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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-04-01 · 7 (1.4.1935) · p. Seite 151

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
7 (1.4.1935)
Date
1935-04-01
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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Nr, 7 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 151 Die Welle hat sich zum Tale gesenkt. Not und Leid haben unsere Gemeinden erfaßt und auch die Mittel der Allgemeinheit sind, immer geringer geworden. Und doch hat sich der Gedanke unseres Verbandes bewährt. Alle Richtungen vereinen sich, unbeschadet ihrer Selbständigkeit, in einmütigem Zusammenwirken, dem Gemeinwohl zu dienen. Diegrößeren Gemeinden tragen willig, in dem Bewußtsein, eine selbstverständliche Pflicht zu erfüllen, dazu bei, die bedrängte Lage der kleineren Gemeinde« zu erleichtern. Das Kleid aber, in das wir unsere Einrichtungen gehüllt haben, werden wir wohl einfacher gestalten müssen. Wir haben die Reichsvertretung der deutschen Juden geschaffen, die unter ausgezeichneter Leitung unsere Angelegenheiten bei den zentralen Instanzen vertritt und eine reiche, segensreiche Tätigkeit auf dem Gebiete der Wohlfahrt und Wirtschaftshilfe entwickelt. Dringend nötig sind diese Bestrebungen, denn schwer lastet die Zeit auf uns. Da möchte ich an ein Wort des großen Bürgers dieser Stadt erinnern, dessen Sinn und Bedeutung wir vielleicht erst jetzt ganz verstehen. Jean Paul sagte einmal: „Was tuts? Nur weh." Wir wollen alle Schmerzen und Entbehrungen ohne Murren auf uns nehmen, wenn wir nur zwei Dinge uns bewahren können, eine bescheidene Zukunft unserer Kinder und die Erhaltung der geistigen und religiösen Kraft für unsere Gemeinschaft. Wir können für unsere Kinder nicht mehr sorgen, wie der jüdische Hausvater von Generation zu Generation für seine Kinder gesorgt hat. Aber voll Vertrauen sehen wir auf ein stolzes, willensstarkes, junges Geschlecht, das ungeachtet aller Entbehrungen und Leiden sein Schicksal trägt und überwindet. Hier steht im Vordergrund der Gemeinschäftsgedanke, der dem Gedanken der Ausbildung und Vervollkommnung der Einzelpersönlichkeit nunmehr abgelöst hat. Er kündet, wie ein Denker unserer Zeit es umschreibt, d!aß der einzelne nur soweit Mensch ist, als er dem Leben der Menschheit weiter hilft und dient und daß außerhalb dieser Funktion das Individuum der Natur gleichgültig ist. In unserer jüdischen Gemeinschaft ist dieser Gedanke durch ihre ganze Geschichte hindurch lebendig gewesen, wenn er auch entsprechend der allgemeinen Einstellung der Zeit in den letzten 100 Jahren zurückgedrängt war. Heute ist uns wieder vor allem klar geworden, daß die Gemeinde unser köstlichster Besitz ist, daß in ihr alle äußeren und inneren Kräfte einströmen und befruchtend auf die Allgemeinheit zurückfließen. , Das andere Gut aber, das die Fortdauer unserer Gemeinschaft bedingt, ist die Erhaltung ihrer geistigen und religiösen Kraft. Entgegen dem. Zuge der Zeit müssen wir den Geist hohchalten und in religiöser Verbundenheit das Gute pflegen und den Willen zum Guten üben, denn über alle Zeiten hinaus ist es der Weg allein, dier unsere Zukunft verbürgt. In dieser Zuversicht aber müssen wir wieder dazu kommen, den Lebenswillen unserer Gemeinschaft zu stärken. Denn ohne die Erhaltung der Zahl, ohne zureichenden Nachwuchs geht jede Gemeinschaft zugrunde. In diesem Gotteshause wurde gestern, wie einst bei der Weihe des Hauses, das Wort verkündet: Esch tomid tuikad al hamisbeach, lo sichibe: Ewig soll das Feuer auf dem Altar brennen, und nicht verlöschen. 175 Jahre hat das Feuer in diesem Gotteshause, in Ihrer Gemeinde gebrannt. Es möge in die Jahrhunderte glühen- unddie Wärme ausstrahlen, die wir brauchen, um unsere Eigenkraft zu pflegen und damit zu unserem Teil zur allgemeinen Bildung, Gesittung und Religiosität beizusteuern. — Schöne, gut geleitete und durchgeführte Chorgesänge und Soli umrahmten die Feier und erhöhten stimmungsvoll die Weihe. Die Leitung des Chors und der Begleitung hatte in liebenswürdiger Weise Frau Edith Wilmersdoerffer übernommen. Aus der Gemeinde München IWRIA Darlehenskasse in München Von den im Geschäftsjahr 1934 eingereichten 154 Darlehensgesuchen im Gesamtbetrage von 59 000 RM. konnten 130 mit 33 500 RM. bewilligt werden. Seit Bestehen der Kasse wurden insgesamt 250 Darlehen mit rund 70 000 'RM. gewährt. Am Jahresende 1934 wurden von 88 Darlehensnehmern rund 20 000 »NACH AAASS« in unserem Sinne: edle Stoffe und beste, nach M a ß t a r i f 1 entlohnte Schneiderarbeit. Unsere Maß - Anzug - Preise-. 145.- 165.- 185.- BAMBERGER »HERTZ die zuverlässigen Kleiderfachleute RM. geschuldet. Die Rückzahlung der Darleihen erfolgte befriedigend. Bisher ist nur ein Verlust von 56 RM. tatsächlich eingetreten. Weitere 650 RM. müssen als gefährdet bezeichnet werden. Die den Darlehensnehmern berechneten Verwaltungsunkosten — Zinsen dürfen aus religionsgesetzlichen Gründen nicht berechnet werden — reichen knapp zur Deckung der tat-, sächlichen Unkosten aus. Der Geschäftsbericht 1934 gibt nur ein unzureichendes Bild von den Nöten der jüdischen Geschäftsleute; dem Kundenkreis, der Kasse gehören fast ausschließlich Kleingewerbetreibende an, deren Kreditanforderung in der Regel 1000 RM nicht übersteigen dürfen. Gleichwohl läßt der Bericht erkennen, daß der wirtschaftliche Druck, der auf diesen Kreisen lastet, im vergangenen Jahre keine Minderung erfahren hat. Die Kasse sieht ihre Aufgabe darin, den Kreditsuchern, wenn es deren Verhältnisse nur irgendwie ermöglichen, mit Barmitteln auszuhelfen, oft auch nur durch verständigen Rat beizustehen oder wenn die Möglichkeit einer Darlehensgewährüng nicht gegeben' ist, wenigstens zu versuchen, die erlahmende Tatkraft anzuspornen. Mit Befriedigung kann festgestellt werden, daß dies/in zahlreichen Fällen gelungen ist. . . •. : Über einen wesentlichen Faktor, ohne welchen die Tätigkeit der Iwria schlechthin unmöglich wäre, ist dem Geschäftsbericht > nichts zu entnehmen. Es ist dies die hingebende, Verständnis-' volle Arbeit der Herren, welche die Geschäfte der Kasse: ehrenamtlich führen: Louis Auerbach, Felix . Feuchtwanger, Landgerichtsrat i. R. Max Haymann, Moses Schaller. Die beiden Erstgenannten versehen ihr Amt bereits seit Entstehung der Kasse; sie haben im wesentlichen die von zuständiger Besicht!

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