhaus und die Schule. Dankbar gedenkt Ihr der Fürsorge, die Ihr hier erfahren und ich darf Euch sagen, daß ich selbst, der ich vor 50 Jahren die Schule verlassen habe, mit tiefem Danke meiner Lehrer gedenke, insbesondere meiner Lehrer auf jüdischem Gebiete, des Oberlehrers Baum und Rabbiners Dr. Josef Perles. Und wenn Ihr den Blick nunmehr der Zukunft zuwendet, da steht Ihr nicht mehr unter dem Schutze der Schule. Den Eltern aber wird es in dieser harten Zeit besonders schwer, für die Kinder weiter, zu sorgen und gar manche von Euch werden ihre Hilfe entbehren müssen. Da ziehen nun Wolken auf, welche die Sterne verhüllen und Ihr müßt für Euch selbst sorgen. Da ist es ein Wort, das ich Euch zum Geleite gebe, das Wort des Psalmisten: „Halte Dich fern vom Bösen und tue Gutes, so wirst Du stets Ruhe finden." Und ein Wort des deutschen Dichters: „Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohl bewußt."' Es ist das Gute, die Übung des Guten, die Euch führen soll und da ist es eine Besonderheit unserer jüdischen Auffassung,, daß zu dem Guten die Ausbildung des Verstandes, die Einsicht und Erkenntnis gehört, nach den Sprüchen der Väter: „Ein leerer Mensch scheut nicht die Sünde und ein Unwissender kann nicht fromm sein." Es verzieht sich das Gewölk und wieder sind es zwei Sterne, die Euch leuchten, den einen schaut Ihr wohl 'schon jetzt. Es ist die Freundschaft, der Zusammenschluß' der Freunde in den Bünden, die Euch Kraft geben. Euch wechselseitig zu stützen und zu fördern. Und das andere ist der Stern, den Ihr wohl noch nicht erkannt habt, es ist Euere Gemeinde. Die Gemeinde, die als Trägerin dieser Schule Euch unsichtbar schon behütet und für Euch gesorgt hat und für deren Wesen und Einrichtungen Ihr immer mehr Verständnis und Liebe gewinnen sollt. Dann wird die Zeitkommen, in der Ihr selbst einmal in bestimmender Weise in die Geschicke dieser Gemeinde eingreift und für die sorgt, die nach Buch kommen. So ist es der Zusammenhang der Generationen, welcher den sittlichen Bestand unserer Gemeinschaft gewährleistet. Im Namen dieser Gemeinde bringe ich Euch die wärmsten Wünsche und zunächst den Wunsch, daß Ihr nach tüchtiger Arbeit Euch freuen sollt. Denn um die Freude ist es eine heilige Kraft. Und so möget Ihr noch in späteren Jahren dankbar wie Eurer Eltern so auch der Schule gedenken. Möget Ihr SCHUHHAUS M. FLEISCHMANN MÖNCHEN, THEATINERSTRASSE 17 Spezialität: BALL'Y-SCHUHE ihnen und Eurer Gemeinde Ehre machen und diesen Tag der Entlassung aus der Schule in freundlichem Andenken bewahren! Glück auf! Die Pädagogik des Maimonides Von Studiendirektor St oll (Schluß) Aber auch in den sonstigen Schriften des Maimonides nimmt das pädagogische Denken einen breiten Raum ein. Man ist vielleicht versucht, in der Mischne Thora des Maimonides in dem Traktat „Talmud Thora" die pädagogischen Anschauungen des Maimonides zu erblicken. Indes sind in diesem Abschnitt von Maimonides nur die im Talmud zerstreuten pädagogischen Anschauungen gesammelt und systematisch geordnet. Die dem Maimonides eigene pädagogische Grundanschauung findet sich außer in den „8 Kapiteln" auch im „Führer" an vielen Seiten. Maimonides behandelt' auch hier ausführlich, wie in den „Acht Kapiteln", die Tugendausbildung. Zweck ist die Kraftgewinnung der Seele zu einer ruhigen, festen und unerschütterlichen Lebensanschauung., die alle Ereignisse des Lebens mit einem Gleichmut aufnimmt, der geradezu die klassische Ruhe des philosophischen Denkens genannt werden kann. Die Seelenruhe des Menschen ist eine Forderung und ein Ziel seiner Charakterbildung. Wie bei Aristoteles muß die Tugend geübt, bis zum Ideal gezüchtet werden. Freilich bleibt Maimonides bei diesem aristotelischen Bildungsziel nicht stehen, ihm gilt ein höheres Tugendideal: er identifiziert die Vervollkommnung der Seele und des Charakters mit dem „Dienste Gottes". Sein Erziehungsideal ist jene Awodas 'haschem, die den Menschen emporhebt zu Gott, daß der Mensch in religiöser, sittlicher, sozialer Hinsicht immer mehr hinanstrebt zur Verwirklichung der Gottebenbildlichkeit, daß er mehr und mehr sich annähert dem von der Bibel gezeichneten göttlichen Heiligkeitsideal. Vereinsmitteilungen Todesfälle. Vor einigen Tagen verschied in Eschau die Frau unseres Vereinsmitgliedes Leopold Lehmann. Wir bringen dem Kollegen auch an dieser Stelle unser Beileid zum Ausdruck. Wie wir kurz vor Redaktionsschluß erfahren, ist am 3. ds. Mts. unser Vereinsmitglied, der frühere Oberkantor von Nürnberg. Max Manes, s. A. gestorben. Wir werden dem lieben Kollegen ein treues Gedenken bewahren. Personalia. Lehrer Galling er von Uffenheim übernahm die private Volksschulstelle in Hörstein, Kollege Possenheimer in Hörstein trat eine Stelle in Lübeck au. Lehrer Fritz L e v y - Rockenhausen wurde an die Gartenbauschule Ahlem bei Hannover berufen. Der pensionierte Oberlehrer Behr feierte dieser Tage unter stärkster Anteilnahme der jüdischen Gemeinde Regensburg seinen 80. Geburtstag. In .einer synagogalen Feier würdigte Rabbiner Dr. Weinberg die Verdienste um Schule und Gemeinde. Auch wir entbieten dem ehrwürdigen Kollegen Glück- und Segenssprüche. Unser geschätzter Mitarbeiter Dr. Ernst Steckelmacher beging vor kurzem sein 25jähriges Dienstjubiläum. Wir entbieten ihm herzliche Maseltow-Wünsche. Wie wir hören, wurde Herr Dr. Steckelmacher nach Ludwigsbafen berufen. Voraussichtlich wird unter Beihilfe des Verbandes und unter Mitwirkung der Lehrerbildungsanstalt ein Schulungskurs für jüdische Lehrer in Bayern in der Zeit vom 21. bis 24. Juli in Würzburg stattfinden. Wir bitten die Kollegen, sich jetzt schon darauf einzustellen. Nähere Mitteilungen erfolgen noch. München, den 10. Mai 1935. M. Rosenfeld. M. Adler. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München