Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 7 (1.4.1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 145 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Pesachtages — Ein russisch-deutscher Rambam — Erinnerung an zwei ältere Arbeiten der Maimonides - Forschung — Bayreuther Erinnerungsfeier — Aus der Gemeinde München — Aus bayerischen Gemeinden — Aus der Gemeinde Bamberg — Jüdischer Tumu. Sportverein — Jüdischer Kulturbund in Bayern — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über die Wahlen zur Gemeindevertretung 1935; Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: Bekanntmachung über Ausdehnung des Gebietes der Israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen auf das Gebiet der politischen Gemeinde Kleinerdlingen — Personalia. Zum Ruhme des M aimomaes id Zum 800jährigen Geburtstag von Moses Maimonides, der mit seiner genialen Zusammenfassung der jüdischen Pflichtenlehre und seiner Religionsphilosophie (in dem' Hauptwerk „More Newuchim", d. i. „Führer der Unentschlossenen") aufs nachhaltigste das Judentum der letzten anderthalb Jahrtausende beeinflußte, werden an den Pesachvortagen in der ganzen Welt Gedenkfeiern veranstaltet. Die Gemeinde München hat am 28. März in einer eindrucksvollen Feierstunde in der Synagoge des großen jüdischen Lehrers gedacht. Professor Ismar Ellbogen entwarf in einem Festvortrag ein Bild von Leben und Lehre Maimunis; dem Vortrag ging ein Orgelpräliu'dium voran. Nach dem Vortrag sang der Synagogen- Chor unter Leiturtg von Kapellmeister Ziegler „Jigdal", die poetische Bearbeitung der Rambam'schen Glaubenssätze. Professor Elbogen hat der Gemeinde-Zeitung auf Bitte der Schriftleitung den folgenden- Aufsatz als Ergänzung des Vortrages zur Verfügung gestellt. Als Abraham Geiger 1835 an den bevorstehenden 700. Geburtstag des Moses Maimonides erinnerte, hatte dieser Hinweis so gut wie gar keine Resonanz. Heute weckt die Geburtstagsfeier in der deutschen Judenheit eine allgemeine Bereitschaft, dem Genius zu huldigen, dessen Geistestaten wir und die Welt so viel verdanken. Das ist die Bekundung des starken historischen Bewußtseins, das sich im Verlauf des Jahrhunderts gebildet hat, und wenn man — zum Teil mit Recht — so viel an diesem Jahrhundert tadelt, soll man auch dieses Aklivüm nicht verkennen. Das Echo der Feier bezeugt aber auch, wie lebendig die Gestalt des Maimonides auch heute ist. Es erübrigt sich, an dieser Stelle noch von seinen überragenden Werken und ihrer weltweiten Wirkung zu sprechendes erübrigt sich auch, der unsagbar schwierigen persönlichen Verhältnisse zu gedenken,, unter denen sie entstanden sind. Ihrer vollen Größe wird man erst bewußt, wenn man sich den Hintergrund vergegenwärtigt, von dem sie sich abheben, auf dem Moses Maimonides wie ein Riese erscheint, der unter Zwergen herauswächst. Wir stellen uns seine Epoche als eine Blütezeit der jüdischen Literatur vor, und sie hat fraglos Spitzenleistungen aufzuweisen. Wir machen uns nur selten klar, wie wenig tief die Wirkung solcher reicht, und vergessen, welch verheerende Folgen die Auflösung der Gemeinden und das Aufhören der Lehrhäuser nach dem Einfall der Almohaden in Spanien gehabt hat. Maimonides stellt das geistige Gesicht des Judentums gegen Ende des 12. Jahrhunderts wie folgt dar: „Wisset, so schreibt er um 1195 in die Provence, daß in dieser Notzeit nirgends Menschen übrig geblieben sind, die eifrig Bi'bel und Talmud studieren, außer Euch und den Städten in Eurer Umgebung. Von Euch weiß ich, daß Ihr regelmäßig Eure Lehrhäuser tagen laßt, daß Ihr Menschen von Einsicht und Weisheit seid. In unsern östlichen Mittelmeerländern ist die Tora vollständig geschwunden, die meisten großen Länder sind tot, ein kleiner Teil in der Agonie und etwa drei oder vier Orte in Palästina nur krank. In ganz Syrien ist Aleppo der einzige Ort, der noch einige Gelehrte birgt, die sich mit der Tora befassen, aber keineswegs für sie aufopfern. In der ganzen mesopotamischen Gola sind nur zwei, drei Körnchen übriggeblieben. Im Yemen und den arabischen Bergfesten beschäftigen die Leute sich wohl ein wenig mit dem Talmud, sie tun es aber nur um des Verdienstes willen. In jenen Gegenden haben einige hochherzige Männer die Mittel aufgebracht, drei Exemplare meines Mischne Tora zu erwerben, sie haben je eines in einer Provinz verteilt, und er hat die Augen der Leute erleuchtet und ihr Verhalten verbessert. Bis nach Indien wirkt sich das aus, denn die Juden-in Indien kennen nur die geschriebene Tora, wissen nichts von der Religion, bis darauf, daß sie den Sabbat und die Beschneidwng beobachten. Was im Magreb um unserer Sünden willen geschehen ist und über' uns verhängt ist, das ist bekannt, es bleibt uns keine andere Hilfe, als bei Euch, meine Brüder, Ihr seid diejenigen, welche das Erbe zu erhalten haben." Das ist ein trübes Bild, nicht gezeichnet, um die eigene Leistung hervorzuheben, sondern aus ernster Besorgnis um die Zukunft der jüdischen Lehre.