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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-03-01 · 5 (1.3.1935) · p. Seite 99

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
5 (1.3.1935)
Date
1935-03-01
Page
Seite 99 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5 Bayerische Israelitische Gemeindezeitimg 9» verwirklichen, statt glauben zu lassen, daß es in geheimer und verdächtiger Weise besteht. Wenn der jüdische Weltkongreß Wirklichkeit sein und der Welt seine genau bestimmten Ziele bekanntgegeben wird, dann wird man genötigt sein, die Reinheit und Aufrichtigkeit unserer Absichten anzuerkennen. Welche sind nun diese von dem Kongreß angestrebten Ziele? Die Würde und das Leben derjenigen von uns zu verteidigen, die gefährdet sind, und vor allem tiefgehend dahin zu arbeiten, daß in unserem Volke wahrer jüdischer Geist geweckt und sein geistiges Leben erneuert werde. Ich bin der tiefen und unerschütterlichen Überzeugung, daß die uns von Gott aufgegebene ewige Mission darin besteht, ein „Volk von Priestern" zu sein. Diese heilige Mission materiellen Interessen zu opfern, würde unseren Untergang bedeuten. In der geistigen Krise, die die heutige Welt erfaßt hat, ist es notwendig, daß das Volk Gottes den Glauben und die Wahrheit zu lehren wisse, um diejenigen zu entwaffnen, die schlechten Willens sind. Der jüdische Weltkongreß wird sich unter keinem Vorwand in die innere Politik der einzelnen Länder einmischen und wird in keiner Weise Sonderinteressen stützen. Wir werden ein Element der Einigung, niemals ein solches der Uneinigkeit sein. Möge das Judentum seine geistige Einheit wiederfinden, möge es noch einmal der Welt die Gerechtigkeit, die Wahrheit und den Glauben an den einigeinzigen Gott schenken! Aus der Gemeinde München Ausstellung der Jüdischen Volksschule. Die Schule veranstaltet in der letzten Märzwoche in den Schulräumen eine Ausstellung von Sc hü [erarbeiten aus dem Zeichen- und Handfertigkeitsunterricht. Bei dem großen Interesse, das der Schule aus allen Kreisen der Gemeinde entgegengebracht wird, wie bei der Bedeutung der manuellen Ausbildung für unsere Jugend darf ein reger Besuch der Veranstaltung erwartet werden. Nähere Mitteilung über Besuchszeit folgt noch. Friedrich Brodnitz vor der Jugend. Dr. Friedrich Brodnitz, Vorsitzender des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände, hat seinen Münchener Aufenthalt dazu benutzt, einen Ausspracheabend im Kreis des „Ortsrings der Jüdischen Jugendverbände" abzuhalten. Der 1. Vorsitzende der Gemeinde, Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer, entbot dem Gast herzlichen Gruß und faßte nach dem Referat, das mit seltener Verantwortlichkeit und Schonungslosigkeit alle mit heutiger Jugendarbeit zusammenhängenden Probleme klarstellte, den Dank der Anwesenden zusammen. Friedrich Brodnitz, der von der praktischen Tätigkeit des Reichsjugendausschusses ausging, stellte zunächst die Frage, ob der Zusammenschluß aller jüdischen Jugendbünde eine Idee verkörpere oder ausschließlich eine zweckmäßige Büro-Gemeinschaft. Der Bericht über die in den letzten Monaten geleisteten und für die Zukunft geplanten Arbeiten des Reichsjugendausschusses bewies, daß es dabei um mehr als reine Verwaltungsarbeit geht. Es ist der Versuch, bei entschiedener, in keinem Augenblick verwischter oder bagatellisierter Wahrung der eigenen Entscheidung, mit den Menschen der andern Gruppen das gute Stück Weges, das zusammen zurückgelegt werden kann und soll, bewußt gemeinsam zu gehen. Nichts —das betonte Brodnitz mit Schärfe — ist unjugendlicher und widerlicher als der Versuch, an die Stelle einer entschlossenen Bejahung einer Richtung, den unaufrichtigen und schwammigen Begriff einer alles umspannenden Gesamtheit zu setzen, aber andererseits ist es auch auf die Dauer unerträglich, wie die Entscheidungen der gegnerischen Gruppe schlecht gemacht werden, wie wenig die Gruppen über den Zaun ihres engen Geheges blicken und wie wenig sie dadurch zu einer wahren jüdischen Gemeinschaft kommen können. Auch auf dem Gebiet der Berufsentscheidungen, wo heute schon zuweilen wieder gesunde Grundideen überspannt werden, oder auf dem der Bildungsarbeit, MÜNCHEN\ BRIENNERSTRASSE52 KOSTÜME . KLEIDER . MÄNTEL. PJELZE da man sich mit Halbkenntnissen begnügt und die Werte der Welt vernachlässigt, wie auf dem der weltanschaulichen Festlegung, wo man Bindungen .auf Grund weniger, immer wiederholter Parteiphrasen trifft, hat uns Brodnitz ernste Worte gesprochen. Die Aussprache, die vom Ortsringvorsitzenden Herrn Dr. Josef Marschütz eröffnet wurde und in der u.a. auch Herr Dr. Hans Teutsch (Nürnberg), der Vorsitzende des Landesausschusses Bayern der Jüdischen Jugendverbände sprach, befaßten sich vor allem mit den Fragen gemeinsamer Bildungsarbeit und der Berufsentscheidungen. Der Eindruck des großen Schlußwortes von Dr. Brodnitz, in dem er seine Forderungen z.B. nach gemeinsamer geistiger Schulungsarbeit aller Gruppen u. ä. noch einmal unterstrich, war sehr stark. Wir danken ihm dafür, daß er mit aller Offenheit die Dinge gekennzeichnet hat, die (nicht zuletzt auch bei uns in München) besonders im Argen liegen; der viel zu schwache Besuch des Abends durch die Jugend gehört dazu und es wird an der inneren Erziehungsarbeit, die wir an uns zu leisten haben, liegen, dafür zu sorgen, daß es für uns alle eine Selbstverständlichkeit sein wird, wenn wieder einmal ein Abend solchen Gewichts stattfindet, ausnahmslos daran teilzunehmen. 11 Li.' . Hans Lamm. Zionistische Ortsgruppe München Die Verbindung der deutschen Juden mit Palästina ist in den letzten Jahren durch die in fast allen Familien vorhandenen persönlichen Beziehungen dorthin eine überaus innige geworden. Aus einem Traum und einer Hoffnung für wenige ist Erez Israel eine Wirklichkeit für alle Juden geworden. Die Beschäftigung mit den Fragen Palästinas und des Aufbaus der jüdischen Heimstätte ist heute Selbstverständlichkeit für alle, die den Sinn dieser historischen Stunde für das jüdische Volk und das deutsche Judentum begreifen. Die Palästina -Woche, die gegenwärtig in fünfzehn jüdischen Gemeinden Deutschlands stattfindet, gibt diesem Interesse neuen Antrieb und zugleich Befriedigung. In mehreren Veranstaltungen stellen im Rahmen dieser Woche berufene Redner aus Palästina und leitende Persönlichkeiten des deutschen Zionismus die Bedeutung des Palästina-Gedankens für die deutschen Juden dar und machen sie mit den Realitäten Palästinas vertraut. 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