Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 8 (15.4.1935)
- Date
- 1935-04-15
- Page
- Seite 176 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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176 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 8 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig Herrmann Schaalmann, Sohn von Herrn Studienrat Adolf Schaalmann in München, den Lehrern. Es sprach viel Mut und eine ergreifende Zuversicht aus der vorzüglichen und eindrucksvollen Rede des jungen Mannes; sie klang in ein Gelöbnis aus, unter der Jugend für eine geschlossene Einigkeit der jüdischen Richtungen einzutreten und in der schweren Lage des deutschen Judentums sich mannhaft und stolz zu halten. Daran anknüpfend gab Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer seiner Genugtuung über das Verständnis der Jugend für die Gesamtsituation Ausdruck, mahnte zur Mitarbeit an den Aufgaben der jüdischen Gemeinde und wünschte den scheidenden Abiturienten Glück und Segen für ihren künftigen Lebensweg; namens der Kultusgemeinde übergab er jedem Absolventen ein Exemplar des schönen Schocken-Doppelbändchens, das einen systematischen Querschnitt durch das Werk des gefeierten jüdischen Lehrers und Denkers Maimonides enthält. Gesänge der Kantoren Müller und Lachmann unter der Begleitung von Kapellmeister Erck beschlossen die würdige Feier. Gemeinsamer Sederabend. Die Zionistische Ortsgruppe veranstaltet am 2. Pesachabend (18. April) im Restaurant Weiß, Prielmayerstraße 20. einen gemeinsamen Seder, den der 1. Vorstand, Herr Dr. M. J. Gutmann, geben wird. Für die Teilnahme wird einschließlich Gedeck und Wein 2.80 RM. erhoben. Weitere Anmeldungen müssen sofort an das Büro der Zionistischen Ortsgruppe erfolgen. Auch Nicbtmitglieder der Ortsgruppe sind herzlich willkommen. Zum zehnjährigen Todestag von L. Rotter s. A. Am 11. Nissan werden es zehn Jahre, seit der unvergeßliche Lehrer und Kantor des Ohel Jakob in München aus seinem vollen Leben und Schaffen viel zu früh seiner Gemeinde und seinen zahlreichen Schülern entrissen wurde. Sein Gedächtnis ist noch frisch und lebendig bei den Vielen, die sich seiner herrlichen Stimme, seines andachtsvollen Chasonutk und seiner Betreuung als Rabbi und Lamdon erfreuen durften. Hat er als Abgesandter der Gemeinde dieselbe erschüttert und emporgetragen, so hat er als Moreh unsere Jugend begeistert und „der Thora genähert", was von je der größte Stolz und der höchste Ruhm eines jüdischen Lehrers gewesen ist. Dazu kam noch die überaus liebenswürdige, gewinnende Persönlichkeit, die sich überall und weit über den Rahmen der engeren Gemeinde hinaus viele Verehrer erwarb. Mit der großen Gelehrsamkeit, die ihm von Seiten seines, in dieser Richtung sehr strengen Raws s. A. die höchste Würde des Morenu-Titels eintrug, verband er ein außerordentliches pädagogisches Geschick, das seine Unterrichtsstunden für die vielen großen und kleinen Schüler zu einer Quelle reinster Freude und Erbauung gestaltete. Die Gemeinde, als deren Vertreter er im Gotteshaus fungierte, fühlte sich durch ihn geborgen und erhoben. Mit ihm als Schliach Zi'bbur und Dr. H. Ehrentreu s. A. als Raw genoß Ohel Jakob in der ganzen jüdischen Welt einen weit über den quantitativen Umfang der Gemeinde hinausgehenden bedeutenden Ruf. E.F. Zionistische Ortsgruppe München Jubiläumsfeier der Hebräischen Universität am Samstag, den 27. April in München Die Hebräische Universität in Jerusalem feiert in diesen Tagen den 10. Jahrestag ihrer Gründung. Aus diesem Anlaß wird überall der besonderen Beziehungen gedacht, die gerade die Juden Deutschlands mit dieser Universität verknüpfen. Die Reichsvertretungs der Allgemeine Rabbiner verband, die Berliner Gemeinde sowie die .jüdische Presse aller Richtungen heben die wachsende gesamtjüdische Bedeutung der Jerusalemer Universität hervor. Auch in München wird dieser Tag durch eine würdige Veranstaltung gefeiert werden, die am Samstag, den 27. April, 8.15 Uhr im Museumssaal stattfindet. Herr Dr. M. J. Gutmann wird in einer Ansprache den Sinn der Feier darlegen, den Festvortrag hält Herr Dr. Ludwig Feuchtwanger über Palästina und die Diaspora. Der Vortrag will die historische Doppelexistenz der Juden (in Palästina und in der Zerstreuung) in den verschiedensten Epochen der Weltgeschichte durch ausgewählte Zeitausschnitte von den antiken Zeiten bis zur Gegenwart verständlich machen. Die ZOG. hat Herrn Dr. Feuchtwanger eingeladen, damit Gelegenheit gegeben wird, auch in München diesen wissenschaftlichen Vortrag zu hören, der vor kurzem in Berlin im Lehrhaus der dortigen jüdischen Gemeinde ein zahlreiches Publikum gefesselt hat. Alle Gemein d emi t glie d e r sind herzlich eingeladen. Eintrittspreis: 60 Rpf. und 1 RM. Vorverkauf: ZOG., Schlosserstraße 2/1, und Ewer-Buchhandlung, Ottostraße 2. Zionistenkongreß 5695. Der Monat Mai wird einer großzügigen Propagierung und Verbreitung des S c h e k e 1 s gewidmet sein. Der Schekel wird diesesmal auch in Deutschland wieder das Wahlrecht zum Zionistenkongreß geben; darüber hinaus wird die Zahl der verkauften Schekalim zum erstenmal ein Bild davon geben, in welchem Umfang das deutsche Judentum sich heute zum zionistischen Aufbauwerk bekennt. Die Mitglieder der Zionistischen Ortsgruppe und der anderen zionistischen Organisationen müssen ihren Schekel noch vor dem 1. Mai für sich und ihre Angehörigen besorgen. Er ist erhältlich im Büro der Zionistischen Ortsgruppe. Vorträge von Hans Joachim Schoeps. Im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten sprach Dr. H. J. Schoeps im großen Museumssaal vor einem zahlreichen Publikum über „Deutsch-jüdische Besinnung". Schoeps kämpft gegen zwei Fronten: Gegen das liberale Judentum mit seiner „Ethisierung" der religiösen Gehalte, mit seiner Gefühlsreligiosität und seiner „falschen Assimilation"; er kämpft aber auch gegen den Zionismus, gegen dessen staatlich-politischen Geltungs- und Machtanspruch als die größte Gefährdung, die an Israel im Laufe seiner Golusgeschichte bisher herangetreten ist: Die messianische Erwartung und die „B'riss-1 atsache" (der Bund Gottes mit Israel) machen nach Schoeps das Judentum zu einem religiösen Gemeinschaftsgebilde sui generis, das weder Konfession, noch Rasse, noch Volk, noch Nation sei. Eine Selbstbesinnung auf die eigene jüdische Art, nicht biologisch oder national, sondern religiös (aber nicht im Sinne persönlicher Religiosität, sondern in streng, metaphysisch-transzendentaler, objektiver, dogmatischer Weise), nur eine solche, also eigentlich theologische Selbstbesinnung ist nach Schoeps die Voraussetzung eines sicheren deutsch-jüdischen