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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1935-02-15 · 2 (15.2.1935) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1935
Issue
2 (15.2.1935)
Date
1935-02-15
Page
Seite 5 (sequence 2)
Language
German
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5 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereiris für Bayern Nr. 2 den. Germanische Sage, vaterländische Geschichte dürfen nicht Fremdkörper im Unterricht bleiben. Hier mit dem hotwendigen Takt und einer von wirklicher Sachkenntnis geführten Einfühlung, welche in der Geschichte das notwendig Gewordene anerkennt, Geschichte zu lehren, bedeutet eine schwere Aufgabe. Es ist selbstverständlich, daß unsere Kinder warm fühlen lernen für alles, was die Menschheit an Wertvollem geleistet, sie müssen aber auch Verständnis bekommen für den Geschichtsweg der Völker, denen wir durch Schicksal verbunden sind. Die Volksschule hat gewiß keine Geschichtsphilosophie zu vermitteln. Aber Geschichte als Gottes Führung zu erfassen und unser Schicksal darin verwoben zu sehen mit dem Stempel besonderer Führung, das kann man Kindern unserer Tage wohl verständlich machen. So liegt die Lösung der dritten Aufgabe letztlich im Religiösen! Gläubigkeit einzupflanzen bleibt wohl, Ausnahmen seien zugegeben, Sache des Elternhauses. Aber die Schule stellt den ersten wesentlichen Eingriff der Außenwelt in das Leben des Kindes dar. Wenn sie es versteht, die Welt der Dinge nicht beziehungslos an das Kind heranzubringen, sondern Menschen, Dinge und Geschehen dn der Einheit einer gottgeschaffenen und gottgeführten Welt zu sehen, dann hat die Schule auch ihre dritte Aufgabe erfüllt. Bertha Fraenkel-Ehrentreu. II. Ein Antwort-Brief. Sie fragen mich: was erwarten Sie sich für Ihre Kinder von der jüdischen Volksschule? Die Antwort soll zugleich eine Verantwortung sein. — Das Volksschulproblem war früher (gerade in München) ein von jüdisch-politischer Einstellung und sonstigen Imponderabilien getragenes und beeinflußtes. Heute ist es kein Problem mehr. Nicht nur die äußeren Existenzbedingungen der jüdischen Schule, sondern im speziellen die Eingliederung der gesamten jüdischen Lehrerschaft zu einem geschlossenen Lehrkörper und anderes haben das jüdische Schulwerk zu einer gemeindlichen Anstalt gemacht. Die Schule ist eine öffentliche mit dem Lehrplan der Volksschule, allerdings mit dem spezifischen Einschlag einer jüdischen Konfessionsschule. Die Würdigung der Schulerfolge, die Möglichkeit des Ausbaues, etwa im Sinne einer Aufbauschule, stehen wohl kaum zur Diskussion. Es geht um andere Dinge. Kraft Gesetz, so sagt man, besteht die Möglichkeit, die Kinder in die allgemeinen Simultan^- oder sonstige Koniessionsschulen zu schicken. Eine zwingende Notwendigkeit, sie schon in der Volksschule zu separieren, sei also nicht vorhanden. Hierzu eine grundsätzliche Bemerkung: Bei der Frage, welche ersten Schuleindrücke ein Kind empfangen soll, bei der Erörterung des Punktes, wem ein Kind in dem einprägsamsten Moment seines Daseins anzuvertrauen ist, entscheiden überhaupt nicht Möglichkeiten oder Zweckmäßigkeiten, sondern letzten Endes die lebenswichtige Entscheidung: jüdische Erziehung oder farblose, Nur-Wissen oder Charakter, Stil oder Stillosigkeit. Daß jede Schule nicht nur Wissenserziehung geben soll, sondern Willens- und Charakterlenkung, ist wohl herrschende Uberzeugung. Ein jüdischer Mensch aber kann die für seine Daseinsbedingungen erforderlichen Bau-Elemente im maximalen Sinn jedenfalls nur da empfangen, wo auch sein Jude- Sein positiv gewertet wird und dementsprechend Förderung erfährt. Mit anderen Worten: will man dem Kinde zur Bürde des Jude-Seins die Würde des Judentums zueignen, so muß das Kind jüdisches Erlebensgut, neben jüdischem Wissensgut in potenzierter Form, eine bestimmte geistige und seelische Haltung bei der Schulaufzucht gerade im empfänglichsten Alter eingeprägt