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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-03-01 · 5 (1.3.1935) · p. Seite 98

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
5 (1.3.1935)
Date
1935-03-01
Page
Seite 98 (sequence 6)
Language
German
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98 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 5 tadellos angezogen ^- tadellose Qualität — und soo billig — das ist Kosciifekler Bayerstraße 5. Gegründet 1878 in den Nägeln als Zeichen des Wachstums. Ähnlich geht die Decke über den Sabbatbroten wahrscheinlich auf die alte Tischordnung zurück, dazu kommt der gleichfalls „vernunftgemäße", aber poetisch ausgedrückte Grund: man will das Wichtigste der Mahlzeit, das Brot, nicht durch den Segensspruch über den Wein „beschämen". Andererseits entsprach die Decke dem Wunsch, den Sabbattisch festlich zu schmükken und wurde dann symbolisch aufgefaßt, als Erinnerung an die Tauschicht über dem Manna, dem Urbild der Sabbatbrote. Ursprünglich auf die Volkssitte — nicht etwa auf fremde Einflüsse — wird die Sitte .zurückgehen, daß die Angehörigen für einen Verstorbenen beten; sie ist möglicherweise sehr alt, aber ihr Ursprung liegt ganz im Dunkeln, da die alten Quellen des Religionsgesetzes sie kaum andeuten. Sobald sie aber zu allgemeinerer Verbreitung kam, hat sie sich an den Namen eines der größten Lehrer, des Rabbi Akiba, geknüpft und mit einem der ausdrucksvollsten Gebete verbunden, dem Kaddisch, das seit alters im Trauerhause gesprochen wurde. Bei dem Worte „Minhag" denkt man zunächst an die Ge' brauche des Gottesdienstes, im weiteren Sinne, und diesen haben wir auch unsere Beispiele entnommen. Dabei sei nicht vergessen, daß vor allem die ganze musikalische Ausgestaltung dem Brauchtum angehört; gerade bei uns in Süddeutschland achtet man mit Recht darauf, die am Orte herkömmlichen Singweisen sorgsam einzuhalten. Aber wie schon angedeutet umfaßt das jüdische Brauchtum fast alle Lebensgebiete. Ob es — von bestimmten kleinen Einzelheiten abgesehen — eine besondere jüdische Tracht gegeben hat, darüber waren sich selbst führende Rabbiner nicht klar; aber sicher gab es — besonders nach nichtjüdischen Darstellungen zu schließen — auch hierin feste Gepflogenheiten, die allerdings von Zeit zu Zeit wechselten. Speise und Trank sind vielfach durch die Speisegesetze wie durch das Festjahr bestimmt, die Sitten in den einzelnen Ländern zeigen charakteristische Verschiedenheiten, die zum Teil schon durch die natürlichen Verhältnisse der Landschaft gegeben sind. Besonders reich sind Geburt, Hochzeit und Trauer an mannigfachen Gebräuchen, und religiöse, volkstümlich und ursprünglich fremde Motive sind hier besonders eng verwoben. Die Lebenskraft, die sich die Minhagim auf diesen Gebieten bis zur Gegenwart bewahrt haben, ist allerdings eine recht verschiedene. Es ist gewiß nicht in der Ordnung, daß manche von ihnen stärker beachtet werden als grundlegende Lehren und Vorschriften der Religion, aber das ist nicht immer ein Zeichen von Gedankenlosigkeit, sondern beweist eher, wie sehr sie dem religiösen Bedürfnis entsprechen. Franz Rosenzweig hat einmal — in den „Bauleuten" — geschrieben: „Wo jüdisch ■ gegessen werden soll, da müssen die zahllosen nur mündlich von Mutter zur Tochter überlieferten Bräuche des Speisezettels ebenso unverletzlich sein wie die Trennung von Milch- und Fleischdingen." Das ist eine vielleicht bewußte Übertreibung, der Minhag ist nicht ganz so wichtig wie das sozusagen offizielle Judentum, aber — er ist wichtig genug. Und wenn uns das Leben unserer Vorfahren unter ungünstigen äußeren Bedingungen so geschlossen und gesichert erscheint, so ist nicht nur ihre gefestigte Lebensanschauung daran schuld, sondern auch das reiche Brauchtum, das ihrer Feierstunde wie den schlichten Verrichtungen des Alltags den festen Rahmen gab. Der Oberrabbiner von Italien, Prof. Dr. Angelo Sacerdofi, gestorben Der Oberrabbiner von Rom und Vorsitzende des Rabbinats des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens, Prof. Dr. Angelo Sacerdoti, ist in Mailand einem Herzschlag erlegen. An dem Begräbnis am 20. Februar haben Delegationen sämtlicher jüdischen Gemeinden Italiens teilgenommen. Oberrabbiner Dr. Sacerdoti, der geistliche Führer der italienischen Judenheit, hat auch im politischen Leben der italienischen Juden, eine hervorragende Rolle gespielt. Er gehörte dem engeren Kreis um Ministerpräsident Mussolini an und war im Jahre 1930 neben dem damaligen Präsidenten des Jüdischen Gemeindeverbandes, Advokat Sereni, und dem Professor des kanonischen Rechts an der Mailänder Universität, Mario Falco, einer der drei jüdischen Vertreter in der von Mussolini mit dem Entwurf des neuen jüdischen Gemeindegesetzes betrauten Spezialkommission. Durch dieses Gesetz wurde der dem korporativen System Italiens eingegliederte Zwangsverband der jüdischen Gemeinden geschaffen, dem neben der Pflege der religiösen, auch die der national-kulturellen Aufgaben der Judenheit Italiens obliegt. Als jüdischer Gelehrter genoß Prof. Sacerdoti hohen Ruf. Besonders groß war sein Einfluß auf die sephardischen Gemeinden der Mittelmeerländer. Mit einem glühenden italienischen Patriotismus verband er ein aufrechtes jüdisches Nationalbewußtsein und betätigte sich führend an der Lösung gesamt jüdischer Aufgaben. Er vertrat die Judenheit Italiens im Comite des Delegations Juives und war einer der Vorkämpfer für den Gedanken, eines jüdischen Weltkongresses. In der Schlußsitzung der Genfer Vor-Konferenz am 23. August 1934 hatte Oberrabbiner Dr. Sacerdoti über Sinn und Bedeutung des Weltkongresses eine bemerkenswerte Rede gehalten, in der er u. a. ausführte: Der jüdische Weltkongreß ist eine gebieterische Notwendigkeit und wird deshalb stattfinden, auch wenn er Gegner hat, die sich darin gefallen, sich ein von aller Wirklichkeit fernes jüdisches Leben vorzustellen. In einer Welt, in der Organisation alles bedeutet, in der die Kollektivität sich immer mehr über das Individuum erhebt, bedeutet isoliert bleiben und die Notwendigkeit eines zentralen Organs des Judentums nicht fühlen, eine Absurdität. Die Bedenken derjenigen, die dem Gedanken des Weltkongresses feindlich gegenüberstehen, sind mir wohl bekannt: Wie könnt Ihr es wagen, sagen diese, die unter unseren Gegnern verbreiteten Legenden von einer angeblichen jüdischen Internationale mit ihren dunklen und mysteriösen Gefahren zu bestätigen? Wie könnt Ihr ihnen Recht geben, indem Ihr ein internationales Zentrum schafft? Auf diese Frage antworte ich: gerade darum ist der jüdische Weltkongreß notwendig! Gerade darum, weil diese Legende geglaubt wird und man es, was wir immer sagen und tun könnten, für feststehend hält, daß die Juden von einem internationalen zentralen Organ geführt werden, ist die einzige uns übrigbleibende Möglichkeit, dieses Organ in öffentlicher und offener Form zu ZIGARETTEN-U.TABAK- FABRIK G. M. B.H. -MÜNCHEN .......r-rT"......y...........■.......„„„uuvuauiMunuumiilllH tiuxiuu....,, ^jfate^*

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