Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 7 (1.4.1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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146 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 Noch trostloser ist die Schilderung der in der Zeit verbreiteten Glaubensmeinungen. Auch da ist die Wirkung der Religionsphilosophie nicht allzu tief gegan-v gen oder sind die spanischen Gemeinden mit ihren philosophisch Gebildeten zersprengt oder vernichtet, zum Teil nach Südfrankreich geflohen und dort an der Arbeit, das philosophische Erbe durch Übertragung in die hebräische Sprache zu retten. Während man aber in Lunel sich in diese Studien versenkt und Maimonides tiefes Verständnis entgegenbringt, quält man sich in Nachbargemeinden mit Fragen der Sterndeutung, der Beeinflussung der Geschicke der Menschen durch die Planeten und der Möglichkeit, sich ihrer Wirkung zu entziehen. Im Orient hat der Gelehrte noch ganz andern Irrglauben kennen gelernt, der die Gotteslehre selbst betrifft. „Ich bin einem Mannne begegnet," so schreibt er in seinem Traktat über die Auferstehung, „der zu den Gelehrten in Israel gezählt wurde, auch wirklich in der Lehre gut Bescheid wußte, mit der er sich von Jugend auf beschäftigt hatte, der aber doch sich nicht ganz darüber im klaren war, ob Gott körperlich aufzufassen wäre, wie man das vielfach der Schrift entnehmen kaim, oder nicht. Andere wieder habe ich in anderen Ländern getroffen, die ganz und gar davon überzeugt waren, daß er körperlich zu denken war, und jeden für einen Gottesleugner erklärten, der das Gegenteil glaubte, ihn einen Ketzer und Abtrünnigen nannten. Als ich diese Menschen in ihrer geistigen Verkommenheit kennen lernte, die sich für weiser halten, in Wirklichkeit aber zu den übelsten Toren gehören und mehr in die Irre gehen als das Vieh, und ihren Kopf voll haben von dem Geschwätz und den Phantasien alter Weiber, erkannte ich die Notwendigkeit, die Grundlehren unseres Glaubens zur Darstellung zu bringen." Hier war der Punkt, an dem Maimonides verwundbar war, hier wurde er zum Streiter, hier verließ ihn seine Abklärung, hier wurde der Aufklärer in ihm lebendig und kämpferisch. Daß die.Menschen die volkstümlichen grobsinnigen Anschauungen von Gott nicht aufgeben, daß. sie alle abergläubischen Folgerungen daraus ziehen, das schmerzte ihn tief, und das wollte er nicht dauernd hingehen lassen. Diese Beobachtung machte ihn zum Schriftsteller, er wollte nicht Stubengelehrter bleiben, sondern Volkslehrer werden, die Anschauungen und die Sitten des Volkes verbessern und es bis zum heroischen Bekennen dieser Lehren führen. Aus den Werken 1. Der letzte Grund und die Basis aller Erkenntnis ist, klar zu erkennen, daß es ein ewiges Wesen gibt, das alles geschaffen hat (Anfang von Mischneh Thora M. T.) 2.1 Mit Recht nennen die Philosophen die Güter der Welt und. ihre Übel imaginäre Güter und imaginäre Übel. Denn 1 Dies Stück ist dem soeben in der Schocken-Bücherei erschienenen Auswahlbändchen „R. Mosche b. Maimon, ein Ouerschnitt durch sein Werk" von N. Glatzer entnommen. Dies Bändchen und die auch jetzt erscheinende von A. Altmann besorgte Auswahl .aus d'en More Nebuchim und das von J. Elbogen mit Quellen-Auswahl geschilderte „Leben des Mosche b. M." ermitteln eine anschauliche und. leicht faßliche Einführung in Leben und Werk des Maimonides. Auf die Übersetzung von „Hilchoth Theschuwoh" und „Hilchoth Deoth" von B. S. Jacobson (Hermon Verlag) sei gleichfalls als auf einen leichten Zugang zu Maimonides hingewiesen. ö^iru rt-im neben wiTfl oyi Duo ov wrä dj? mian »p-ßD pisSs ruinnyHV ini< ym u o'J»^dS S'^ni 13 i*ttu> nnr niSan Sj u SSa? tj/pi yvn noipru oro -)p»o orot ta ir>x owojm mwn 'pioe Sa wo oj mn nuKon SSoa cnJri ju> "JDfti -\ns jnSco?<n< \sp> pfppu?nip3j5u?i ob .-puffa nbVbp iprftfj» |nfwp|n>rno'ff»Jr» Vb'P tp'SfyfoiDPJWJBnj wnS>ip<t>3i pjcjoiijj ptmjbiu) wb/ptbritia ctbI^WP WC J!»fr BV p'j)7 ipOV-3(>-55 CW70 rtKTJ'U Titelblatt der klassischen Ausgabe des „Moreh-Nebuchim" in der hebräischen Übersetzung von Samuel ibn Tibbon. Venedig 1551. Wenn wir Maimonides für seine Meisterwerke und seine noch heute anregenden Gedankengänge tiefsten Dank schulden, so sind wir ihm für sein Wirken auf die Gesamtheit nicht minder verpflichtet. Die große menschliche Selbstüberwindung, die ihm die Feder geführt hat, ist innerhalb der Judenheit voll gewürdigt worden, sie hat es bewirkt, daß trotz allem Widerspruch gegen sein Werk der Name des Moses Maimonides unsterblich ist und bleibt in unserer Mitte, daß „von Moses bis Moses keiner so hoch geschätzt wird wie Moses". I. Elbogen des Maimonides siehe, wieviele unter den Glücksgütern gibt es, l>ei denen man meint, es sei ein Glück und es ist in Wirklichkeit ein Unglück, und wie viele unter den Übeln gibt es, von denen man meint, es sei ein Übel und es ist in Wirklichkeit etwas Gutes! Wie oft wird einem ein großes Vermögen zuteil, .und wie oft erhält er eine wichtige Machtstellung, und gerade das ist der Grund zur Verderbnis seines Körpers und zur Gewöhnung seiner Seele aai Verschlechterung des Charakters, zur Verkürzung seines Lebens und zur Entfernung von Gott, erhoben sei er, und Entfremdung zwischen ihm und seinem Schöpfer. Und was hat er davon? Ewige Verdammnis! Und wie oft verliert jemand sein Vermögen, oder wird einem die Herrschaft genommen, und das gerade ist der Grund zur Stärkung seines