Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 7 (1.4.1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 147 Körpers, zur Vervollkommnung seiner Seele durch die Tugenden des Charakters, zur Verlängerung seines Lebens, zur Annäherung an Gott und Hingabe an seinen Dienst. Und was hat er davon? Ewige Glückseligkeit! (Aus dem Sendschreiben an den Sultan al-Malik al-Afdal.) 3. Sage nicht, „Teschubah" sei nur bei Sünden, die in einer Handlung bestehen, erforderlich; etwa bei Unzucht, Raub oder Diebstahl, sondern gleich wie man bei diesen Teschubah tun muß, so muß man auch seine schlechten Eigenschaften prüfen und vom Zorn, Haß, Neid, von der Spottsucht, Geldgier, Ehrsucht und Unmäßigkeit usw. ablassem. Für alle muß man Teschubah tun. Ja, diese Sünden wiegen noch schwerer als böse Handlungen; nur schwer kann sich der Mensch von ihnen trennen, wenn er von ihnen beherrscht ist; so heißt es auch: „Der Frevler verlasse seinen Weg und der Mann des Unrechts seine Gedanken." (Jes. 55, 7.) (M. T.) 4. Groß ist die „Teschubah", denn sie 'bringt die Gottfernen Ihm nahe. Gestern noch konnte der Mensch von Ihm gehaßt unid vollkommen verworfen sein, heute — wird er schon innig von Gott geliebt, er ist Ihm nahe und wird sein Liebling. (M.T.) 5. Der Mensch darf nicht hartnäckig sein, indem er sich nicht besänftigen lassen will; er sei vielmehr' leicht zu versöhnen und schwer zu erzürnen. Wenn man ihn um Verzeihung bittet, so verzeihe man gern und aus willigem Herzen. Selbst dann, wenn einem viel Unrecht zugefügt worden ist, soll' man sich nicht rächen und nichts nachtragen. So zu handeln ist jüdische Art. (M. T.) 6. Der Mensch soll viel schweigen. Er rede entweder ein Wort der Weisheit oder Dinge, die zum täglichen Leben nötig sind. Von Rab, einem Schüler von Rabbi Jehuda Hanassi, erzählt man, daß er niemals ein unnützes Gespräch geführt habe. — Der Mensch mache nicht einmal bei den Dingen, die das tägliche Leben erfordert, viel Worte. Auch bei Thora und Wissenschaft seien der Worte wenig, aber es sei viel des Inhalts. (M.T.) 7. Der Mensch soll sich nicht an Schmeichelworte und glatte. Reden gewöhnen; im Munde sei nichts anderes, als was im Herzen ist; das Innere sei vielmehr wie das Äußere; nur was man im Herzen sucht, soll man aussprechen. (M. T.) 8. Acht Stufen der Wohltätigkeit gibt es; die höchste nimmt der ein, der einen Verarmenden stützt, indem er ihm ein Geschenk oder Darlehen gibt oder gemeinsam mit ihm ein Geschäft unternimmt oder ihm Beschäftigung nachweist. Man soll den Verarmenden stützen, bis er keinen anderen Menschen mehr braucht. (M. T.) 9. Die größten unserer Weisen gaben vor jedem Gebet einem Armen eine Gabe; dann erst beteten sie, gemäß dem Schriftvers: ich will in. Gerechtigkeit (Wohltun) Dein Antlitz schauen. (M. T.) 10. Wer für das Wohl der Gesamtheit wirkenwill, darf vor keiner Gefahr zruückschrecken. Die göttliche Vorsehung wird ihn in der Erfüllung frommer Werke schützen. (Iggeret Teman.) 11. Die göttliche Lehre, die wir in Händen haben, hat uns von jeher Feinde gemacht, und man hat stets gestrebt, uns von ihr abtrünnig zai machen. Wir haben in allen Zeiten gelitten und unsere Nöte sindnicht geringer geworden. Weil sie eine Lehre der Wahrheit ist, müssen wir für sie dulden. Die Leiden werden uns nicht erdrücken; wie viele Feinde sich auch gegen uns erhoben, sie sind zunichte geworden. Israels Name aber wird für immer bestehen. Die Leiden sind für uns eine Prüfung und es ist uns ein Ruhm und Stolz, daß wir in ihnen bestehen. .(Iggereth Teman.) 12. So wenig es möglich ist, daß Gottes Existenz aufgehoben wird, so wenig können wir zugrunde gehen und von der Welt vertilgt werden. (Iggereth Teman.) 13. Der endgültige Lohn und das letzte, unendliche niemals aufhörende Glück ist das Leben in der zukünftigen Welt. Die messianischen Zeiten aber werden auf dieser Welt sein. Die Welt wird ihren Weg weitergehen, nur wird wieder Selbständigkeit und Herrschaft Israel zufallen; wie die alten Weisen sagten, der Unterschied zwischen dieser Welt und den messianischen Zeiten ist nur das Aufhören der Bedrückung (Israels) durch die Völker." (M. T.) 14. Glaube nicht, daß in den messianischen Zeiten etwas vom Lauf der Welt aufgehoben oder daß es etwas neues in der Schöpfung geben wird. Die Welt wird ihren Gang weitergehen. Jene Verheißung des Propheten (Jes. 11 e): „Der Wolf weilt beim Lamm und der Panther lagert beim Böcklein" — ist nur ein Gleichnis. Es bedeutet, daß Israel sicher unter den Völkern wohnen wird. Alle Menschen werden zur wahren Religion sich bekennen, werden nicht rauben, nicht verderben, sondern das Erlaubte in Recht gemeinsam mit Israel genießen. .....Die Weisen und Propheten haben die Tage des Messias nicht ersehnt, um über die Welt zu herrschen, die Nichtjuden zu unterwerfen oder damit die Völker sie erheben, nicht um zu gewinnen, zu essen und zu trinken, sondern um sich für die Erforschung der Thora und der Weisheit hinzugeben, ohne daß jemand sie bedrängt oder stört, um des ewigen Lebens teilhaftig zu werden. In jenen Zeiten wird es keinen Hunger, keinen Krieg, keinen Neid geben. Das Gute wird sich ausbreiten; die ganze Welt wird sich um nichts anderes sorgen als um die Erkenntnis Gottes. Darum werden die Menschen aus Israel große Weise sein, verborgene Dinge erfassen und, nach dem Maß menschlicher Erkenntniskraft, ihren Schöpfer erkennen, wie es heißt (Jes. 669): „Die Erde wird der Erkenntnis Gottes voll sein wie Wasser den Meeresgrund bedecken." (Ende der Mischneh Thora.) L. B a e r w a l d. Veranstaltungen des Jüdischen Kulturbundes i. B. In Hänchen: Donnerstag, 4. April Museum: Rezitationsabend Otto Bernstein, Dresden 11. April Synagoge Herzog-Max-Strasse: Symphoniekonzert des Sinn ebner Kulturbund-Orchesters In Augsburg: 14. April Synagoge: Symphoniekonzert des Münchner Kulturbund-Orchesters