Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 9 (1.5.1935)
- Date
- 1935-05-01
- Page
- Seite 209 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 9 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 209 4. Symphoniekonzerf des Münchener Kulturbund-Orchesfers „Das Talent arbeitet, das Genie schafft" (Rob. Schumann „Musik und Musiker".) Die schöpferische Kraft des Genius überwindet das Gegenwärtige und sprengt Begrenzungen, womit die Mitwelt das Neue in gewisse zeitliche und stilistische Definitionen zu verstricken und zu katalogisieren sucht. Mozarts Bedeutung wird man ebenso wenig gerecht in der bekannten Beschränkung als „Meister des Rokoko", wie Beethoven verkannt wird, wenn man den Begriff der klassischen Heroik mit ihm identifiziert. 'Mozarts g-moll Symphonie teilt ihr Geburtsjahr 1788 mit dem ihrer grandiosen Drillängsschwestern in es-dur und cdur (Jupiter-Symphonie). Über die „Zauberflöte" hinaus weitet sich der Weg des Meisters, um in der metaphysischen Transzendenz des „Requiem" allzu jäh abzubrechen. In der düsteren Grundstiminung tiefen Leides dokumentiert sich in der gimoll-Symphonie ein neuer, bisher unbekannter Mozart. Solch leidenschaftliche Aufwühlung kam den Zeitgenossen so überraschend, daß sie noch im Jahre 1803 die g-moll-Symphönie die „schauerliche" nannten. Das gleiche Nachhinken der Zeitgenossen gegenüber dem Genie, welchen angebliche Kakophonien in der „Don Juan'-Ouivertüre bange machten. Die Zierate des ornamentalen Rokoko haben ihren Selbstzweck verloren. Wesensverwandtschaft mit Beethoven wird offenbar im Streben nach dem Lapidaren. Diese Spur griff Beethoven auf und krönte seine Genialität im Quaderbau der Eroica. Just im selben Jahre, da die dritte LeonoTen-Ouyertüre vollendet wird, entspannte sich der Titan in den unproblematischen Gefilden der Romantik. Ein Wechselspiel von Licht und Schatten, Humor und Ernst eröffnet die b^dur-Syrnphonie No. 4. Man hat versucht, diesem Werke die Ebenbürtigkeit gegenüber den sie begrenzenden Symphonien in es-dur (No. 3) und c-moll (No. 5) abzusprechen. Zu Unrecht, denn das Bekenntnis zu einer von echter Wirklichkeitsfreude beseelten Romantik vermeidet bewußt jeden Vergleich mit Werken schwerster innerlicher Kämpfe, Welche der ringende Beethoven sich von der Seele schrieb. In ganz anderer Arf verwirklicht sich Schumann's Romantik, deren Schwermut immer als düsterer Gegenpol aller Natur- und Lebensfreude gegenüber sich behauptet. Schumanns a-moll-Klavierkonzert öffnet den Weg zu Brahms. Während von Chopin her dem Orchester eine ausschließlich begleitende Rolle zufiel, emanzipierte Schumann. das Orchester und legte damit den Grundstein zum modernen Klavierkonzert, der „Symphonie mit obligatem Klavier". Es war ein guter Gedanke als Vorfeier zu dem im Juni ds. Jahres zu begehenden 125, Geburtstag Robert Schumann's dieser trotz bekannter Instrumenüerungsschwächen genialen Schöpfung zu gedenken. In .Michael Witt eis (Köln) stand iust ein Pianist zur Verfügung, welcher alle Voraussetzungen zu verwirklichen vermochte, die bei der Wiedergabe dieses imposanten Stückes nicht zu .missen sind. Wittels bringt vor allem die Fähigkeit homogenen Nachgestaltens mit, wodurch das anspruchsvolle Werk, jeder äußerlichen Virtuosität entkleidet, zum inneren Erlebnis gestaltet wird. Auch in der alogischen Rhythmik des Schlußsatzes ordnete sich souveräne Technik jener Melancholie unter, wodurch die Eindrucksfähigkeit des Werkes an Tiefe noch gewann.; Erich Erck bestätigte durch eine außerordentlich anschmiegende und dabei doch äußerst lebendige Begleitung seinen Ruf als Dirigenten. Das Orchester, welches dank intensiver Schulung wieder auf vorbildlicher Höhe stand, brachte die Mozart-Symphonie ebenso fein nuanciert zum Vortrag, wie der Beethoven-Symphonie an lapidarer Größe nichts schuldig geblieben wurde. Das düstere Kolorit der Einleitung :fand einen erstaunlichen Niederschlag; auch die übrigen Sätze .zeichneten sich durch präzise Gestaltung und warme Empfindung aus. Unvermeidliche Zufälle bei den Bläsern (Horn!) vermochten den großen Erfolg niclrt^ü beeinträchtigen: ALFRED LEVY Sport- und Heilmasseur (irzti. gepr.) Telefon 50469 0 Dienstag und Donnerstag auch in der Tornhalle. schützt Ihre Pelze durch fachmännische Aufbewahrung Neuhauserstr. 29 Tel. 105 61/11809 ^JJka Am Stachus Neuhauserstr. / Weinstr. Dachauerstr. / Reichenbachstr. Fachgeschäft für Wäsche und Strümpfe Niemand bietet mehr! HERMANN KAHN Amaliensirafie 22 und 28 Friedrichsirafee 29 Modewaren Fachgeschäft für Schneiderei-Artikel Mod ernes Kaufh aus führt in allen Abteilungen Artikel des tägl. Bedarfs Tempo- Warenverkaufs G. m. b. H. Ecke Augusten-Theresienstraße Telefon 53344 M. SIXBERTHAU «& CO. KAUFINOEBSTRASSE 10 Das Haus für hübsche Geschenke in Uhren Schmuck Silberwaren Schreibwaren jeder Ärt für Büro und Haus, Briefblocks, Füllhalter usw. in reichster Auswahl. Maiersche Papierhandlung Inh. Rud. Stern Karlstr. 8, Ecke Barerstrasse. TeIefon57624