Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 6 (15.3.1935)
- Date
- 1935-03-15
- Page
- Seite 123 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 123 Es war im ersten Jahre der geschichtlichen Abrechnung Gottes mit seinem Volke, da wurden vier Fürsten der Thora, in rascher Aufeinanderfolge, der jüdischen Welt entrissen: Der Heilige von Radin, der Gotteskämpfer von L u b 1 i n, der Gaon von Hebron und der Gerechte von G o r t k o w. Der eine sehnte sich zu sehr nach dem Messias und fand nicht mehr zurück in diese Welt. Und der andere, der Baumeister, mußte Rechenschaft ablegen vor seinem König über die Gottesburg, die er befestigt. Der Dritte fand heim zu seinen erschlagenen Schülern, die den Meister zu sich ins .Lehrhaus abberufen. Und der Letzte, der Gütige, träumte Jisraels Glückstraum und wollte nimmer erwachen. Die Größten ihres Geschlechts, die Säulen des Gottesstaats, — Leuchten ,der Gelehrsamkeit, Priester und Heerführer der Nation. Die Gesandten Gottes wurden zurückgezogen, weil Kriegszustand herrscht zwischen Gott König und Jisrael. Merkt man dies alles nicht? Erschütternde Niederlage Jisraels, da die Generäle uns gefallen sind. Gottes Mund spricht zu uns, tausendfältig tönend und wiederdröhnend in den Wirren der Zeit. Wer furchtet nicht, wenn der Löwe brüllt? Gott ruft, wer würde nicht zu seinem Sprecher? Doch Gott ruft und alle — schweigen. Man darf nicht anklagen, flüstert man, raunt es sich zu. Mit scheuem Seitenblick auf Gottes strafende Kräfte, die er zur Züchtigung gegen uns auslöst und abgesandt hat. Man blickt in den allzustrengen Zerrspiegel der erziehenden Gottesboten und findet die Schuld bei den Andern. Doch wir, meine Brüder, wir wollen nicht schweigen! Niemals mehr. Soll man uns auch schelten: Dunkelmänner und Verstockte, soll man uns „weltfremd", „unduldsam" fluchen. Nur nicht mehr abfinden wollen mit all dem Abfall, mit Assimilation und Verzerrung. (Und mit Mischehen, Geburtenregelung, Familienleben — Unheiligkeit! Und mit Sabbatschändung, Genußentweihung und Trieblichkeit! Und mit Leugnung, Vergötzung und Heidentum!) Brüder, die ihr uns verkennt, auch ihr seid Juden, Söhne jüdischer Mütter, Glieder von Gottes Nation. Wir lieben euch, wie man nur Brüder liebt. Aber euer thorafremdes, thorafeindliches Leben, eure gottfremde, gottfeindliche Kultur, die hassen »NACH MASS« m unserem Sinne: edle 5toffe und beste, nach Maßtarif \ entlohnte Schneiderarbeit. Unser© Maß-Anzug-Preise: 145.- 165.- 185.- BAMBERGERs HERTZ die zuverlässigen Kleiderfachleute wir mit dem ganzen unverstellten Ungestüm, dessen wir fähig sind. So wie nur — Brüder hassen können. Denn — ohne daß ihrs oft wollt — Treubruch, Abfall und Fahnenflucht vor Gottes Offenbarung sind die Errungenschaften eures Strebens. Meist trägt sträfliche Unkenntnis, selten schlechter Wille, schuld an eurem Krüppeltum. Falsch erzogen, unrichtig belehrt, gedankenlos angewiesen, — nicht euch, doch eure falschen Propheten und Ratgeber, euer Führertum trifft Schuld und Verachtung. Heißt uns nicht hochmütig — denn der größte Hochmut ist bei denen, die das Joch Gottes abschütteln vom Nacken, unwillig und selbstisch. Heißt uns nicht unduldsam — denn wer ist unduldsamer als die, welche die Autonomie des geschichtlichen Judentums durch geldlichen, gesellschaftlichen oder politischen Druck untergraben. Besser ein Fanatiker zu sein für Gottes Idee, als für die eigene. Scheltet uns nicht lieblos — da wir mit blutendem-Herzen Fäulnis, Gift und Eiter ausätzen möchten aus gemeinsamem Leben, dem eurer? und dem unsren. Wir lieben euch, mehr als ihr uns liebt, kranke Brüder Jisraels. — Wir kennen nur kein Paktieren zwischen Wahrheit und Lüge. Für uns ist nur e i n Licht da, und das ist Gottes Licht: Offenbarung und Verpflichtung. Fanatisches Ringen des Lichtes wider die Verfinsterung. Darum ruft uns nicht Finsterlinge. Münchner Veranstaltungen des Jüdischen Kulturbundes i. B. 20. März Museum: Konzert des Frey-Quartetts Berlin (Streichquartett) 85. März Museum: Konzert Münchner Künstler 4. April Museum: R zitationsabend Otto Bernstein, Dresden 11. April Synagogo Herzog-Max-Mtrasse: Mymphoniekonzert des Münchner Kulturbund Orchesters