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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-04-15 · 8 (15.4.1935) · p. Seite 173

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
8 (15.4.1935)
Date
1935-04-15
Page
Seite 173 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 173 liehen Weltbildes (des aristotelisch - ptolemäischen natürlich) dieser Darstellung des jüdischen Gesetzes voran. Er fordert also elementare Kenntnis der Ergebnisse der Wissenschaft im Namen der Religion. Und wer gegen den rein geistigen Gottesbegriff verstößt, den das Judentum lehrt und die Wissenschaft bestätigt, wer sich -also Gott zwar als einzig, aber als körperlich denkt, steht nach Maimuni mit einem Abtrünnigen (Min) auf einer Stufe. Die NichtPhilosophen fanden das Urteil zu streng,* aber hatte Maimuni unrecht, wenn er gerade hier nicht nur eine Forderung der Wissenschaft, sondern auch die Eigenart des Judentums zu verteidigen glaubte? Maimuni geht einen Schritt weiter. Reine Wissenschaft verwirft den Geisterglauben. Auch der Bibel gilt „Opfer an Dämonen" soviel wie Götzendienst. Aber intalmudischer Zeit hat selbst ein Geistesriese wie Plotin diesen Glauben geteilt. Daher zeigt sich seine Wirkung auch im talmudischen Schrifttum. Solche Steilem sind Maimuni nicht maßgebend. Nach dem Talmud soll man keine einsamen Ruinen betreten; man gefährdet dadurch seinen Ruf, seine Gesundheit (wegen der Baufälligkeit), ja, sein Leben (wegen der Geister, die dort hausen). Maimuni bringt die Warnung und die ersten beiden Begründungen; die letzte läßt er fort. Zum Verständnis dieser Kühnheit ist daran zu erinnern, daß arabische Lehrer damals darüber stritten, ob man Geister (Dschinnen) zu der vorgeschrienen Zahl der Beter hinzurechnen darf. Im Talmud findet sich eine Äußerung, daß das Schofarblasen dazu diene, den Satan in Verwirrung zu bringen. Maimuni neigt im allgemeinen nicht dazu, im Mischne Thora die Gebote zu begründen. Aber hier macht er eine Ausnahme. „Wenn auch das Schofarblasen göttliche Anordnung ist,, so ist doch ein tiefer Sinn in ihm enthalten, nämlich die Mahnung: erwachet, ihr Schlummernden, aus eurem Schlaf; prüfet eure Werke, tut Buße und denkt eures Schöpfers." So tritt an Stelle des magischen das ethische Motiv. Sehr deutlich ist auch Maimunis Stellung zu Zauberpraktiken. Das Besprechen einer Wunde bezeichnet er freilich nicht als verboten; ..es nützt nichts, aber es beruhigt den Patienten". Wer jedoch Aberglauben und Religion vermengt, den trifft sein voller Zorn. „Wer im Innern der Mesusa Engelnamen und dergleichen anbringt, hat seinen Anteil am Jenseits verwirkt. Denn diese Narren — nicht genug, daß sie gegen das Gesetz verstoßen, sondern sie ändern das hohe Gebot der Anerkennung der göttlichen Einheit, der Gottesliebe und des Gottesdienstes derart ab,-wie wenn es sich um ein Amulett zu ihrem Nutzen handelte, wie ihr einfältiger Sinn es ihnen einredet." 2 Aber auch wo es nicht gilt, abergläubische Vorstellungen zu bekämpfen, zeigt sich Maimuni um eine Vertiefung der Frömmigkeit bemüht. Bekanntlich steht einmal im Talmud, man möge am Purrm trinken, bis man zwischen den Rufen „Heil Mordechai" und „Fluch Haman" nicht mehr unterscheiden kann. Ob es unsere alten Lehrer gerade mit diesem* Gebot peinlich gewissenhaft genommen haben, läßt sich bezweifeln. Maimuni jedenfalls hält es nicht für verbindlich. Man mag trinken, meint er, bis man unter der Wirkung des Weihes einschläft. Aber ..besser ist die Erhöhung der Gaben an Arme, als die Bereicherung der Mahlzeit und die Steigerung der Geschenke an Freunde. Denn es gibt keine höhere, rühmlichere Freude, als Unbemittelte, Waisen, Witwen und Fremde zu erfreun. Wer das Herz dieser Armen erquickt, gleicht der Gottheit; denn es heißt: aufleben zu lassen den Geist der Niedrigen, aufleben zu lassen das Herz der Gebeugten". ' 2 In meiner Jugend spukte es einmal im alten Frankfurter Waisenhaus auf der Uhlandstraße. Ein Mitglied des Vorstandes (Akademiker) schritt zur Untersuchung der Mesusot. Die Mesusot waren in Ordnung. Alsdann führte man die Untersuchung auf anderer Grundlage weiter und die „Geister" erhielten ihre Strafe. So geschehen 700 Jahre nach Maimunis Mischne Thora. MAGISTER KIRSCH der gute Likör, Magister München VII •"'^/'SL/^/^/V/^/^/'V^^y^ $ufbrua\ Sfufbruo)! ÜJon &acl JUolföfefil U) dürft ittf Stimme fein/ dad JJolf 31t rütteln/ Wimpel und $afjne/ fo der $ruder fdjmenft/ $er Sfcnt/ öie -tfcfjläftigfien ttoety fcjadföufrfjütteln/ fttegnndef fem/ die unfer Steuer lenft: Hiät täf ate Ofooif/ Öorbüö/ iOpfer/ groß - 3>aß mir aufbredfcn müßten ärte die tftfjollen Im Üensjhttm/ ttotft üereift und frfjon durdjfemit/ Kitt Drang unö eine mie die Üiebeötollen/ Die nur in tjersen itjrer Wafyl benennt/ Sfaffcredjen ^ofleäftolj 31t jeugen Rafften/ Drau* dunfler fclutjirom roüt der flteugeburt/ Otufbredjen in$ Üerflängte/ 4djand ift Raffen/ HJofjl euefy/ und menn ifjr nur öon dannen fuflri! flJaö eurfr ermartet? <BIcirfj ift'ö. Leiter/ meiter! 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Aber wenn anders, schon nach dem Talmud, „die Gebote dazu da sind, die Menschen zu läutern" — durfte er sich nicht sagen, daß er durch sein Denken der Religion zur Besinnung auf ihr eigenes Wesen verhalf? Allein hier erhebt sich ein Einwand. „Die Grundläge der Grundlagen und die Säule der Weisheit ist das Wissen von dem ersten Wesen", beginnt der Mischne Thora. „Am Morgen ermanne sich der Mensch wie ein Löwe zum Dienst seines Schöpfers", beginnt der Schulchan Aruch. Scheint es nicht, daß dieser den Sinn jüdischer Frömmigkeit rein widergibt, während Maimuni das hellenische Ideal der Erkenntnis an Stelle der dienstbereiten Tat setzt, die das Wesen des Judentums bildet?

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