Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 7 (1.4.1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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148 Bayerische Israelitische Genieindezeitung Nr. 7 Das neueste Schrift anläßlich der 800. Wiederkehr seines Gel Es ist wieder der Schocken-Verlag, der durch nicht weniger als fünf, didaktisch und wissenschaftlich gleichmäßig gute und gediegene, auch preiswerte Veröffentlichungen seinen bekannten Leistungen eine neue bleibende Tat hinzugefügt hat. Wir müssen uns im Folgenden mit kurzen Inhaltsangaben und Hinweisen begnügen, zur ersten Unterrichtung. Der Verlag setzt den Ankündigungen seiner Maimonides-Literatur ein ausgezeichnetes Merkblatt über das Leben und Wirken des gefeierten jüdischen Meisters voran, das in gedrungener Knappheit das Gerüst der nötigsten Daten gibt und das zu den folgenden kurzen Bemerkungen über die neuesten Rambam- Bücher des Schockenverlages eine willkommene Ergänzung (auch für Lehrzwecke) sein dürfte. Rabbi Mosche ben Maimon, im jüdischen Sprachgebrauch nach den Namensinitialen Rambam, sonst häufig Maimonides benannt, ist die zentrale Figur des mittelalterlichen Judentums und zugleich einer der führenden Denker, die auf die mittelalterliche Scholastik eingewirkt haben. Seine Bedeutung beruht auf seiner Leistung als Philosoph, als Erklärer und Ordner der jüdischen Gesetzesliteratur und als Führer des Judentums seiner Zeit. Als Philosoph hat er die Auseinandersetzung zwischen dem biblischen Offenbarungsglauben und dem aristotelischen Weltbild vollzogen, das im ganzen Mittelalter — erst im islamischen, später auch im christlichen Kulturraum — die fast selbstverständliche Grundlage der Bildung war. Er tat das abschließend (1190) in seinem ursprünglich arabisch verfaßten, aber noch zu seinen Lebzeiten ins Hebräische übersetzten philosophischen Hauptwerk ..More Newuchim" (Führer der Verirrten). Die Absicht des Werkes wird durch seinen Titel bezeichnet. Es will denen ein Führer sein, die durch die scheinbaren Widersprüche zwischen dem wissenschaftlichen Denken und dem Wortlaut der Bibel irre geworden sind. Die Behandlung, die das in Wahrheit zu allen Zeiten fortbestehende Grundproblem hier erfährt, ist eine der klassischen Leistungen der Philosophie und hat auch außerhalb des Judentums eine nachhaltige Wirkung ausgeübt, insbesondere auf Albertus Magnus, Thomas von Aquino und Meute r Eckhart, für die „Rabbi Moyses Aegyptius" eine viel zitierte und noch geachtete Autorität ist. Im Judentum selber ist das Werk, seit es zuerst erschienen ist, das philosophische Buch gewesen, an dem alles Denken sich orientierte. Daneben steht das große Gesetzeswerk „Mischne Tora" (Repetition der Lehre), in dem die gesamten im Talmud und in den übrigen maßgeblichen Gesetzeswerken niedergelegten Verhaltensregeln systematisch zusammengefaßt sind. Dieses 1130 vollendete, im Original hebräisch verfaßte große Werk stellt nach der Absicht des Verfassers ein vollständiges Lehrgebäude des jüdischen Glaubens und des gläubigen Lebens dar. Eine Art Vorgänger dazu ist der in arabischer Sprache verfaßte, 1168 beendete Kommentar zur Mischna, aus dem besonders zwei Teile eigenen Ruhm erlangt haben: die ethischen „Acht Kapitel" (Einleitung zum Mischna-Traktat „Vätersprüche") sowie ein Abschnitt, der eine kurz gefaßte jüdische Glaubenslehre enthält und die Grundlage fürdie ins tägliche Gebet aufgenommenen „Dreizehn Glaubensartikel" geworden ist. Über Rabbi Mosche ben Maimon als Führer des Judentums seiner Zeit unterrichtet die verhältnismäßig große Anzahl seiner erhaltenen Briefe. Teils handelt es sich um Sendschreiben, die in schwierigen Lagen Zuspruch und Unterweisung spenden (am