Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 6 (15.3.1935)
- Date
- 1935-03-15
- Page
- Seite 124 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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124 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 Und höhnt uns nicht: „rückständig", da ihr nicht den naiven Mut findet zur Neugestaltung dieser schnöden abgestandenen Welt, auf einer Grundlage der totalen Gatteshörigkeit, wie sie Gesetz und Lehre nur erzeugen können. Nur Brüder körinen solchermaßen zu euch sprechen. Nicht Prediger, Einsiedler oder Verbohrte. Brüder rufen euch, suchen euch. Aus der Gemeinde München Israelitische Kulhisgemeinde München Trauergottesdienst in der Hauptsynagoge zu Ehren der im Weitkrieg Gefallenen Der diesjährige Trauergottesdienst findet Sonntag, den 17. März 1935 vormittags 10 Uhr in der Synagoge Herzog-Max- Straße statt Maiinonides-Feier Anläßlich des in der ganzen Welt festlich begangenen 800. Geburtstages von Moses Maimo.nides, des großen jüdischen Religionsphilosophen, findet am Donnerstag, den 28. März, abends 8.15 Uhr, in der Synagoge Herzog-Max-Straße, eine Religiöse Feierstunde statt, in der Professor Elbogen (Berlin) den Festvortrag über Moses Maimonides halten wird. Näheres, auch über, die musikalische Umrahmung im Programm, gegen dessen Lösung (20 Pfg.) der Vortrag zugänglich ist. Ausstellung der Jüdischen Volksschule Die bereits angekündigte Ausstellung von Schülerarbeiten aus dem Zeichen- und Handfertigkeitsunterricht findet vom Sonntag, den 2 4., bis einschließlich Mittwoch, den 2 7. März, statt. Am Eröffnungstage ist die Ausstellung von vormittags 10 Uhr bis nachmittags 4 Uhr geöffnet, an den übrigen Tagen jeweils von 10—1 Uhr und von 3—6 Uhr. Reichsbund jüd. Frontsoldaten Landesverband Bayern Ortsgruppe München. Am Sonntag, den 17. März, ist der Tag der Helden- Gedenk-Feier. Aus diesem Anlaß wird eine Abordnung unserer Ortsgruppe, um 9 Uhr vomittags, am Gefallenendenkmal im Neuen Isr. Friedhof, Ungererstraße, einen Kranz niederlegen. Wir laden zu dieesr Feier ein. Im Anschluß daran versammeln sich die Mitglieder unserer Ortsgruppe, 9.45 Uhr, im Hofe der Synagoge, Herzog-Max-Straße 7, um an der Trauerfeier in der Synagoge um 10 Uhr teilzunehmen. Am Montag, den 18. März, findet in der Gaststätte Schwarz, Schlossersraße 2, kameradschaftlicher Abend statt. SCHUHHAUS M. FLEISCHMANN MÖNCHEN, THEATINERSTRASSE 17 Spezialität, 8 a LLY- SCHUHE Am Montag, den 1. April, um 20 Uhr, veranstaltet die Ortsgruppe einen Vortrag für die Mitglieder der Gemeinde im großen Museumssaale, Promenadestraße 12. Herr Dr. Hans Joachim Schoeps aus Berlin wird über. „Deutsch-Jüdische Besinnung" sprechen. Eintrittskarten für Nichtmitglieder 75 Pfg., für Mitglieder 50 Pfg., für Jugendliche 25 Pfg. Vortrag von Schoeps am 2. April Am Dienstag, den 2. April spricht Herr Dr. Hans Joachim Schoeps als Beginn einer Reihe theologischer Vorträge im Ar-, beitskreis der jüdischen Jugendiverbände über Christliches Dogma und jüdischer Glaube. Der Vortrag findet um 20.15 Uhr im Sitzungssaal der Isr. Kultusgemeinid'e, Herzog-Max-Straße 7, statt. Kiarten zu 50 Pfennig an der Abendkasse und in der Ewer-Buchhandlung. Zu den Vorträgen von Hans Joachim Schoeps Die Münchener Gemeindemitglieder werden in kurzer Zeit (am 1. April im großen Museumssaal innerhalb der Veranstaltungen des Frontbundes) Gelegenheit haben, eine vielumstrittene Persönlichkeit, den jungen Schriftsteller Hans Joachim Schoeps, den Herausgeber des .„Vortrupps", hier zu hören. Wir haben schon vor zwei Jahren zu der Arbeit von Schoeps, „Jüdischer Glaube in dieser" Zeit" (Prolegomena zur Grundlegung einer systematischen Theologie des Judentums) eingehend kritisch Stellung genommen. Schoeps hat damit ein ungeheuer schweres Problem mit nicht zureichenden Kräften anzugehen versucht. Das Christentum, losgelöst von einem bestimmten Stamm oder Volkstum, kann die Beziehung von Gott und Welt in einem theologischen System unbekümmert um ein begrenztes historisches Einzelvolkschicksal einfangen. Dagegen bleibt eine „Theologie" des Judentums, das mehr ist als ein Glaubensbekenntnis, immer höchst problematisch. Das sehen wir an unserer klassischen jüdischen Religionsphilosophie, von der in diesen Tagen anläßlich der Maimonides-Feiern so viel die Rede ist: Hier geht es in der Tat um echte „Theologie", eine universal gemeinte Gottes- und Weltanschauungslehre. Aber der Bau dieser Lehre ist merkwürdigerweise fast unabhängig von dem eigentlichen jüdischen Anliegen, der religiösen Pflichtenlehre, dem System des Religionsgesetzes, errichtet, obwohl doch unbestritten eben dieses Gesetzessystem, das Halten der Gebote, auch für die philosophischen Persönlichkeiten selbst der Schwerpunkt des Judentums und der eignen Frömmigkeit bleibt. „Morenebuchim" und „Mischne-Tora" widersprechen sich zwar nicht, ergänzen sich aber auch nicht, bilden überhaupt nicht Teile eines aufeinander abgestimmten, sich gegenseitig fordernden Ganzen. An Stelle der Kirche steht nun einmal' im Judentum das Volk als der unmittelbare Träger der historischen Offenbarung. Schoeps' „jüdische Theologie" hat jedenfalls die. einmütige Ablehnung aller jüdischen Richtungen erfahren. Aber Schoeps ist in der Zwischenzeit sichtlich gewachsen. Seine vor Kurzem erschienenen beiden Schriften „Wir deutschen Juden" und „Wille und Weg des deutschen Judentums" machen sich die Sache viel schwerer als der Zionismus oder der Liberalismus. Weder Assimilation, noch Dissimulation, sondern Selbstbesinnung auf die eigene religiöse Art, also Wiedergewinnung einer Beziehung. zum Metaphysischen und zum jüdischen Gesetz, das scheint die Forderung von Schoeps! Ein stark betontes Bekenntnis zum Deutschtum, verbunden mit einer strengen Beobachtung der Pflichtenlehre im traditionellen Sinn! Der — man muß es zugeben unermüdlich, mit heißem Bemühen erarbeitete — Standort von Schoeps deckt sich auch nicht annähernd mit irgendeiner der bestehenden politischen oder religiösen jüdischen Richtungen. Auf ihr eigenstes Gebiet