erhalten; es muß einen Stil gewinnen, den Stolz, den lebensbejahenden, und die innere Ruhe und Zuversicht, die nur durch eine geschlossen fundierte Lebens- und Weltauffassung verbürgt werden kann. Geduldetsein ist ein Los, das einmal erstrebenswert erschien, toleriert werden ein verflossenes Ideal,— ein Erziehungsprinzip war es nie und kann es nie sein. Ich sollte Ihnen auf Ihre Frage eigentlich eine konkrete Antwort geben und nun möchte ich Sie selbst entscheiden lassen. Wir alle wollen doch den Tag segnen, an dem jedes jüdische Kind in aufrechter Haltung, im Bewußtsein der inneren Bedeutung der Größe und Verantwortung, die Fnage: „wer bist Du" — mit der Antwort krönt: „Ani jehiudi". Ergebenst Dr. Michael Siegel. Vereinsmiffeilungen 1. Am 6. Februar beging unser Vereinsmitglied Lehrer a. D. Selig Wiedemann seinen 90. Geburtstag. Wir haben dem Jubilar unsere Glückwünsche schriftlich zum Ausdruck gebracht. Auch hier nochmals ein herzliches mtD ^lö 2. Neuzugänge. Dem Verein sind weiter beigetreten: Emil Tachauer (Cham), Frl. Cläre Königshöfer (Würzburg), Grünfeld (Würzburg). 3. Lesehefte. Neben den drei Heften „Aus Midrasch und Agada", die unter Mitwirkung der Reichsvertretung der deutschen Juden herausgegeben wurden» ist nun ein viertes Heft erschienen „Der Freiheitskampf der Makkabäer", das sich mehr für die Oberstufe höherer Lehranstalten und für Jugendbünde als für Volksschulen eignet. In Vorbereitung befinden sich: Briefe von und über Maimonides, Erdkundliche Lesehefte, Eine Auswahl aus den Schriften Berthold Auerbachs. Aus der Geschichte der Berliner Juden, Gedichte, Ein hebräisches und ein englisches Leseheft. Heft 1—3 kosten je 40 Rpi, Heft 4 50 Rpf. München, 1. Februar 1935. M. Rosenfeld M. A d 1 e r. Lehrer in Gemeindeverwaltungen In den Synagogenrat in Speyer wurde unser Kollege Sigmund Marx gewählt. Lehrer Reinhold in Forchheim ist das Amt des Gemeindekassiers übertragen worden. Oberlehrer a. D. Jakob Nußbaum in Neumarkt (Oberpfalz) bekleidet seit kurzem das Amt des 1. Vorsitzenden der Gemeinde, nachdem er schon seit längerer Zeit als 2. Vorstand und Kassier tätig war. Die liberale Vereinigung für jüdische Schulen. Wie die „Jüdische Rundschau" mitteilt, sprach sich die „Vereinigung für das religiös-liberale Judentum" In ihrer Haupt Versammlung am Sonntag, den 20. Januar 1935, in Berlin einmütig für die jüdische Schule aus. Die jüdische Schule wurde grundsätzlich anerkannt als die einzige Möglichkeit, eine echte jüdische Erziehung zu vermitteln. Neugestaltung der Lehrerbildung. Der Bayerische Regierungsanzeiger vom 26. Januar 1935 bringt eine Bekanntmachung d. Staatsminist, f. Unterricht u. Kultus vom 24. Januar 1935 über die Neugestaltung der Lehrerbildung. Wir bringen hieraus einen ausführlichen Auszug: I. 1. Abbau der Lehrerbildungsanstalten. Trennung von allgemeiner und Berufsbildung. Mit Beginn des Schuljahres 1935/36 werden die bisherigen staatlichen und nichtstaatlichen Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalten abgebaut. Die Allgemeinbildung wird künftig auf einer Hochschulreife vermittelnden höheren Lehranstalt erworben; die berufswissenschaftiiche und praktische Ausbildung erfolgt an der Hochschule für Lehrerbildung, die vier Halbjahre umfassen wird. 2. Die Deutsche Oberschule in Aufbauform und ihre Bedeutung für das deutsche Volksbildungswesen. Mit dem Abbau der Lehrerbildungsanstalten! ist die äußere Veranlassung gegeben, jetzt auch in Bayern die Deutsche Oberschule in Aufbauform einzuführen. Es ist daher beabsichtigt, an Stelle des größten Teiles der staatlichen Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalten Aufbauschulen treten zu lassen. Diese Schulart nimmt Volksschüler nach vollendetem 7. Schuljahr auf, also mit 13 oder 14 Jahren, und führt sie in einer sechsjährigen Ausbildunsgzeit zu einer den neunklassigen Schularten gleichwertigen und gleichberechtigten Reife.

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