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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-03-15 · 6 (15.3.1935) · p. Seite 122

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
6 (15.3.1935)
Date
1935-03-15
Page
Seite 122 (sequence 6)
Language
German
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122 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nn 6 Bekenntnis Von Simon Schwab, Ra! 1. Mein Volk — Mein liebstes, mein ärmstes Volk —- Einer Deiner allerjüngsten Söhne ruft'Dich. Wo bist Du nur zu,finden? Jisrael, Gottes Nation! Wo bist Du'? Wo? Die Sehnsucht nach Dir macht mich trunken, treibt mich zu Dir. Mein Volk —, Einst warst Du die Reinste unter den Nationen, wardst Gottes Volk genannt, und alle Deine Kinder waren Schüler Gottes. — Wie demütig war sie, Deine Jugend, wie züchtig Deine Töchter. Wie heroisch ^standhaft Deine Männer, wie mütterlich rein die Frauen, wie erhaben, erschütternd Deine Greise. Wie mutig waren Deine Kämpfer, Jisrael, wie heilig Deine Seher, wie weise Deine Meister, immer unerschrocken Deine Führer. Wie treu Deine Gemeinden, 'Gottes Festungen und Burgen; wie inbrünstig Deine Märtyrer, Gottes Künder und Priester. Und Deine Gesalbten, Deine Gekrönten, Deine Helden und Deine heiligen Sänger. Du, mein armes, zerzaustes Volk. Ich möchte zu Dir finden, mich eingliedern in Deinen Kreis, letzter Diener werden an Deinem Heiligtum. So wie Deine Thora Dich geschaffen, wie Deine Priester Dich erzogen, Deine Richter und Herrscher Dich geführt, Deine Rabbinen Dichs gelehrt hatten. Ganz so will ich Dich finden, geschart um Gottes Offenbarung, bebürdet mit Gottes Joch, beglückt durch Gottes Weisheit. Auserkoren aus dem Schoß der Menschheit warst Du, Priesterreich zu sein und heilige Nation. Gottes Willen zu leben, Gottes Recht zu pflegen auf der Erde. Der Menschheit Garten zu bestellen war Dir messinnische Mission. — Mein unglückliches Volk — Du bist mir Heimat und Ursprung, bist mir Schicksal und Berufung. Ich sehe Dich im Rückblick der Vergangenheit und in der Vorausschau der Zukunft. Dein längst verklungenes und dennoch keimendes Leben. Doch in der Gegenwart, mein Volk, in der Gegenwart! Ich suche Dich. Doch Du — läßt Dich nicht finden. Soll mein einziges Volk nicht mehr Raum haben in der Geschichte der Tage? Wohin hast Du Dich geflüchtet. Du Strahlende, Du Einsame? — Gar wild sind sie mit Dir umgesprungen die Stürme der Zeiten, des fliehenden Wechsels, — das brandende 1 Aus der soeben (im Hermon-Verlag in Frankfurt a. M.) erschienenen Schrift „Heimkehr ins Judentum" (153 Seiten) geben wir das charakteristische Anfangsstück hier wieder. bbin er in Ichenhausen Auf und Nieder der Entwicklung. Was Wunder, daß Dein Schein erblaßte, die Kraft Dir erlahmte, Deine Inbrunst verglomm. Was haben sie aus Dir gemacht, mein verirrtes, mein ertrinkendes Volk? Wie haben sie alle an Dir herumgepfuscht und laboriert, die Neunmalklugen, . die Besserwisser, die Scheinheiligen und die Lüsternen. Müd' bist Du geworden, welk und todesmatt, Du Gequältes, Unverstandenes. Hast Dich tapfer gewehrt, willst nun die Waffen strecken, Du und Deine Fürsten, Deine Getreuen, Deine wehrhaften Schildträger, Jisrael. Du Krankes, Zermürbtes, Vergrämtes. — Ausschließlich Gottes Volk zu sein, war Dir Beruf und Ziel, Unantastbare, — unter die Nationen nie eingereiht, solltest Du einsame Straßen gehen über Gottes Erde. Stärke und Stolz nur aus Dir selber schöpfen. Vorausgehen einen Weg, den die messiänischc Menschheit einst Dir nachpilgern möchte. Wohin bist Du irregegangen, mein Stamm, taumelnd, torkelnd, trunken? W o h i n? Bekenn es doch, Jisrael! Nur wenige Getreue Dir hörig blieben, die noeb besessen sind von Gott und Thora, von Demut, Lieb' und Furcht durchglüht, die noch durchzittert sind von Weh' und Scham über Zersetzung, Fälschung Deiner rechten Urnatur. Hüllt euch in Trauer, ihr Treugebliebenen! Wegen der fahnenflüchtigen Soldaten Gottes. Hüllt euch, in Trauer, ihr hungernden Thoraschüler, ihr darbenden Meister. Und ihr Rückständige, Einseitige, Isolierte, Unverstandene. Klagt über Zerfall und Entartung der Söhne und Töchter meines Volkes. Nicht ihr Zerklüftete, Schwankende; sondern ihr Unzweifelhafte, ihr ganz und gar Eindeutige, nur ihr — Tragbalken der Nation. Doch mein ganzes großes Volk?? Äste brechen, Zweige knicken, Strünke dorren, Blätter welken, Früchte faulen, — doch der S t a m in bleibt, knorrig und trutzig. Doch die W u r z c 1 bleibl, saftvoll eingegraben und verwachsen. Stamm und Wurzel überdauern Schicksal und Entwicklung, wenn Much die Todkrankheit am Wachstum nagt. Nur Einzelne halten noch die Front Gottes. Stammjuden, Wurzeljuden. Doch mein ganzes großes Volk?? Ich geh' mein Volk suchen. Wo bist Du Jisrael?! Antwortest Du nicht, weil nur einer Deiner Unreifsten Dich gerufen? Seit 1845 H A I M A N N am Schillerdenkmal zeigt aparte, preiswerte ■ '..■■) Neuheiten in Seide und Wollstoffen^

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