Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 9 (1.5.1935)
- Date
- 1935-05-01
- Page
- Seite 204 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 9 PE LZ-Au fbewa hrung in eigenen KQ hl räumen Reparaturen und Änderungen im Sommer sehr günstig G R ü N H U T Kürschhermeister Augustenstraße 85/o, wegen Abholung Telefon 58160 Zählungen des „Hungerkünstlers", ferner iwei Gesprächen und einem Bruchstück „Die erste lange Eisenbahnfahrt", Arbeiten, die, vor Jahren in Zeitschriften veröffentlicht, verschollen waren und minmeihr wieder von Brod und dem Mitherausgeber des ersten Bandes Heinz Politzer zutage gefördert wurden. Nach der Lektüre dieses Buches können wir nur wieder das sagen, was stets die Quintessenz aller unserer Kafka- Betrachtungen war: EMe Gedankenwelt dieses Dichters, seine Besinnlichkeit und seine weise Art, den Dingen um Mensch und Leben auf den Grund zu gehen, äst von einer nur selten erreichten Tiefe; wir kennen kaum einen Dichter, dessen Verantwortung beim Werke so groß, dessen Ernst so unbestechlich ist; wir kennen kaum eine Sprachform, die so rein und so vollendet ist wie -die Kafkas. Der seit einem Jahrzehnt stets wiederholte Ruf nach einer Gesamtausgabe der Kafkaschen Dichtungen ist nicht ung<ehört verhallt. Der Schocken Verlag, unermüdlicher Erneuerer jüdischen Schrifttums, hat sidh folgerichtig auch des Erbes Franz Kafkas angenommen: Die Umstände haben es mit sich gebracht, daß nur noch wir Juden berufen sind, dieses große Erbe zu empfangen und zu hüten. Für diese Erkenntnis gebührt dem Schocken-Verlag der besondere Dank aller, denen das Werk Franz Kafkas am Herzen liegt. Die „Gesammelten Schriften" werden nach dem Plan des Verlags sechs Bände umfassen: auf die „Erzählungen und kleine Prosa", die quasi die Kammermusik im Gesamtwerke Kafkas bilden, folgen die drei Sinfonien „Amerika", „Der Prozeß" und „Das Schloß", während die letzten beiden Bände den Erzählungen der „Chinesischen Mauer", den Fragmenten, Tagebüchern und Briefen vorbehalten bleiben sollen. Manfred Stur mann. Theodor Herzls väterliche und mütterliche Vorfahren. Eine familiengeschichtliche Studie mit einer Ahnentafel von Dr. phil u. jur. Paul J. Diamant. Verlag Bamberger & Wahrmann, Jerusalem 1934. Der Verfasser hat sich die Mühe gemacht, der familiären Herkunft Theodor Herzls nachzugeben. Er ist zu dem Ergebnis gekommen, daß väterliche wie mütterliche Vorfahren generationenlang im Bereich der ungarischen Krone, an der Mifitärgrenze im Süden nud in der Slowakei im Norden, zuletzt in Budapest gewohnt haben. Ein Zweig der Familie ist seiner Meinung nacth gegen Ende des 17. Jahrhunderts von Mode-Korsettenhaas empfiehlt seine Spezialabteilung vorm,MaxLoweathal Gegr. 1885 für individuelle »assanfertiflung München, Kaufingersir, 31 Telefon 13217 Philippsburg am Rhein nach Nordungarn (eingewandert. Wir gewinnen nicht den Eindruck, daß der berühmte Nachfahr in dem einen oder anderen. unter seinen Voreltern mit besonderer Deutlichkeit <vorausgebildet wäre. Ca, „Der Gefängnisarzt" von Ernst Weiß. Nach seinem großen Roman „Georg Letham, Arzt und Mörder" hat Ernst Weiß länge geschwiegen. Jetzt liegt uns ein neuer Roman vor: „Der Gefängnisarzt", erschienen im Verlag Julius K i 111 s Nachfolger, Leipzig-M. Ostrau. Wenn sich dieser Roman auch nicht durch die großartige Geschlossenheit des „Georg Letham" auszeichnet, so ist er doch ein echter Weiß, psychologisch bis in die letzten Feinheiten abgestimmt und gleichzeitig eine imponierende soziologische Studie. Hier ist noch einmal die Kriegs- und Nachkriegszeit heraufbeschworen, die Revolutionszeiten, die Inflation, kurz das kochende Durcheinander einer ins Wanken geratenen Welt. Weiß erzählt die Geschichte der beiden Brüder Konrad und Rudolf D. Konrad, ein fester Charakter mit festen Grundsätzen, gelangt dank seinem angespannten Willen durch die Fährnisse der Zeit zu Erfolg und Stellung: er ist ein angesehener Gefängnisarzt und Gerichtsmediziner geworden. Rudolf, der schöne und von Kindheit verhätschelte jüngere Bruder, dagegen ist dem Rausch der Zeit nicht gewachsen, er ist zu weich, um zu sich selbst zurückzufinden, er führt ein triebhaftes Leben, ist ein Abenteuerer, ein allen Einflüssen zugänglicher und unberechenbarer Mensch. Rudolf verkommt, gerät in Konflikt mit dem Strafgesetz und wird schließlich als mutmaßlicher Mörder verhaftet. Aus dem Widerstreit von Pflicht und Bruderliebe entwickelt sich die eigentliche Handlung. Der Gefängnisarzt Konrad D. hat es mit einem Sträfling zu tun, der seinem Herzen am nächsten steht. Nach diesen kurzen Andeutungen wird es offenbar sein, daß' es sich hier nicht um ein alltägliches Buch handelt, sondern um ein bedeutendes Seelengemälde von kundiger Hand. -nn. Philo-Bücher 1—3. Jedes Bändchen in Pappe gebd. 1.10 RM. Der Philo-Verlag hat die Absicht, in seiner neugeschaffenen Philo-Bücherei belletristische Arbeiten zeitgenössischer jüdischer Schriftsteller der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die ersten drei Bändchen sind in. geschmackvoller Ausgestaltung soeben erschienen: Hermann Sinsheimer: Rabbi, Golem und Kaiser. Was bei der sagenhaften Begegnung zwischen Kaiser Rudolf II. und dem hohen Rabbi Low, der den Golem geschaffen hat, am 22. Februar 1592 gesprochen wurdet das erzählt Hermann Sinsheimer hier frisch und fesselnd, er zeichnet den. mißtrauischen Charakter des Kaisers, der das magische Geheimnis sucht, und des Rabbi, der das magische Geheimnis hat; unversehens entsteht ein Bild des Ghettos von Prag und des Hradschin, damit der Welten, die dort gegeneinander stehen und ineinander übergehen. Leo Hirsch: Gespräch im Nebel. Leibniz besucht Spinoza. Die Geschichte dieser letzten wesentlichen Begegnung Spinozas mit dem großen deutschen Philosophen und Mathematiker Leibniz erzählt Leo Hirsch mit der inneren Spannung, die zwischen den beiden größten Geistern ihres Jahrhunderts herrschte, und dennoch ohne der Überlieferung Gewalt anzutun. SCHUHHAUS M. FLEISCHMANN MÜNCHEN, THEATINERSTRASSE 17 Spezialität: BALLY-SCHUHE i i u