berühmtesten das „Schreiben nach Jemen"), teilr um Antworten auf Anfragen. MAGISTER KIRSCH der gute Likör, Magister München VII um über Rambam urfsfages am Vorabend des 1. Pesachfages In der zweiten Hälfte seines Lebens wohnte R. Mosche als Arzt des Hofes von Kairo und offizielles Oberhaupt der ägyptischen Judenschaft in Fostat (Alt-Kairo), wo er im Jahre 1204 starb. Die neuesten Bücher des Schocken-Verlags über Rambam rind folgende: Das Leben des Rabbi Mosche ben Maimon aus seinen Briefen und anderen Quellen. Mit einer biographischen Einleitung von Professor Ismar Elbogen. (Jüdische Lesehefte Nr. 5.) Broschiert 50 Rpf. Auf den 40 Seiten dieses Lereheftes sind autobiographische Äußerungen Rabbi Mosche ben Maimons und auch einige Mitteilungen alter Autoren über ihn zusammengestellt. Sie ergeben ein lebendiges und farbiges Bild seiner Persönlichkeit und unterrichten über die innersten Antriebe seiner Arbeit. Es ist zur ersten Information besonders geeignet. Einen Überblick über dargesamte Schaffen des Maimonides gibt der Doppelband der Bücherei des Schocken-Verlags (Nr. 27*): Rabbi Mosche ben M a imon. Ein systematischer Querschnitt durch sein Werk. Ausgewählt, übertragen und eingeleitet von Nahum Norbert Glatzer. In Pappe gebunden 2.50 RM. Die sehr geglückte Zusammenstellung, für die es in der umfangreichen einschlägigen Literatur kein Vorbild gibt, ist für diejenigen bestimmt, denen der Zugang zu den Quellen erschwert ist. Sie sollen durch dieses Buch das Werk des Maimonides in seinen wichtigsten Gedankengängen, insofern sie auch für unsere Zeit wegweisend sein können, kennen und verstehen lernen: seine Religionsphilosophie, seine Ethik, seine jüdische Pflichten- und Glaubenslehre. Daneben tritt der Bibelerklärer vor uns und der Führer der Judenschaft seiner Zeit, dessen Wirken durch Stellen aus Briefen und Sendschreiben sichtbar gemacht wird. Den Versuch, dem fernerstellenden Laien eine Einführung in die Grundgedanken des philosophischen Hauptwerks zu geben, unternimmt Alexander Altmann in dem Band: Des Rabbi Mosche ben Maimon MORE NEWU¬ CHIM (Führer der Verirrten) im Grundriß. Auswahl, Obertragung und Einleitung von Alexander Altmann. In Pappe gebunden 1.25 RM. (Bücherei des Schocken-Verlags Nr. 26). Das an und für sich sehr schwierige Buch ist hier im Grund riß ausgezogen, und zwar in solcher Weise, daß die Hauptgedanken für jedermann verständlich werden. Es mußte dabei natürlich auf die Einzeilauseinandersetzungen verzichtet werden, doch tritt die Grundlinie des Werks klar hervor. Die Übersetzung zeichnet sich durch besondere Flüssigkeit aus. Fritz Bamberger: Das System des Maimonides. Eine Analyse des More Newuchim vom Gottesbegriff aus. Kart. 6 RM., in Halbleinen 7.20 RM. Das Buch ist das Ergebnis einer längeren Forschungsarbeit, die im Auftrage der Akademie für die Wissenschaft des Judentunis unternommen wurde und der das Ziel gesetzt war, die schwierige Aufgabe einer kritischen Analyse des maimonädetischen Systems zu leisten. Die Darrteilung ist so gehalten, daß auch der interessierte Laienleser sie verstehen und sich aus ihr einen gründlichen Begriff von der Lehre des Maimonides bilden kann, zumal der Gottesbegriff der Mittelpunkt ist. in dem sich die verschiedenen Gedankenreihen der Philorophie des Maimonides treffen. Behandelt werden: die Attributenlehre, die Kosmologie, das Zweckpro'blem, Vorsehung und Prophetie. Das Buch ist all denen zu empfehlen, die sich ernsthaft und gründlich über die religionsphl'losophisclie Lehre des Maimonides unterrichten wollen. Leo Strauß: Philosophie und Gesetz. Beiträge zum Verständnis Maimunis und der jüdischen Religionsphilo.- sophie des Mittelalters. Kart. 6 RM., Halbleinen 7.20 RM.